Mönchengladbach: Wann der Kahlschlag normal ist
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 31.03.2009Mönchengladbach (RPO). Wurzeln verstopfen Kanäle, heben Bodenplatten von Häusern an, zerstören Wege: Der Stadt bleibt oft keine andere Chance, als die Säge anzusetzen und Bäume zu fällen. Doch das ist eigentlich die Ausnahme: Ein ganzes Team sorgt dafür, dass 120 000 Stadtbäume gepflegt werden.
Baumstümpfe, Stämme, Sägespäne: Es sah an der Preyerstraße so aus, als wollte die Stadt mit einem Kahlschlag alle Prachtbäume beseitigen. Spaziergänger waren entsetzt und beschwerten sich beim städtischen Grünflächenamt. "Diese Eingriffe sind notwendig, damit sich die Bäume erholen und wieder kräftig ausschlagen. Das ist das ganz normale Vorgehen", beschwichtigte dessen Abteilungsleiter Paul Brickwedde.
Doch was ist normal? Und wo liegen Fehler und Versäumnisse vor? Seit in der Stadt an mehreren Stellen ohne Genehmigung Bäume fielen, sind die Bürger sensibilisiert, reagieren Politiker kritisch, vermuten Naturschützer Druck von Investoren. Die Stadt hat es in diesen Tagen schwer, ihre Baumpflegearbeiten zu begründen: Denn selbst wenn die Säge angesetzt wird, hat dies nicht automatisch den Tod des Baumes zur Folge.
Hilfe für Winterlinde
Dafür gibt es Beispiele in der Stadt. Auf dem Gelände der Grundschule am Bäumchesweg ist eine viele Jahre alte Kastanie zu neuem Leben erwacht, nachdem die städtischen Baumpfleger aus dem Astwerk Totholz entfernt hatten und dafür sorgten, dass die Wurzeln des Prachtbaumes unter der Erde wieder ein wachstumsförderndes Umfeld bekamen. Oder die Bemühungen, die rund 700 Jahre alte Winterlinde am Laurentiusplatz in Odenkirchen zu erhalten.
Ein ganzes Team mit Gartenbautechnikerinnen, Baumschulmeistern und Gärtnern hilft mit, um 120 000 Stadtbäume für viele Jahre zu erhalten. Pro Jahr gibt Mönchengladbach für die Baumpflege rund 170 000 Euro aus. Und mitunter müssen auch große Aktionen finanziert werden – zum Beispiel, als die Stadt vor einigen Monaten große Kastanien mit Wurzeln aus dem angestammten Platz am Spielberg holte und "umtopfte", weil ein neues Baugebiet entstand.
Doch es gibt auch die zahlreichen Beispiele, bei denen am Ende kein anderer Ausweg mehr blieb, als die Bäume zu fällen. Für den Laien, der die Hintergründe nicht kennt, erscheint das Vorgehen der Stadt dann oft willkürlich. Das war etwa an der Zeppelinstraße der Fall, als die Wurzeln von Platanen unter die Bodenplatte der Häuser wuchsen. Oder wenn Wurzeln auf ihrer Suche nach Hohlräumen in Kanäle wuchern und sie verstopfen. "Wir haben bereits umfangreiche Sanierungen bezahlen müssen, weil die Wurzeln von Straßenbäumen Kellerräume massiv beschädigt haben oder das Wasser nicht mehr abfließen konnte, da die Kanäle durch das Wurzelwerk total blockiert waren", sagt Brickwedde.
Deshalb sind ihm die Situationen besonders lieb, die es ihm ermöglichen, Bäumen langfristig den Lebensraum zu geben, den sie brauchen. Das war beim Neubau der Santander Bank der Fall, als Bäume gepflanzt wurden, die künstliche Hohlräume, Lockstoffe für tiefes Wurzelwachstum und sogar eigene Lüftungsschächte haben.
Doch manchmal helfen weder gärtnerische Kunst noch Baumpflegerisches Wissen. Da passieren wie an der Düsseldorfer Straße und am Schürenweg Übermittlungsfehler, die zwar menschlich sind, aber in den beiden Fällen dazu führten, dass die abgeholzten Prachtbäume nur noch Brennholz waren.
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