Mönchengladbach: Wie weckt man Wahlmüde?
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 22.08.2009Mönchengladbach (RPO). Immer mehr Bürger bleiben der Wahlurne fern. Wer ist Schuld: Bürger oder Politiker? Eine Woche vor der Wahl will ein neuer Verein gegen Wahlmüdigkeit mehr Wähler mobilisieren – mit der Formel: "45,2 + X".
Stell Dir vor, es ist Wahl und keiner geht hin. Bei der vergangenen Kommunalwahl 2004 gab NRW-weit nicht einmal jeder zweite Bürger seine Stimme ab. In Mönchengladbach lag die Wahlbeteiligung sogar unter dem Landesdurchschnitt. Rund eine Woche vor der Wahl will ein neugegründeter Verein mehr Wähler in die Wahllokale locken. Eine Herausforderung für das 17-köpfige Team – denn die Zeit läuft den Mitgliedern davon. "Es ist unfassbar, dass die Entscheidung, Wählen zu gehen, teilweise vom Wetter abhängig gemacht wird", sagt Bernd Gothe, Vorsitzender von "Aktiv für Mönchengladbach". Gothe hat sich in Gladbach unter anderem als Karnevals-Chef einen Namen gemacht. Nun will sich der Vorsitzende des Mönchengladbacher Karnevalsverbands (MKV) der Herausforderung stellen, zur Kommunalwahl am Sonntag auch notorische Nichtwähler zum Gang an die Urne zu motivieren.
Schuld an der Wahlmüdigkeit vieler Gladbacher seien Bürger und Politiker zu gleichen Teilen, so Gothe. Selbstverständlich müssten sich sich Bürger bewusst sein, dass sie als Nichtwähler darauf verzichten, die Stadt mitzugestalten – und Dinge zu ändern, die sie möglicherweise stören. Aber auch die Politiker müssten sich die Frage gefallen lassen, warum die Leute nicht wählen gehen. Sind sie enttäuscht? Wurden Wahlversprechen nicht eingehalten? "Die Politik muss stärker als bisher auf die Bürger zugehen", fordert Gothe.
Mit einem Aufruf, den zahlreiche Mönchengladbacher Prominente unterschrieben haben, will der Verein nun Wahlmüde für den Gang an die Urne begeistern. Unterzeichner des Aufrufs, am nächsten Sonntag Wählen zu gehen, neben Vereins-Initiator Norbert Bude und seinem Herausforderer um das Amt des Oberbürgermeisters Norbert Post auch Sprecher von Unternehmensverbänden, Kirchen, Sportler und Künstler. Denn viele Nichtwähler bleiben nicht aus Protest dem Wahllokal fern, sondern aus mangelndem Interesse.
Vor allem auf diese hat es der Verein abgesehen: "Nichtwähler sind immer noch vor allem Jung- und Erstwähler", sagt Gothe. Darum wollen er und seine Mitstreiter in den kommenden Wochen gezielt auf die Jugendlichen zugehen – und in den Schulen über die Wahlen informieren.
Neugierig machen soll nicht zuletzt die raffinierte Formel, mit der der Verein für die Kommunalwahl wirbt: '45,2+X' will der Verein als Schriftzug auf Wahlplakate kleben. 45,2 Prozent betrug die Wahlbeteiligung in Gladbach bei den Kommunalwahl 2004. Dieser Wert soll um eine zweistellige Zahl gesteigert werden – dafür steht das X. Dass sie dieses Ziel aus eigener Kraft nicht erreichen werden, ist sich Gothe bewusst. "Wir schaffen das nur, wenn alle an einem Strang ziehen", sagt Gothe. Darum appelliert er auch an Lehrer, im Unterricht über die Wahl zu informieren.
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