Mönchengladbach: Wenn Kölner sich zur Borussia bekehren lassen
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 04.02.2009 - 14:37Mönchengladbach (RPO). Bayern hin, Baumjohann her: Mit niemandem weiß ein echter Borusse so wenig anzufangen wie mit einem Kölner Fußball-Fan. Und insofern war die Borussia-Karnevalssitzung im Wickrather Kunstwerk einmal mehr ein Meisterwerk der Integration.
Denn die Allergrößten des Kölner Karnevals wie die Bläck Fööss, die Höhner und die Rabaue traten nicht nur bereitwillig im Kunstwerk auf, sie wurden – zumindest zeitweilig – zur Borussia bekehrt.
Die Bands ließen sich vom Mönchengladbacher Prinzenpaar Marcus I. und Niersia Ilona bereitwillig Borussia-Schals umhängen. Der "Blötschkopp", der die Zuhörer mit seiner Improvisationskunst und Schlagfertigkeit schier überwältigte, hatte einen echten FC-Witz parat: Der Verein sei der einzige in Deutschland, der es über mehrere Jahre geschafft habe, Trainer und Mannschaft zu verheimlichen, dass es noch eine Liga über ihnen gibt.
Witze über Borussia hingegen mochte an diesem Abend niemand machen. Dafür gab es viel Aufmunterung. Zum Beispiel von Prinz Marcus I., der riet, die Spieler müssten jetzt die Raute im Herzen tragen. Ihr Sessions-Hit "Wenn nicht jetzt, wann dann" passe hervorragend auf die Situation der Borussia, fand Prinz Marcus.
Präsident Rolf Königs ging in seiner kurzen Begrüßung weder auf die sportliche Situation noch auf das Fehlen von Mannschaft und Trainer ein. Dafür hängte er Karnevals-Boss Bernd Gothe für diesen Abend die Borussia-Kapitänsbinde um, die dieser auch für den Rest des langen Abends über dem weißen Jacket trug. Willi Kleuser, gewohnt souveräner Sitzungspräsident, pfiff erste und zweite Halbzeit stilecht an und ab und versprach den Zuschauern zu Beginn: "Endlich mal wieder elf Punkte in einem Spiel holen. Endlich mal wieder zwei gute Halbzeiten sehen."
Diese Erwartung hielt der Abend mühelos. Denn nicht nur die Giganten des Kölner Karnevals boten das zu erwartende Champions-League-Niveau. Auch die Bands und Büttenredner, die zum ersten Mal im Kunstwerk waren, holten die Besucher immer wieder von den Sitzen: "Blom und Blömcher" mit einer stimmgewaltigen Parodie-Nummer und "Ne Blötschkopp" mit seinen rasanten Publikumsbeschimpfungen gehörten zu den Highlights des Abends.
Der Abend war ein närrisches Mini-Jubiläum. Zum siebten Mal feierte Borussia Karneval. Die Sitzung hat – ähnlich wie die Seelöwen-Sitzung heute Abend – Köln-Arena-Format. Termin, Bühnenprogramm und Ablauf für die achte Runde stehen schon fest. In welcher Liga die Mannschaft dann spielt und ob sie vielleicht sogar kommt, ist hingegen so lange im Voraus nicht planbar.
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