Mönchengladbach: Von wegen Geldsegen
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 27.01.2007Mönchengladbach (RPO). In diesem Jahr darf die Hochschule Niederrhein von jedem der 10 000 Studenten 1000 Euro Gebühren verlangen. Das sind zehn Millionen Euro. Eigentlich. Doch in den Fachbereichen kommen teilweise nur 200 00 Euro an.
Für diese Rechnung braucht man kein Mathematik studieren. 10 000 Studenten der Hochschule Niederrhein müssen dieses Jahr 1000 Euro Studiengebühren bezahlen (500 Euro pro Semester). Macht 10 Millionen Euro für die Hochschule. Oder etwa nicht?
Nicht ganz. Denn 21 Prozent der Einnahmen muss die Hochschule direkt an die NRW-Bank überweisen. Das Landesinstitut will damit die Studienkredite absichern, die für bedürftige Studierende zur Verfügung stehen sollen. „Das ist viel zu viel“, schimpft Hermann Ostendorf, Rektor der Hochschule Niederrhein. „Wer weiß, was die in Düsseldorf mit dem Geld machen.“ Außerdem könnten die betroffenen Studierenden auch bei anderen Bankhäusern Bildungskredite bekommen. Im Klartext: Mit dem Geld werden zumindest teilweise auch Darlehen abgesichert, die gar nicht bei der NRW-Bank anfallen.
Die Hochschule
Mitglieder Insgesamt studieren 10 000 Studierende an der Hochschule Niederrhein
Standorte Krefeld und Mönchengladbach
Fachbereiche neun. Chemie, Design, Elektrotechnik, Sozialwesen, Oecotrophologie, Maschinenbau, Textil- und Bekleidungstechnik, Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen
Studiengebühren Ab dem kommenden Semester (März 2007) darf die Hochschule pro Semester 500 Euro als Studiengebühr von den Studenten einfordern.
Doch auch die verbliebenen acht Millionen Euro stehen der Hochschule nicht in vollem Umfang zur Verfügung. Denn nicht jeder Student muss zahlen. Soziale Härtefälle sind ebenso ausgenommen wie Schwangere, studentische Teilnehmer im Olympiakader sowie „politisch engagierte“ Studenten (AStA-Mitglieder zahlen nur 250 Euro). Übrig bleiben laut Ostendorf etwa sechs Millionen Euro, immerhin mehr als zehn Prozent der bisherigen Gesamteinnahmen.
Aber auch dieser Betrag fließt noch nicht in den Etat der neun Fachbereiche. Weitere 40 Prozent gehen für „zentrale Aufgaben“ drauf. Dazu gehören neben Verwaltungskosten auch Maßnahmen, die allen Studierenden zugute kommen, wie ein größeres Angebot im Sprachenzentrum, die Erweiterung der Bibliotheken oder die flächendeckende Ausstattung der Hochschule mit dem Funknetz W-Lan. So bleiben am Ende nach Schätzungen der Fachbereichsleiter nur 200 000 bis 500 000 Euro übrig. „Das liegt auch daran, dass das Land NRW seine bisherigen Zuschüsse um rund 500 000 Euro reduziert hat“, erklärt Professor Marie-Louise Klotz, Dekanin des Fachbereichs Textil- und Bekleidungstechnik.
Nicht alle sind mit der Verteilung der Gelder für die „zentralen Aufgaben“ einverstanden. Während Studierende des Fachbereichs Sozialwesen lieber mehr Geld für zusätzliche Tutoren ausgeben würden („Wir brauchen kein W-Lan“) steht das Funknetz für die Wirtschaftswissenschaftler ganz oben auf der Liste. Auch dass die angehenden Manager als größter Fachbereich auch mehr Geld bekommen sollen, gefällt nicht jedem. „Dafür haben wir das viel teurere Studium. Die Erstausstattung mit Labormaterialien zahlen wir immer noch selbst“, sagt Fachschaftsrats-Vorsitzender Tim Fischer.
Prorektor Professor Michael Lent, zuständig für die Einführung der Studiengebühren, sieht das Ganze indes gelassen. „Wir können es sowieso nicht jedem Recht machen“, so Lent. „Aber eines ist klar. Die Studierenden sind in allen Gremien an den Entscheidung beteiligt.“ Und das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben.
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