Mönchengladbach: Warf Stadt Kunst auf den Müll?
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 19.09.2007Mönchengladbach (RPO). Der Münchener Künstler Wolfram P. Kastner verklagt die Stadt. Sein Vorwurf: Die Stadt entsorgte eine Koffer-Installation, die er für eine Ausstellung im Kulturzentrum Bis geschaffen hatte.
Wolfram P. Kastner droht der Stadt Mönchengladbach mit einer Klage. 25 000 Euro verlangt der Münchener Künstler, weil eine Installation aus seiner Ausstellung im Bis-Zentrum auf den Müll geschmissen wurde. Der Hintergrund: Im Januar 2006 gestaltete Kastner auf Einladung der Stadt die Präsentation „KunstEingriffe“ im Kultuzentrum mit Fotos, Objekten und mit einer Reihe Koffer, die – in gespenstischem Weiß gefasst und mit Schriftzügen versehen – an die Verfolgung, Deportation und Ermordung jüdischer Menschen in Mönchengladbach erinnerte. „Teile der Installation wurden mir nach dem Ende der Ausstellung nach München geschickt, die Koffer im Untergeschoss des Kulturzentrums gelagert. Mir wurde keine Frist gesetzt, innerhalb derer ich sie abzuholen hätte“, sagt der Künstler.
Wolfram P. Kastner
1947 in München geboren.
1966 bis 1972 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Robert Jacobsen, Franz Nagel, Thomas Zacharias. Studium an der Universität München: Germanistik, Psychologie, Pädagogik, Kunstgeschichte, Politische Wissenschaften, Soziologie .
2006 Ausstellung „KunstEingriffe – Zwischen Erinnern und Vergessen“ auf Einladung der Stadt Mönchengladbach im Kulturzentrum Bis an der Bismarckstraße.
Unwiederbringlich zerstört
Vor drei Monaten bat Wolfram P. Kastner um die Rücksendung seiner Koffer. „Einen Monat später teilte man mir mit, die Koffer seien entsorgt worden – also unwiederbringlich zerstört.“ Als er die Stadt aufforderte, den Schaden gütlich zu begleichen, sei man nicht auf seine Forderung eingegangen. „Man teilte mir schriftlich mit, es handle sich ja schließlich nicht um Kunst, sondern um Illustrationen des soziokulturellen Ausstellungsgedankens.“ Was den renommierten Künstler besonders empört: „Man stritt mir sogar mein Eigentums- und Urheberrecht ab. Und die Stadt behauptete, es sei ihr gutes Recht, meine Kunst nach eigenem Gutdünken zu vernichten.“
Vertreten wird die Stadt in dieser Sache durch den Kulturdezernenten Dr. Gert Fischer. Er war zwar zur Zeit der Ausstellung noch nicht in seinem jetzigen Amt, aber er bezog der RP gegenüber gestern Stellung, da über seinen Tisch der Schriftverkehr mit dem Künstler und dessen Anwalt geht. „Der Kurator der Ausstellung, Hubertus Wunschik, hat den Künstler mehrfach aufgefordert, die Koffer abzuholen. Das tat er nicht. Daraufhin wurden die Koffer entsorgt. Von wem, kann ich nicht sagen.“
Fischer bedauert, dass es zu dieser Auseinandersetzung gekommen ist: „Wolfram Kastner hat uns eine wirklich gute Ausstellung ins Haus gebracht, aber was er jetzt tut, halte ich für unfair.“ Der Kulturdezernent unterstellt dem Künstler Geldmacherei: „Da kann man doch dran fühlen. Er soll uns ruhig verklagen. Dem sehe ich gelassen entgegen.“
Wolfram Kastner hat angekündigt, hartnäckig zu bleiben. Er will an seinem Beispiel deutlich machen, dass die Stadt die Verpflichtung hat, achtsam mit Kunst umzugehen. „Entweder will man aus früheren, ähnlichen Skandalen nichts lernen und stellt sich dumm, als wisse man nichts davon. Oder die Verantwortlichen sind so selbstherrlich, dass sie meinen, Kunst zerstören zu können, wann immer sie wollen.“
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