Mönchengladbach: Weiter Bangen um Karstadt
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 09.06.2009 - 11:33Mönchengladbach (RPO). Keine Staatshilfen, keine Rettungsbeihilfe: Das sind auch für die 140 Karstadt-Mitarbeiter in Rheydt schlechte Nachrichten. OB Bude hat noch Hoffnung: Der Karstadt-Vorstand habe sich zum Standort Rheydt bekannt.
Das Bangen um ihre Arbeitsplätze ist für die 140 Mitarbeiter und elf Auszubildenden in Rheydt noch nicht vorbei. Bereits gegen Mittag war am Montag klar: Eine Staatsbürgschaft für Arcandor, dem Karstadt-Mutterkonzern, wird es nicht geben. Am Nachmittag gegen 17 Uhr dann die zweite schlechte Nachricht: Der Antrag auf den Rettungsbeihilfekredit über 437 Millionen Euro ist ebenfalls abgelehnt. Nun droht die Insolvenz.
"Ein klares Bekenntnis"
Aber es gab auch hoffnungsvolle Nachrichten aus Berlin. Oberbürgermeister Norbert Bude (SPD) kam hoffnungsvoll von einem Treffen aller von der Karstadt-Problematik betroffenen Bürger- und Oberbürgermeister mit Wolfgang Tiefensee, Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, zurück. "Der Vorsitzende der Karstadt-AG, Stefan W. Herzberg, hat ein klares Bekenntnis zum Erhalt des Standortes in Rheydt abgegeben", sagte Bude im Gespräch mit der RP.
Karstadt Rheydt
Filiale Rheydt Die Rheydter Filiale ist eine von 91 in Deutschland, denen die Schließung droht.
Eröffnung war vor 33 Jahren
Verkaufsfläche Auf 10.000 Quadratmetern gibt es unter anderem Kleidung, Kosmetik, Elektronik und Haushaltswaren
Natürlich habe die Standortsicherung nur dann Erfolg, wenn der Gesamtkonzern überlebe, so Bude weiter. Trotzdem ist er überzeugt: "Das deutliche Bekenntnis bestätigt, dass es sich aus Mönchengladbacher Sicht unbedingt lohnt, zu kämpfen." Denn eine Rheydter Innenstadt ohne Karstadt will sich das Stadtoberhaupt erst gar nicht ausmalen. "Das wäre eine Katastrophe."
Peter Felten vom City-Management sieht das ähnlich. "Was die Sortimentspolitik angehe, sei eine Schließung der Karstadt-Filiale in Rheydt ein Verlust. Und: "Karstadt ist ein Frequenzbringer und schreibt schwarze Zahlen." Den Mitarbeitern indes bleibt kaum mehr, als weiter auf ihre Situation aufmerksam zu machen – und zu hoffen. Wo sonst zu dieser Jahreszeit der Blick auf bunte Sommermode im Schaufenster fällt, hängt nun – passend zur Stimmung – ein schwarzer Vorhang.
Die Botschaft ist unmissverständlich. "Innenstadt. Ohne Karstadt? GeisterStadt.", steht auf dem Schild hinter der Glasscheibe. "Es ist für uns wie Achterbahn fahren", sagt Betriebsratsvorsitzende Ursula Richter. "Das ewige Bangen geht an die Substanz", ergänzt ihre Stellvertreterin, Elvira Burhenne. Dass die Lage ernst ist, steht auch Geschäftsführer Manfred Hundt ins Gesicht geschrieben. "Aber wir geben die Hoffnung nicht auf", sagt er.
Gestern standen Burhenne und Richter wieder vor dem Eingang und sammelten Unterschriften für den Erhalt des Standortes Rheydt. Mehr als 11 000 sind in den vergangenen Wochen bereits zusammen gekommen. Die Bürger müssen sie zur Unterschrift nicht lange bitten. "Ich kann die Angst um die Arbeitsplätze schon gut verstehen", sagt Ursula Krienen und unterschreibt ebenso wie Ehemann Norbert auf der Liste.
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