Mönchengladbach: Wenn Frauen Autos kaufen
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 20.01.2009Mönchengladbach (RPO). Die Farbe ist ihnen wichtig, auf Spielereien legen sie keinen Wert und vor dem Kauf sind Frauen bestens informiert. Das sagen die Autohändler. Die Hochschule Niederrhein machte eine Studie zur weiblichen Autokultur.
Wenn im Autohaus Kirsch die Junior-Verkäuferin beim Hersteller Wagen ordert, sagen ihre männlichen Kollegen schon mal: "Oh, gewagte Farbauswahl". Und genauso soll es auch sein.
Zuvor bestand der Zirkel der Einkäufer nur aus Männern, "und wir bestellten natürlich aus Männersicht", sagt Vertriebsleiter Michael Schulz, "Käufer sind aber auch Frauen." Der Anteil der Frauen, die für sich selbst einen Wagen kaufen oder dies als Entscheiderin für Firmen tun, ist gewachsen. Also änderte Kirsch die Strategie.
Mehr Verkäuferinnen gefragt
81 Fahrerinnen befragt
Führerschein Vor allem für ältere Frauen waren Unabhängigkeit, Freiheit und Selbstständigkeit Triebfedern für den Erwerb. Ab dem Geburtsjahrgang 1966 kamen berufliche Gründe dazu.
Traumauto Für ein Drittel machen Form und Design ein Modell zum Traumauto. Den "New Beatle" mögen viele, weil er sie an ihr erstes Auto erinnert: den Käfer.
Die Autos mit der für Männeraugen gewagten Farbkombination finden ihre Käuferinnen. Und die lassen sich auch besonders gern von einer Frau beraten. "Wenn Frauen allein ins Autohaus kommen, glauben viele, dass sie schlechter als ein Mann beraten werden. Das war früher sicher auch so, hat sich aber geändert", sagt Schulz. Doch das Vorurteil blieb. Deshalb möchte Kirsch mehr verkäuferinnen einstellen. "Die Hälfte wäre ideal", sagt Schulz.
Für Frauen muss das Auto vor allem funktionale Kriterien erfüllen. Das ergab eine Studie der Hochschule Niederrhein zur weiblichen Autokultur. Zwanzig Marketing-Studenten hatten im Auftrag des Kompetenzzentrums "Frau und Auto" 81 Fahrerinnen aller Alters- und Berufsklassen befragt.
Für fast 90 Prozent der Befragten ist das Auto zur Erledigung der Einkäufe unverzichtbar, dahinter kommen Freizeitgestaltung und Transport der Kinder. Ganz praktische Überlegungen sind wichtig: Der Wagen soll den Rollator für die pflegebedürftigen Eltern ebenso aufnehmen können wie den Kinderwagen. Singlefrauen ohne Kinder mit hohem Einkommen sind eine wachsende Zielgruppe für die Industrie.
Im Autozentrum West sind bereits 40 bis 50 Prozent der Kunden Frauen, erklärte Geschäftsführer Rolf Mund. Und die seien mittlerweile mit den technischen und wirtschaftlichen Themen vertraut. "Wir legen Wert darauf, dass unsere Verkäufer neutral und ohne Klischees bedienen", sagte Mund. Allerdings spielen Lebensumstände und Alter beim Autokauf eine große Rolle. Frauen wie auch ältere Menschen sollten etwa über eine Servolenkung nachdenken. "Frauen interessieren sich mehr für Kleinwagen und sind praktisch orientiert", sagt Ulrich Sieber, Leiter vom Autozentrum P&A. "Informiert sind die Kunden alle gleich gut – egal ob Mann oder Frau."
Dennoch kaufen Frauen anders, meint Franz-Josef Schwarz vom Autohaus Coenen: Sie entscheiden zwar auch mit dem Herzen, machen aber keine Lustkäufe wie Männer. "Der Wagen soll praktisch sein, aber die Farbe muss stimmen", bringt es Schwarz auf den Punkt. Auf technische Spielereien können sie gut verzichten.
Wenn es um die Kauf-Entscheidung geht, herrscht bei Paaren seiner Meinung nach längst Gleichberechtigung.
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