Mönchengladbach: Von den Mönchen am Gladbach
VON ANDREAS MENNE - zuletzt aktualisiert: 19.05.2009Mönchengladbach (RPO). Vor 120 Jahren begann die Geschichte der Franziskaner in Mönchengladbach. Sie kamen, um den Arbeitern in Zeiten der industriellen Revolution seelsorgerisch zur Seite zu stehen. Zuvor gab es über 80 Jahre lang keine Mönche am Fluss Gladbach, obwohl die Stadt ihren Namen trägt.
Der Ruf der Mönchengladbacher wurde 1889 erhört. 100 Jahre nach Beginn der französischen Revolution waren Mönche endlich wieder Teil des Stadtlebens und nicht nur des Ortsnamens. In Folge der napoleonischen Säkularisation, bei der rheinischer Kirchenbesitz weltlichen Mächten übergeben wurde, löste der Benediktiner-Orden 1802 das Kloster am Abteiberg in Mönchengladbach auf. Erst auf Initiative des städtischen Oberpfarrers Josef Remaclus Lelotte siedelten sich am 16. Mai 1889 wieder vier sächsische Franziskaner-Brüder an. Ihr Anliegen war, den Arbeitern in Zeiten der industriellen Revolution seelsorgerisch zur Seite zu stehen.
Den "Fußspuren" Christi folgen
Der katholische Bettlerorden der Franziskaner geht auf die Regeln des Heiligen Franziskus von Assisi aus dem Jahr 1209 zurück. Die Mönche, deren braune, umbrische Bauernkutten typischerweise mit einem hellen Strick zusammengebunden werden, sehen es seinem Vorbild folgend als ihren Auftrag an, in der Tradition der Evangelien den "Fußspuren" Christi zu folgen. Auf Grund dieser Mission waren die Franziskaner bald als Stadt-Mönche bekannt, da sie im Gegensatz zu anderen Orden nicht die Einsamkeit, sondern die Arbeit mit den Menschen suchten. Zur Armut verpflichtet, sind sie dabei auf die Spenden und Zuwendung der Menschen, denen sie helfen, angewiesen.
In Mönchengladbach entwickelte die Gesandschaft der Ordensgemeinschaft schnell weiter. Während bei der Einweihung der Kirche St. Barbara in 1892 nur das Nachbarhaus zum Eigentum der Mönche zählte, unterhielten sie ab 1927 eine theologische Fakultät mit Unterkünften für die Studenten innerhalb der Klostermauern. Noch bis 1968 besuchten alle Priesterschaftsanwärter der Kölnischen Franziskanerprovinz die Ordenshochschule in Mönchengladbach.
Ins Stocken geriet der Ausbau der klösterlichen Aktivitäten erstmalig in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft. Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges fiel den Mönchen die Aufrechterhaltung der liturgischen Feierlichkeiten immer schwerer.
Doch selbst nach einem Bombenangriff am 31. August 1944, der die gesamte Klosteranlage schwer in Mitleidenschaft zog, blieb die Gemeinde bestehen. So konnte in der Kirche knapp fünf Jahre nach Kriegsende wieder eine Heilige Messe gefeiert werden.
In den Folgejahren des Krieges nahm das Interesse junger Männer am Mönchtum immer stärker ab. Deshalb wurden die freien Räumlichkeiten der Ordenshochschule nach der Schließung im Jahr 1968 zu einer Akademie für Fortbildung. 1983 dann entstand auf einer Etage eine Seniorenstation für pflegebedürftige Franziskaner. Die leerstehenden Räume des Konvents werden seit 1992 vermietet, um so die Kosten für die Pflege der älteren Mönche zu tragen. Heute erhalten nur noch zwei Mönche die Präsenz des Ordens am Niederrhein aufrecht.
Verdienstmedaille
Jetzt wurde die 120-jährige Geschichte der Franziskaner in Mönchengladbach gefeiert. Provinzialminister Franz-Leo Barden zelebrierte die Heilige Messe und zeichnete elf Bürger, die sich für die Klostergemeinschaft einsetzen, mit der Verdienstmedaille der Kölnischen Ordensprovinz aus.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







