Mönchengladbach: Wenn das Studium arm macht
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 09.05.2009Mönchengladbach (RPO). Judith Vehling studiert, ihr Bruder Lucas auch. Die Studiengebühren reißen große Löcher in die Familienkasse. Mandy Gröne hat zwei Diplome und 31 000 Euro Schulden. Weil sie Bafög und Kredite zurückzahlen muss.
Vor seinem Lehrerstudium war Hans Vehling Finanzbuchhalter. Heute unterrichtet er an der Gemeinschaftshauptschule Dohr. Mit Zahlen schlägt er sich weiterhin herum – in seiner Freizeit. "Er ist unser Finanzminister", sagt seine Frau Monika. Und da hat er eine Menge zu tun. Hans Vehling wacht über die Ausgaben, die das Studium der beiden ältesten Kinder verursachen. Judith (22) studiert Sonderpädagogik in Köln, ihr Bruder Lucas (24) Diplomgeografie in Bonn. Familie Vehling muss sorgsam haushalten: Allein die Studiengebühr pro Semester beträgt pro Kind 500 Euro, dazu kommen mehr als 200 Euro Verwaltungsgebühren. Pro Nase – versteht sich. Das macht im Jahr unterm Strich rund 2800 Euro.
Aber das ist nicht alles. Judith und Lucas erhalten pro Monat je 500 Euro elterliche Unterstützung, also 12 000 Euro im Jahr. Und auch das ist noch nicht alles: Lucas muss als Student der Geografie an Pflichtexkursionen teilnehmen. Die letzte ging nach Mexiko. Kostenpunkt: 1800 Euro. "Und in diesem Jahr folgen noch zwei weitere Studienfahrten", sagt Hans Vehling. Judith hat neben dem Studium keine Zeit, Geld zu verdienen. Lucas jobbt stundenweise in einem Sportgeschäft. Mehr ist nicht drin.
Die beiden Studenten finanzieren die Studiengebühr über einen Kredit bei der NRW-Bank. Nach ihrem Examen müssen sie das geliehene Geld zurückzahlen – inklusive eines effektiven Jahreszinses von 5,48 Prozent. "Unsere Kinder werden hochverschuldet aus dem Studium herauskommen", sagt Hans Vehling. Und seine Frau ist sauer: "Wenn ich mitbekomme, dass die Hochschulen die Studiengebühren bunkern und nichts in Lehre und Ausstattung gesteckt wird, dann macht mich das total wütend." Sohn Claudius (19) ist gerade mitten im Abitur, er wird demnächst der dritte sein, dessen Studium finanziert werden muss.
Mandy Gröne (28) hat zwei abgeschlossene Studiengänge – und 31 000 Euro Schulden. Ihr Studium zur Diplom-Pädagogin in Düsseldorf schloss sie mit einer glatten 1 ab. Damals bezog sie Bafög, das sie jetzt zurückzahlen muss: 24 000 Euro. Aus dem zweiten Studium ging sie mit der Note 1,3 als Diplom-Sprachheilpädagogin hervor. Und mit etwa 4000 Euro Schulden bei der KfW-Bank. Über den Kredit finanzierte sie die Studien- und Verwaltungsgebühren. Dazu kommen private Schulden in Höhe von etwa 3000 Euro.
"Meine Tochter hat zwei tolle Diplome und 31 000 Euro Schulden", sagt Mandys Mutter, Ines Gröne. Die alleinerziehende Mutter zweier Töchter arbeitet als selbstständige Wirtschaftsinformatikerin. Ihre Einkünfte sind entsprechend unregelmäßig. Wann sie zuletzt Urlaub gemacht hat? "Vor zwölf Jahren", sagt sie. Und der nächste ist noch lange nicht in Sicht.
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