Mönchengladbach: Was die WM der Stadt bringt
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 01.02.2010Mönchengladbach (RPO). Die Fußball-WM der Frauen 2011 hat einen unbezahlbaren Werbewert. Auch finanziell dürfte sie sich lohnen. Zudem sollen alle Anstrengungen unternommen werden, um bei Touristen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Es ist so eine Sache mit großen Ereignissen und den Schatten, die sie vorauswerfen. Die Frauen-Fußball-WM mit ihren drei Partien im Borussia-Park etwa ist noch anderthalb Jahre hin. Das klingt nach viel, wenn man vor Ort wohnt, aber nach weit weniger, wenn man als Fan aus den USA anreisen möchte. Doch wer jetzt schon daran denkt, ein Hotelzimmer an einem der Austragungsorte zu buchen, dürfte es schwer haben. "Das wird alles von der Fifa organisiert und reglementiert", sagt Andreas R. Graf vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), gleichzeitig Geschäftsführer des Best Western Crown Hotels. Bisher gebe es lediglich Vorverträge über die Kontigente, die der Fußball-Weltverband in Anspruch nimmt: "Vor Herbst wird die Theorie auch nicht mit Leben gefüllt werden." Und erst dann, wenn die offiziellen Fifa-Logos da sind, könnten die Hotels auch beginnen, etwa in München oder Hamburg Anzeigen zu schalten.
WM-Tickets
Die erste Verkaufsphase für die so genannte Städteserie (für alle drei Spiele in Gladbach) endete am Wochenende. Mehr als 20 000 Karten wurden für Gladbach bereits verkauft. In Kürze sollen online weitere Tickets zur Verfügung gestellt werden.
Ab 17. Februar können Vereine rabattierte Gruppentickets ab elf Personen erwerben, unter de.fifa.com/womensworldcup.
Einzeltickets gibt es ab 1. August.
"Ein schönes Zubrot"
Dass die Weltmeisterschaft (26. Juni bis 17. Juli 2011) speziell in Kombination mit der Hockey-EM im Hockeypark (20. bis 28. August 2011) eine riesige Chance für die Stadt bietet, ist für Graf unstrittig: "Das wird im sonst eher schwachen Sommer-Quartal ein schönes Zubrot bringen." Auch Uwe Schmitz von der Initiative der Altstadt-Wirte glaubt an einen Erfolg. "Wir haben schon mit der Hockey-WM 2006 sehr gute Erfahrungen gemacht, das hat hochwertiges Publikum in die Stadt gespült. Mit solchen Großereignissen rennt man bei uns Gastronomen nicht offene Türchen ein, sondern Tore."
Wie viel Geld die Ausrichtung von WM-Spielen tatsächlich in die Kassen einer Stadt spült, ist meist auch im Nachgang nur schwer zu beziffern. Peter Schlipköter, Chef des Stadtmarketings (MGMG), rechnet mit einem dreistelligen Millionenbetrag für Mönchengladbach. Weit wichtiger sei aber der langfristige Werbeeffekt. "Der Werbetrailer über den Spielort, die internationalen Fernsehübertragungen – das ist mit Geld alles gar nicht aufzuwiegen", ist sich Schlipköter sicher.
Die Vermarktung der Spielorte, etwa durch Plakate und Anzeigen, übernehmen DFB (national) und Fifa (international), am Niederrhein die MGMG. "Wir werden etwa die ganze Stadt beflaggen, wenn die Fifa mit ihrer ,Roadshow' nach Gladbach kommt, um die WM vorzustellen", sagt Schlipköter. Das Thema Fußball solle noch mehr in Stadtführungen eingebunden werden, für 2011 sei ein Campus-Gespräch geplant: "Und während des Turniers werden wir alle Anstrengungen unternehmen, den Touristen zu zeigen, dass die Stadt mehr zu bieten hat als drei WM-Spiele."
Dass die WM-Begeisterung groß ist, lässt sich aus der Zahl der "Volunteers" ablesen, jener Freiwilligen, die während der WM ehrenamtlich Helferdienste leisten. "Für Mönchengladbach haben sich bisher 490 Leute beworben", sagt Markus Wieser vom DFB. "Das sind nach Frankfurt und Berlin die meisten." Nötig wären nur 350 gewesen, eine Obergrenze gibt es nicht. Noch bis 28. Februar 2011 können sich Interessierte im Internet bewerben.
Andreas Graf warnt indes vor übertriebenen Erwartungen. "Ich glaube nicht, dass ein Geldregen auf Gladbach niedergehen wird. Den Effekt der WM würde ich so einordnen wie den einer kleineren Messe in Düsseldorf."
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