Mönchengladbach: Warten auf die zweite Chance
VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 24.08.2010 - 18:26Mönchengladbach (RPO). Ludwig Utsch muss wegen eines Nierenschadens dreimal pro Woche zur Dialyse. Seit viereinhalb Jahren wartet der Gladbacher auf ein Spenderorgan. Vor zwei Wochen wurde ihm endlich eine Niere angeboten, er lehnte sie jedoch wegen der Hepatitisinfektion des Spenders aus Sicherheitsgründen ab.
Es ist zwei Wochen her, dass bei Ludwig Utsch nachts um ein Uhr das Telefon klingelte. Am anderen Ende der Leitung war ein Arzt vom Universitätsklinikum Düsseldorf. „Herr Utsch, wir haben eine Niere für sie. Sie müssen sofort vorbei kommen.“
Maschinelle Blutreinigung
Auf diesen Anruf hat der 70-Jährige viereinhalb Jahre lang gewartet. Der Rentner aus Mönchengladbach hat zwei nicht mehr funktionierende Nieren in seinem Körper. Der Organismus kann sein Blut momentan nicht ohne fremde Hilfe reinigen. „Das Nierenleiden fing bei mir an, als ich 20 war. Ich vermute, dass es irgendwas mit meinen Mandeln zu tun hatte, die waren immer entzündet“, erinnert sich Utsch, wohlwissend, dass Mandeln und Nieren funktional eng miteinander verbunden sind. Richtig schlimm sei es erst so ab dem Jahr 2000 geworden. Seit 2006 muss Utsch dreimal in der Woche zur Dialyse, damit sein Blut nun mit Hilfe der Maschine gereinigt werden kann.
Die Ärzte schließen zu diesem Zweck zwei Schläuche an seinem Arm an. Durch den einen fließt das Blut zur Dialyse-Maschine, durch den anderen fließt es zurück in den Körper. Befreit wird das Blut von Harnstoff, Harnsäure und anderen Giftstoffen, die der Organismus produziert. Außerdem wird der Flüssigkeitsanteil im Blutplasma vermindert, da die Niere, die ansonsten ebenfalls dafür zuständig ist, dies nicht mehr übernehmen kann. „Die Prozedur dauert jedesmal drei bis fünf Stunden. Ich nehme mir dann was zu lesen mit oder schaue Fernsehen“, sagt Utsch. Damit es nicht ganz so langweilig wird, fügt er hinzu.
So werde ich Organspender
Etwa 50 000 Deutsche sind auf die Dialyse angewiesen. Allein 12 000 Patienten warten auf eine Organtransplantation. Jedoch stand 2009 nur etwa einém Drittel dieser Patienten ein Organ zur Verfügung. Dabei kann nahezu jeder, egal zu welcher Altersgruppe er gehört, als Organspender dienen.
Wichtig sind vor allem das biologische Alter, die Größe des Organs und der Gesundheitszustand des Spenders. Ausschließende Kriterien sind einzig eine Krebserkrankung, Aids oder diverse Nervenkrankheiten. Einschränkende Kriterien sind Infektionskrankheiten oder Diabetes. Ein Jeder, der zu einer Organspende bereit ist, sollte seinen Willen somit in einem Organspendeausweis dokumentieren lassen, da eine Erklärung zur Organspende abgegeben werden muss.
Anderenfalls müssen die Angehörigen über eine eventuelle Organentnahme entscheiden. Sollte man sich dazu entschieden haben, die eigenen Organe nach dem Tod zu spenden, gibt es viele Möglichkeiten, an einen Organspendeausweis zu gelangen.
Er ist in vielen Apotheken, Einwohnermeldeämtern, Arztpraxen, Krankenhäusern und auch über das Internet erhältlich (www.fuers-leben.de). Auf der Internetseite der Deutschen Stiftung Organtransplantation erhalten interessierte Bürger weitere Informationen und Erfahrungsberichte rund um das Thema Organspende.
An jenem Tag vor zwei Wochen hätte das alles erst mal vorbei sein können. „Ich hatte schon gehofft, dass es klappt“, sagt Utsch. Doch aus der neuen Niere wurde nichts. Und das lag am Organ. „Der Spender hatte Hepatitis B, da habe ich mich sicherheitshalber gegen die Niere entschieden. Ich bin zwar gegen die Krankheit geimpft, aber sicher ist sicher und ich will mich ja nicht infizieren“, sagt Utsch. Nun geht das Warten weiter.
Und das dauert mitunter lang, besonders dann, wenn ein Patient wie Utsch die seltene Blutgruppe 0 hat. Patienten mit dieser Blutgruppe können Organe an Patienten mit jeder beliebigen Gruppe spenden. Sind sie selbst auf ein organ angewiesen, darf es jedoch nur Gruppe 0 sein. „Im Durchschnitt wartet ein Patient drei bis fünf Jahre auf eine Niere. Aber es gibt auch Ausnahmen. Mal kann es nur zwei Monate dauern, mal sieben Jahre“, sagt Dr. Lothar Jenneßen aus der nephrologischen Gemeinschaftspraxis in Eicken, in die Ludwig Utsch regelmäßig zur Dialyse kommt. Da Utsch über 65 Jahre alt ist, nimmt er an einem speziellen Programm von der europäischen Organspenderdatei Eurotransplant mit Sitz im niederländischen Leiden und dem Namen „Old-For-Old“ teil. Ältere Empfänger von Organen werden wegen des begrenzten Angebots in einer speziellen Datei zusammengefasst, sodass sie auch ausschließlich für ältere Organspender in Frage kommen..
Organe händeringend gesucht
„Man sieht also schon, dass Spenderorgane händeringend gesucht werden. Wenn mehr Leute einen Organspendeausweis hätten, wäre das eine enorme Hilfe“, sagt Dr. Jenneßen. Auch für Ludwig Utsch, der aber überzeugt ist, dass schon bald sein Telefon noch mal klingeln wird. „Ich bin jetzt statistisch einfach an der Reihe“, sagt er.
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