Mönchengladbach: Weg vom Ehrenamt-Image
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 14.06.2011Mönchengladbach (RP). Bei öffentlichen Trägern und Privatleuten fehlt vielfach das Bewusstsein, dass soziale Dienstleistungen Geld kosten. Der neu gegründete Bundesverband der Unternehmerinnen in der Sozialwirtschaft will das ändern.
Der Bundesverband
Ziele Den Markt in der Sozialwirtschaft flexibler zu gestalten, Unternehmerinnen bei der Gründung und Führung ihres Unternehmens zu unterstützen, Forderungen politisch durchzusetzen.
Mitglied kann jede Unternehmerin in der Sozialwirtschaft werden, auch wenn das Unternehmen noch in Gründung ist.
Internet Unter www.bus-berufsverband.de stellt sich der neue Berufsverband im Internet vor. Die Seite wird Anfang Juli freigeschaltet.
Kontakt über Elke Cosanne unter Tel. 02161/ 186$3709.
Das größte Problem sind die Preise. Die sind in weiten Teilen staatlich reglementiert und lassen für die Unternehmerinnen nur wenig Spielraum für Kalkulationen und Verhandlungen. "Die Honorare in der Sozialwirtschaft sind vielfach zu niedrig", sagt Christa Gesmann. "Es herrscht oft noch der Glaube, dass Unternehmerinnen und Mitarbeiter in der Sozialwirtschaft arbeiten, weil sie ein großes Herz haben und nicht, um Geld zu verdienen." Damit sind nicht nur die Träger sozialer Einrichtungen gemeint, sondern auch Privatleute. "Viele Bürger haben noch die Einstellung für soziale Dienstleistungen nicht bezahlen zu wollen oder nur ganz geringe Entgelte", hat Elfi Nohl festgestellt. Hier ein neues Bewusstsein zu schaffen und ihre Position in der öffentlichen Wahrnehmung zu verbessern, haben sich sieben Unternehmerinnen aus der Sozialwirtschaft auf die Fahne geschrieben und deshalb ihren eigenen Berufsverband gegründet.
Zusammen mehr Power
Die Idee ist aus dem Projekt "Frauen.Unternehmen Soziale Arbeit" der Hochschule Niederrhein entstanden. Deshalb wurde der neue Berufsverband auch in den Räumen der Hochschule gegründet, seinen Hauptsitz aber wird er in Düsseldorf haben. "In dem Verband sind Unternehmerinnen aus ganz verschiedenen Bereichen der Sozialwirtschaft vertreten", sagt Michaela Herbertz-Floßdorf. Sie hat eine Agentur für Kommunikationstraining für Menschen in Pflegeberufen, Sozialpädagogen, Lehrer und ähnliche Berufsgruppen. Ob ein ambulanter Pflegedienst, betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderungen, Dienstleistungen für Senioren und Familien, Theaterpädagogik, Managementberatung oder Budgetierungshilfe: Die Geschäftsideen sind vielfältig, die Probleme, mit denen die Unternehmerinnen zu kämpfen haben aber sind oft dieselben. "Wir haben einfach festgestellt, dass wir alleine nicht weiter kommen, aber zusammen schon", sagt Herbertz-Floßdorf.
Denn der Verband soll nicht nur der Durchsetzung der Interessen bei politischen Vertretern dienen, sondern auch der Vernetzung untereinander. "Wir stehen in Konkurrenz zu den großen Trägerverbänden", sagt Christa Gesmann. Als Einzelkämpferin werde man da oft nicht akzeptiert. Auch die Qualität der Arbeit werde oft in Frage gestellt. "Es ist schwer, den Markt als Wirtschaftszweig zu besetzen", sagt Elke Cosanne, Koordinatorin bei der Hochschule Niederrhein. "Faktisch ist es so, dass die meisten Unternehmerinnen Einzelkämpferinnen sind." Allerdings merken sie, dass ihre Dienstleistungen nachgefragt werden. Angelika Müller hat mir ihrer Geschäftspartnerin Anja Roßkamp im August 2010 ihr Unternehmen gegründet. "Im Laufe dieses Jahres werden wir die erste Mitarbeiterin einstellen", sagt Müller.
Zum Gründungstreffen des neuen Bundesverbands haben sich 15 Unternehmerinnen eingefunden, vier sind dem Verband gleich beigeteten. "Jetzt geht es darum, viele zu werden, damit wir unseren Forderungen und Zielen Nachdruck verleihen können", betont Patricia Knabenschuh. Ende November soll die erste offizielle Mitgliederversammlung des Bundesverbands stattfinden.
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