Mönchengladbach: Warum die Kultur oft abseits steht
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 28.08.2009Mönchengladbach (RPO). Museen, Musikschule und Volkshochschule: Sie sind attraktiv, gut aufgestellt und haben sanierte Häuser. Auch das Theater ist bis 2015 gerettet. Doch eitel Sonnenschein herrscht in der Kulturszene nicht: Wenn Politiker sparen wollen, steckt hier immer viel Potenzial.
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Die vergangene Wahlperiode war die Zeit der Gutachten. Eines davon wird immer wieder gerne zitiert: die Stellungnahme der Sparfüchse von Rödl & Partner. Nicht unbedingt deshalb, weil sie die Stadt voranbrachten, sondern weil im Gutachten eine Position auftauchte, die ein riesiges Sparpotenzial in sich birgt – der Verzicht aufs Theater. Rund zwölf Millionen Euro könnte die Stadt einsparen, wenn sie dem Gemeinschaftstheater Krefeld/Mönchengladbach den Rücken kehrte. Damals ging ein Aufschrei durch die Gladbacher Bevölkerung. Als das Theater Ende 2008 auch noch erklären musste, dass es statt 10,4 Millionen eine halbe Million Euro mehr Zuschuss von der Stadt braucht, kamen CDU und FDP tief ins Grübeln.
Keine Sparkeule
Heute wissen wir: Die Politiker haben am Ende für die Kultur und für das Theater entschieden.Theater und die Städte einigten sich schlussendlich auf ein Modell, das der ältesten Theaterehe der Welt einen jährlichen Etat von 22,9 Millionen Euro beschert – allerdings in der Höhe eingefroren bis zum Jahr 2015. Mönchengladbach zahlt davon die Hälfte. Damit folgen die Politiker dem Gutachter Actori. Der hatte abgeraten, die Sparkeule herauszuholen.
Doch dieses Beispiel zeigt auch: Wenn eine Not leidende Stadt Sparwillen beweisen will, dann ist es oft die Kultur, die zur Disposition gestellt wird. Dabei ist das kontraproduktiv. Denn zu den so genannten weichen Standortfaktoren zählen nicht nur Schulen und Sportstätten, sondern auch Theater, Museen, Musikschulen, Büchereien und andere Kulturstätten. Wenn ein Unternehmer aus mehreren Standorten wählen kann und ein Häuslebauer einen Platz für sich und seine Familie sucht – dann kann die Wahl auf die Kommune fallen, in der sie ihre kulturellen Bedürfnisse stillen können.
Und eigentlich ist Mönchengladbach da ganz gut aufgestellt. Das Museum Abteiberg, für fünf Millionen Euro saniert, ist eine hervorragende Adresse in der nationalen und internationalen Kunstszene. Das Museum Schloss Rheydt hat überregionale Bedeutung, sucht allerdings einen neuen Leiter, weil sein Chef Dr. Wilhelm Stratmann nach Bielefeld geht. Die Volkshochschule hat sich längst vom Töpferkursus-Image befreit und ist eine anerkannte Weiterbildungseinrichtung, die besonders nachgefragte Spezialkenntnisse vermittelt und mehr als 7000 Teilnehmer in ihren Kursen zählt.
Und die Musikschule hat auf die angespannte städtische Haushaltslage rechtzeitig reagiert: Sie vergrößerte die Klassen, bindet die Dozenten stärker ein und bietet Kurse für Erwachsene an. Alle diese kulturellen Institutionen verfügen über sanierte Häuser und gute Ausstattung. Gerade daran mangelt es der Zentralbibliothek in Alt-Gladbach. Das Gebäude an der Blücherstraße ist ein Energiefresser und viel zu klein – für 100.000 Medien wurde es gebaut und beherbergt heute mehr als das Dreifache, darunter bedeutende Archivmaterialien.
Einem Neubau an dieser Stelle räumen maßgebliche Politiker wenig Chancen ein: Das Grundstück ist attraktiver für eine andere Nutzung. Vielleicht ist ja in der neuen Einkaufsgalerie Platz für die Zentralbibliothek? Auch eines der beiden Häuser des BIS-Vereins braucht bauliche Hilfe: Weil die Statik nicht stimmt, ist nur noch das Erdgeschoss nutzbar.
Zurück zum Theater. Eine weitere Hürde ist geschafft: Die Stadthalle wird für 7,2 Millionen Euro saniert, und die Ausweichspielstätte im Nordpark ist so schick, dass es schon wieder schade ist, wenn sie aufgegeben werden muss.
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