Mönchengladbach: Warum derzeit alles zum Golde drängt
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 08.09.2009Mönchengladbach (RPO). Gold übt von jeher eine starke Faszination auf die Menschen aus. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten verspricht es bleibende Werte und Sicherheit. Da ist es kein Wunder, dass Gold zurzeit wieder einen Boom erlebt. Sogar Staaten wie China stocken ihre Goldwerte auf. Woran liegt das? "Im Herbst letzten Jahres hat der Goldpreis angezogen, im Frühjahr ist er dann leicht abgeflaut", sagt Sven Witteck, Leiter Vermögensbetreuung bei der Gladbacher Bank. Vor fast einem Jahr hatte die Wirtschaftskrise eine Spitze erreicht: Aktien verloren massiv an Wert, sogar eine Währungsreform war im Gespräch. Gold wurde als Reservewährung angesehen. "Wer es sich erlauben konnte, hat sich im vergangenen Jahr und im Frühjahr mit Gold eingedeckt", berichtet Witteck. Die ansteigende Nachfrage und der Kaufkraftverlust des Dollars haben den Goldpreis steigen lassen. Trotzdem warnt Witteck davor, allzu sehr auf Gold bei der Anlage zu setzen. "Die Investition in Gold ist sehr spekulativ", sagt der Experte. Wie bei allen anderen Anlagenformen auch, muss Gold zur Zielsetzung und Persönlichkeit des Anlegers passen. Zwar konnten diejenigen, die 2005, als der Goldpreis bei 320 Euro pro Feinunze lag, in das Edelmetall investierten, bis heute ihr Vermögen nahezu verdoppeln. Sieht man sich aber die Goldpreisentwicklung zwischen 1986 bis 2006 an, so hat der Goldpreis in diesen Jahren unter dem Strich nicht zugelegt. Wer 1986 Gold kaufte, erzielte eine Rendite von Null.
Kaufkraftverlust des Dollars
Dennoch ist Gold auch jetzt noch beliebt bei den Anlegern. In Beratungen werde immer wieder danach gefragt, bestätigt Erika Staeger, Leiterin der Auslandsabteilung bei der Stadtsparkasse. "Die Anleger trauen sich im Moment nicht an Wertpapiere und Immobilien ran", stellt sie immer wieder fest. Gold dagegen vermittelt Sicherheit. Gold wird in Barren gekauft, die man zur Not auch anfassen kann.
Ob der Goldpreis in den nächsten Monaten weiter steigen wird, vermag derzeit keiner vorauszusagen. In der Prognose sind sich die Experten auf den Goldmärkten uneinig. Auch die Gladbacher Finanzexperten wagen da keine Aussage. Nur, dass die Schmuckindustrie im anstehenden Weihnachtsgeschäft zur Steigerung des Goldpreises beitragen wird, glaubt Erika Staege nicht. "In der Krise wird kein Schmuck gekauft, entsprechend wenig kaufen die Juweliere", sagt sie.
Auch Sven Witteck sieht den Einfluss der Schmuckindustrie auf den Goldpreis derzeit kritisch. Anlegern, die sich für Gold interessieren, rät er zur Vorsicht. "Das Thema Gold muss in das Gesamtvermögenskonzept passen", betont er. Für die meisten Anleger dürfte das heißen: Mehr als eine Beimischung wird das Gold nicht sein.
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