Mönchengladbach: Warteschleife Berufskolleg
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 10.05.2007Mönchengladbach (RPO). Fast 3000 Jugendliche sind an Berufskollegs angemeldet, weil sie keinen Ausbildungsplatz fanden. Einige nutzen die Zeit zur Weiterbildung, viele wollen einfach nur ihre Zeit absitzen. Die Schulform wird zum Auffangbecken.
Sie haben keine Lehrstelle und müssen doch zur Berufsschule gehen. Denn egal, ob Ausbildungsplatz oder nicht, das Berufsschuljahr ist für sie Pflicht. Aber hat der eine Schultag pro Woche überhaupt Sinn? Mit dieser Frage beschäftigen sich gerade Studenten der Hochschule Niederrhein vom Fachbereich Sozialmanagement. Ihr Projektthema: die „Problemsituationen im Übergang Schule – Beruf“. Gestern starteten sie eine Umfrage am Berufskolleg Platz der Republik. Von den Schülern wollten sie wissen, ob sie sich vorher auf Lehrstellen beworben haben und ob sie die Berufsschule als hilfreich empfinden?
Keine Lust auf Schule?
Sicher ist: Die Berufskollegs sind mittlerweile zum Auffangbecken für Jugendliche ohne Lehrstelle geworden. Birgit Battenstein, Leiterin des Berufskollegs am Platz der Republik, schätzt, dass mindestens zehn Prozent ihrer Schülerschaft zu dieser Klientel gehört. Zuerst waren es nur Jugendliche ohne oder mit wenig qualifizierten Abschlüssen, jetzt ist bereits eine komplette Klasse mit Schülern gefüllt, die Fachoberschulreife haben. Auch sie blieben ohne Ausbildungsstelle.
Wie motiviert man Schüler, die auf dem Arbeitsmarkt kaum Chancen haben, die unter Perspektivlosigkeit leiden und die nur zur Berufsschule gehen, weil sie es müssen? Schulsozialarbeiterin Verena Pettrup weiß: „Wer die Schüler nicht am ersten Tag für sich gewinnt, der hat sie meistens für immer verloren. Wir müssen ihnen sofort das Gefühl vermitteln: Schule ist nicht ätzend.“ Andreas Wichmann, Deutsch- und Englischlehrer sowie Fachgruppenleiter für Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag am Berufskolleg, ist sehr bedacht darauf, ein persönliches Verhältnis zu seinen Schülern aufzubauen. „Wenn sie nur in die Schule kommen, um mir einen Gefallen zu tun, dann ist das immerhin ein erster Schritt.“
Denn wer keinen Sinn sieht, bleibt zu Hause. Zwar droht Schulschwänzern ein Bußgeld. Aber vieles wird gar nicht gemeldet. Die Schüler sind oft extrem schwierig. Da soll es so manchen Lehrer geben, der sich freut, wenn keiner kommt. Auch Verena Pettrup hat schon von den Geschichten gehört, in denen 60 Schüler in einer Klasse gemeldet sind, tatsächlich aber nur sechs erscheinen. Wenn’s keinen interessiert. . .
Im Berufskolleg Platz der Republik gibt es Methodenschulungen für Lehrer. Birgit Battenstein ist froh, dass sie auf die Schulsozialarbeiterin zurückgreifen kann. Wissensvermittlung sei eine Sache, mindestens genauso wichtig aber auch das soziale Kompetenztraining besonders für Schüler.
Die Schulleiterin: „Die Lehrer können das in ihrem normalen Unterrichtsalltag gar nicht alleine schaffen.“
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