Mönchengladbach: Wenn das Jugendamt klingelt
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.07.2008Mönchengladbach (RPO). 2469 vernachlässigte Kinder werden von der Jugendamt betreut. Das sind mehr als je zuvor. Die Stadt will deshalb ihr Frühwarnsystem ausbauen. Die Frauen-Union fordert die Einführung eines Baby-Begrüßungspakets.
Mönchengladbach soll familienfreundlicher werden. Deshalb fordert die Frauen-Union nicht nur, dass demnächst Babywindeln für Eltern kostenlos und in separaten Müllbeuteln abgeholt werden. Sie möchte auch das so genannte Baby-Begrüßungspaket einführen. In anderen Gemeinden und Städten wird’s schon gemacht: Jugendamtsmitarbeiter besuchen die neuen Erdenbürger und bringen Nützliches für Kinder und Eltern mit. Vor dem Besuch werden die Erziehungsberechtigten natürlich gefragt, ob’s recht ist.
Mehr als eine nette Geste
Für Manuela Luhnen, Vorsitzende der Frauen-Union, wäre das Baby-Begrüßungspaket mehr als eine nette Geste: „Wir könnten wichtiges Informationsmaterial wie zum Beispiel Listen mit Kinderärzten oder Beratungsstellen transportieren. Der Besuch würde aber auch helfen, Hemmschwellen gegenüber dem Jugendamt abzubauen.“ Gleichzeitig hätten die städtischen Mitarbeiter die Chance, möglichst früh Kontakt zu den Eltern aufzunehmen.
Kinder
Geburten 2241 Kinder wurden im vergangenen Jahr geboren. 30 Prozent haben Eltern, die nicht verheiratet sind.
Harz-IV Jedes vierte Kind lebt in der Stadt in einer Harz-IV-Familie auf
Allein Erziehende Es gibt 7500 allein erziehende Haushalte.
Bis jetzt scheute man sich noch bei der Stadt, das Begrüßungspaket einzuführen. „Wir haben über 2000 Geburten im Jahr. Bis jetzt liegt die Priorität unserer Präventivarbeit auf Familien mit einem Gefährdungspotenzial“, sagt Stadtsprecher Dirk Rütten. Will heißen: Noch suchen die Mitarbeiter des Jugendamtes nur die Familien auf, in den Risikofaktoren vorhanden sind oder wenn Verdachtsmomente gemeldet wurden. Das geschieht allerdings immer häufiger.
Denn in der Stadt wächst die Anzahl der Eltern, die nicht mehr mit ihren Kindern zurecht kommen, gewaltig. In 2469 Fällen muss das Jugendamt derzeit helfend bei der Erziehung eingreifen. Das bedeutet 2469 Mädchen und Jungen werden von ihren Mütter oder Vätern in irgendeiner Form vernachlässigt oder sogar misshandelt. Und das sind nur die bekannten Fälle. Erst im November vergangenen Jahres war die Rekordmarke von 2000 gebrochen worden.
Die Prognose lautete aber schon damals: Im Schnitt kommen jeden Monat weit mehr als 30 Fälle hinzu. Ständig müssen der Etat und der Mitarbeiterstab im Sozialen Dienst vergrößert werden, um der Lage Herr zu bleiben. Zurzeit beträgt der Jahresetat 38 Millionen Euro, und es gibt 65,5 Stellen.
Dass die Fallzahlen gestiegen sind, mag auch an dem Ausbau des Frühwarnsystems liegen. So haben beispielsweise Grundschulen direkte Ansprechpartner beim Sozialen Dienst. Lehrer können ihn jederzeit anrufen, wenn es Verdachtsmomente gib. Alle Institutionen, die mit der Entwicklung von Kindern zu tun haben, sollen eng vernetzt werden. Dazu gehören Kinderkliniken, Ärzte und Beratungsstellen, aber auch die Arge.
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