Mönchengladbach: Wachen vorm Supermarkt
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 19.07.2010Mönchengladbach (RPO). Zwei Wachleute sichern den Eingang eines Odenkirchener Supermarktes, nachdem Jugendliche dort randaliert hatten. Immer häufiger engagieren Lebensmittel-Geschäfte Wachdienste, denn die Verluste der Händler sind groß.
Klaus W. staunte nicht schlecht, als ihn auf dem Weg in seinen Supermarkt die beiden Muskelpakete vor der Tür freundlich grüßten. Der eine aß eine Banane, der andere trank aus seiner Wasserflasche. Seit einigen Wochen bewachen die beiden den Supermarkt in Odenkirchen, in dem der Mann täglich einkaufen geht. Seitdem vermehrt Jugendliche für Unruhe in dem Geschäft gesorgt hatten, griff der Markt offenbar zu diesem drastischen Mittel und stellte zunächst einen Wachmann vor die Tür. Der wurde direkt in der ersten Schicht von randalierenden Jugendlichen angegriffen. Die Polizei ermittelt. Seitdem jedoch wurde das Wachpersonal verdoppelt.
Immer mehr "Schwund"
Odenkirchen
Brennpunkt Bereits 2006 stand Odenkirchen als sozialer Brennpunkt im Fokus der Polizei. Damals erreichten Straftaten in dem Stadtteil ihren Höhepunkt. 65 Straftäter im Kinder- und Jugendalter lebten in dem Stadtteil. Als Folge entstanden die "Odenkirchener Gespräche".
Hochhäuser An mehreren Stellen in Odenkirchen leben hunderte Menschen auf engstem Raum in Hochhaus-Siedlungen.
Damit ist der Supermarkt in Odenkirchen nicht alleine, ein weiterer Markt in der Rheydter Innenstadt lässt ebenfalls Sicherheitsleute aufpassen. Und als vor drei Jahren eine Serie von Überfällen die Stadtsparkasse Mönchengladbach traf, sah das Institut auch keine andere Lösung mehr, als einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren. Längst sind es nicht mehr nur Juweliere auf der Kö, die sich einen oder mehrere Wachposten für die Tür stellen. Doch dass nun auch Supermärkte ihre Türen bewachen lassen, ist neu. Und es werden immer mehr. Genaue Zahlen darüber liegen zwar nicht vor.
Doch der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen sieht in dem Odenkirchener Markt kein Einzelbeispiel. "Anfragen und Aufträge von Supermärkten haben in den vergangenen Jahren sehr stark zugenommen", versichert Dr. Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Und das hat nicht mehr nur damit zu tun, dass Marktleitungen auch in den Abendstunden die nicht selten bis 22 Uhr geöffneten Geschäfte gesichert sehen wollen.
Denn die Verluste der Einzelhändler durch "Schwund" wird immer größer, hat der Einzelhandelsverband erkannt. Mittlerweile sind es jährlich 40 Millionen Euro, die allein die Mönchengladbach Einzelhändler jährlich als Verluste geltend machen. "Und der Großteil davon entsteht durch Ladendiebstähle und Beschaffungskriminalität", sagt Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Rheinischen Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes mit Sitz in Mönchengladbach. Ob Wachleute vor der Tür diese Ziffer senken, ist zwar nicht bewiesen. Allerdings sorgen laut Achten solche Sicherheitsdienste wie in Odenkirchen für eine "klare Botschaft nach außen und für Sicherheit der Beschäftigten und Kunden". Klaus W. stören die austrainierten Sicherheitsleute zumindest nicht: "Einmal habe ich gesehen, wie die beiden spielenden Kindern kleine Wasserflaschen gegeben haben."
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