Mönchengladbach: Vorster Busch: Ein Biotop in Not
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 15.07.2010Mönchengladbach (RPO). Es ist ein Negativrekord: Bereits mehr als 100 Geldstrafen musste die Stadt in diesem Jahr gegen Menschen verhängen, die im See des Vorster Buschs badeten, am Ufer campten und grillten. Naturschützer schlagen Alarm. Das Schutzgebiet mit vielen Tier- und Pflanzenarten ist akut gefährdet.
Hardt Es ist der Moment für eine innere Einkehr. Frühmorgens auf der Aussichtsplattform über dem Vorster Busch: Auf das grün schimmernde Wasser blicken, in dem sich der blaue Himmel reizvoll spiegelt. Ziegen beobachten, die am Hang grasen und sich dann ein schattiges Plätzchen suchen. Den Vogelstimmen lauschen. Das ist die schöne Seite des Biotops.
Auch eine 1000-Euro-Strafe
Die andere, die Schattenseite, zeigt sich wenige Stunden später. Dann bevölkern vor allem bei den derzeit heißen Temperaturen mitunter mehr als 100 Menschen das einzigartige Kleinod, die sich nicht mit den Rundwanderwegen und Aussichtsplattformen begnügen. Viele drängt es zum Wasser, und sie ignorieren Absperrungen und Verbotsschilder.
Mehr als 100 musten dafür bereits Strafen bezahlen – das ist zum jetzigen Zeitpunkt ein einsamer Negativrekord. Sogar ein Bußgeld über 1000 Euro ist darunter. "Wenn wir das nicht in den Griff bekommen, gefährden wir dieses einmalige Biotop", sagt Georg Esser, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde bei der Stadt.
Aus der ehemaligen Kies- und Sandgrube haben Stadt und Naturschützer ein etwa vier Fußballfelder großes Gebiet geschaffen, das Experten für außergewöhnlich halten. Mehr als 75 Vogelarten haben sich hier angesiedelt, dazu mehr als 20 Libellen- und fünf Amphibienarten. Die Naturschützer wissen: Auf der einen Seite drängen Tiere und Pflanzen in Bereiche, die für sie rekultiviert werden.
Andererseits wollen auch Menschen das Erholungsgebiet nutzen – und viele halten sich nicht an Ge- und Verbote. "Es ist schlimm, was hier an manchen Tagen abgeht", sagt Stadtförster Werner Stops. Viele wollen in dem bis zu 15 Meter tiefen See baden, obwohl dies wegen der steilen Ufer und der Kaltwasserströme im Gewässer sehr gefährlich ist.
Beim Campen und Baden bleibt es oft nicht. Grills werden mitgebracht, dazu reichlich alkoholische Getränke. "Wenn die Leute hier abgezogen sind, sieht das mitunter aus wie eine Müllhalde", sagt Achim Haimüller, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOS). Bis zu dreimal täglich schickt er Mitarbeiter in dieses Gebiet. Sie schreiben Verwarnungen am Fließband. Doch kaum haben sie sich umgedreht und sind wieder in ihr Auto gestiegen, rückt der nächste Freizeit- und Badetrupp an. "Wir können nur an die Vernunft appellieren und aufklären", sagt Förster Stops. Doch in den meisten Fällen hilft das nicht. Der Unvernünftige, dessen Bußgeldkonto bereits bei 1000 Euro liegt, muss mit weiteren Schritten rechnen. "Wir werden das Amtsgericht einschalten", sagt Nicole Peck, Sachbearbeiterin im städtischen Umweltamt. Ein ebenso großes Ärgernis sind Hundehalter, die ihre Tiere frei laufenlassen. Förster Stops: "Wir mussten schon Rehe töten, weil sie von Hunden schwer verletzt wurden."
Statt pausenlos mit Vandalismus zu kämpfen, würden die städtischen Umweltschützer dieses Gebiet lieber weiter ausbauen. Wenn's nach ihren Vorstellungen ginge, würden sie den Vorster Busch zu einem Element eines zweiten Grüngürtels neben dem Grünzug Niers machen. Doch das ist Zukunftsmusik, die sehr fern ist.
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