Mönchengladbach: Weniger Stücke im Theater
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 17.01.2009Mönchengladbach (RPO). Das Theater kann in Zukunft nur noch ein Minimalprogramm anbieten: Die Politik trägt dafür die Verantwortung. Auch dafür, dass der nächste Intendant 2010 ohne spielfertige Stücke beginnen muss.
Noch sind längst nicht alle drängenden Fragen in Bezug auf die Theaterfinanzierung geklärt. Nachtragshaushalt 2008/09 Die Vereinigten Bühnen benötigen infolge der Tariferhöhungen 485 000 Euro zusätzlich vom Theaterträger Stadt Mönchengladbach. CDU und FDP haben diesen Betrag bisher nur als Darlehen zugesagt. Davon sind sie abgerückt, aber erst am 4. Februar kann der Rat dies korrigieren. Damit verstreicht unnütz viel Zeit, wertvolle Planungszeit für das Theater.
Die hat die Politik verzockt auf Kosten der Theaterleute. Fixkostenmodell Intendant Pesel hat dem Theaterkuratorium ein Fixkostenmodell als Notprogramm vorgestellt, das den Theateretat von 25,1 auf 23,8 Millionen Euro vermindert. Sollte die Politik auf der Basis dieser abgesenkten Finanzierung den neuen Theaterhaushalt beschließen, hätte das gravierende Auswirkungen auf das Angebot, das die Bühnen den Bürgern in Zukunft machen können: "Es gäbe nur noch ein Rumpfprogramm", sagt Theatersprecher Martin Siebold.
Statt gegenwärtig 20 Neuproduktionen in drei Sparten des Spielplans gäbe es künftig noch vier bis fünf Neuproduktionen je Spielzeit. Pesel erläutert dies: "Es kämen zwei neue Schauspiele, eine neue Oper, ein neues Ballett und eventuell noch eine konzertante Oper heraus." Wie sieht der nächste Spielplan aus? Die Mönchengladbacher Theaterbesucher und Abonnenten bekämen, träte das Fixkostenmodell in Kraft, 2009/10 zehn neue Stücke zu sehen, und dies auch nur, weil etliche aus Krefeld übertragen werden: Musiktheater/Ballett: Oper "Aufstieg und Fall des Hauses Usher"; "Verschollen" (Ballett), "Die Karriere des Wüstlings" (Strawinsky); ein neues Ballett sowie die Übertragung der Operette "Der Vetter aus Dingsda".
Im Schauspiel sähe es so aus: ein neues Stück, die Revue "Johnny Cash", die Komödie "Diener zweier Herren", "Heuschrecken" und ein weiteres neues Stück. Macht zusammen zehn neue Werke fürs Gladbacher Publikum. Zum Vergleich: In der laufenden Spielzeit gibt es 20 Werke in Mönchengladbach zu sehen – das Doppelte. Publikumsversorgung Mit diesem Minimalprogramm wäre die Aufrechterhaltung des Abonnements-Betriebs noch so eben möglich, erklärt Jens Pesel. Nachfolge Aber wenn im Sommer 2010 sein Nachfolger, Michael Grosse, das Amt des Intendanten übernimmt, wird er keine einzige Produktion übernehmen können, so Pesel.
"Alle Stücke wären dann schon durch die Abos gegangen." Wie Grosse auf diese Aussicht reagieren wird, ist noch nicht bekannt. Kulturdezernent Dr. Gert Fischer zum Stand der Verhandlungen über den Vertrag mit Grosse: "Er hat den zweiten Entwurf bekommen, es gibt noch Kleinigkeiten zu klären." Fazit Mit dem Sparmodell wäre das Theater zwar vorerst gerettet, aber es wäre nur ein Rumpftheater. Wegen der Lage hat bereits ein Künstler gekündigt: Der Tenor Hans-Jürgen Schöpflin geht.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





