Mönchengladbach: Wer hat das Sagen in den Bezirken?
VON INGE SCHNETTLER, SEMIHA ÜNLÜ UND DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 31.08.2009Mönchengladbach (RPO). Vier Bezirks-Bürgermeister werden in Zukunft die Geschicke der neuen Stadtbezirke leiten. Doch wer das Zepter in Nord, Süd, Ost und West halten wird, hängt nun von den Gesprächen und Koalitionsvereinbarungen ab. Die RP stellt vier vor, die sich Hoffnung machen.
RENATE ZIMMERMANNS (CDU) Kampfeslustig und aufmüpfig: So kennt man die 58-jährige Renate Zimmermanns. Die geborene Giesenkirchenerin trat 1989 der CDU bei. Bereits zwei Jahre später wurde sie in den Vorstand gewählt, seit 1994 ist sie Mitglied der Bezirksvertretung Odenkirchen, seit zehn Jahren ihre Bezirksvorsteherin. Vor allem die Modernisierung des Rheydter Bahnhofs ist ihr wichtig. Die Parksituation aber auch die Busanbindung und der behindertengerechte Zugang zum Bahnhof stehen bei ihr in Diskussion. Zuletzt setzte sich Zimmermannns für die Einrichtung eines Tierfriedhofs und eines neuen Plattenbelags für die Burgfreiheit ein.
Immer wieder fällt Zimmermanns auf – nicht nur, weil sie eine der wenigen Frauen in der CDU ist. Die Kauffrau und Unternehmerin sagt oft, was sie denkt, und verlässt sich im Zweifel lieber auf gesunden Menschenverstand als auf die Parteidoktrin. Es ist geradezu Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die einzige, die sich lautstark gegen die Reduzierung der Stadtbezirke aussprach, nun von dieser Minimierung profitieren könnte. Von der Bezirksvorsteherin für Odenkirchen zur Bezirks-Bürgermeisterin von MG-Süd? Dann hätte sich das Querdenken für Renate Zimmermanns sehr gelohnt.
FRANK BOSS (CDU) Seine Karriere kannte lange nur eine Richtung: nach oben. Der 48-Jährige wurde 1994 erstmals in den Rat gewählt und vertritt dort die Interessen der CDU. Seit 2004 ist er Bezirksvorsteher in Giesenkirchen. Der ehemalige EDV-Mitarbeiter der Stadtwerke ist Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landschaftsverband.
Dass ein Schatten auf seine politische Vita fällt, hängt mit dem Projekt "Giesenkirchen 2015" zusammen. Boss hat es mit entwickelt. Das Vorhaben, Sportanlagen in Wohngebiete zu verwandeln und Sportplätze auf dem Gelände des Freibads neu entstehen zu lassen, fand nur bedingt Anklang. Eine Bürgerinitiative sammelte mehr als 15 000 Stimmen dagegen. Unterschwellig machten ihm Parteifreunde den Vorwurf, nicht für genügend Transparenz gesorgt zu haben. Das Scheitern von "2015" sorgte für einen Riesenkrach in der CDU/FDP-Allianz. Boss kann anders. Der Neubau des Caritas-Altenheims wäre nicht möglich geworden, wenn der ehemalige Fußballer nicht so gut verhandelt hätte. Boss ist ein Stehaufmännchen und lässt sich nicht von einer geballten Sachkompetenz schrecken. Wenn's notwendig wird, kommt er schnell auf den Punkt: Sitzungen in Giesenkirchen sind von ihrer Dauer her überschaubar. Nehmerqualitäten hat er auch: Der CDU-Politiker macht am Sandsack regelmäßig Boxtraining.
HERBERT PAULS (CDU) "Immer positiv denken" ist die Devise des Bezirksvorstehers Stadtmitte. Bereits bei seinem Antritt als Bezirksvorsteher Stadtmitte 2004 sagte Herbert Pauls: "Vom Aussitzen der Probleme halte ich nichts." Entsprechend schnell machte er sich auch an seine Anpack-Liste für die ersten fünf Jahre. Sie reichte von der Altstadt über den Bahnhof bis zum Angebot auf der Hindenburgstraße. Auch für die blauen Schilder mit der weißen Wasserlinie, die auf den Gladbach hinweisen, setzte er sich erfolgreich ein und setzte sich bei den bürokratischen Kämpfen durch: Denn das Ordnungsamt sieht eigentlich braune Schilder vor. Auch mehr junge Familien in die Innenstadt zu holen, setzte er sich auf die Agenda.
Seit zehn Jahren ist Pauls Mitglied des Rates. Auf der Agenda noch immer weit oben: die Verschönerung der Waldhausener Straße.
ARNO OELLERS (CDU) Sein Vorgänger Hermann Spinnen, seit 1989 Bezirksvorsteher von Rheindahlen/Holt, hatte schon bei der Kommunalwahl 1999 angekündigt, er wolle sich im Laufe der Wahlperiode aus der Politik zurückziehen. Sein Nachfolger, Arno Oellers, seit 1999 für die CDU in der Bezirksvertretung, hatte dann doch noch genügend Zeit, sich an Spinnens Beine zu heften und sich auf sein neues Amt als Bezirksvorsteher vorzubereiten. Denn Spinnens Rückzug verzögerte sich letztlich bis zur Kommunalwahl am 26. September 2004. Seit diesem Tag steht Oellers der Bezirksvertretung in Rheindahlen vor.
Der 59-Jährige ist gelernter Bankkaufmann und als Geschäftführer einer Druckerei in Rheindahlen tätig. Seine politischen Schwerpunktthemen: Er setzte sich für neue Wohngebiete im Rheindahlener Land, etwa in Hehn, Wyenhütte und Gerkerath, ein, der Kreisverkehr an der Erkelenzer Straße war ein wichtiges Anliegen, ebenso die Verlagerung des Kaisers-Marktes von der Max-Reger-Straße zur Hardter Straße. Mit Vehemenz fordert er den Erhalt des Schulstandortes an der Geusenstraße in Rheindahlen in der jetzigen Form – mit beiden Grundschulen, der Hauptschule und dem Gymnasium. Die Zusammenlegung mit Wickrath zum neuen Stadtbezirk Mönchengladbach-West sieht er positiv. Gemeinsam mit der bisherigen Wickrather Bezirksvorsteherin Marianne Beckers setzte er ein Zeichen der Zusammengehörigkeit. Zusammen luden sie Anfang des Jahres zum ersten gemeinsamen Neujahrsempfang ein.
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