Mönchengladbach: Wieder Ärger im Altenheim
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 11.11.2010Mönchengladbach (RPO). Weil die Hilfe zu spät kam, stürzte eine 90-jährige Bewohnerin des Caritas-Pflegeheims Holt aus dem Bett und verletzte sich gravierend. Ihre Angehörigen erheben schwere Vorwürfe gegen den Caritasverband.
Seit fünf Wochen liegt Maria Lehmler im Krankenhaus. Drei Operationen musste die 90-Jährige überstehen, drei Vollnarkosen verkraften. Am 12. Oktober ist das Unglück passiert – im Caritas-Altenheim Hehnerholt. Morgens um 4.30 Uhr fiel die alte Dame aus dem Bett und brach sich den Oberschenkel.
Wie sie anschließend ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn, Renate und Wilfried Pelzer, versicherte, hatte sie vorher das Notsignal gedrückt. "Als niemand kam, hat sie offenbar alleine versucht, zur Toilette zu kommen", sagt Wilfried Pelzer, der zugleich der Betreuer seiner Schwiegermutter ist.
Einrichtung bewusst ausgewählt
Seit einem Jahr wohnt Maria Lehmler im Caritashaus Holt. "Meine Frau und ich haben das Heim damals bewusst ausgewählt", sagt Pelzer. Frisch renoviert und mit freundlichen Farben aufgepeppt, habe die Einrichtung einen hervorragenden Eindruck gemacht. "Wir haben erst einige Zeit später gemerkt, dass im Haus viel zu wenig Personal für 120 Bewohner auf vier Etagen beschäftigt ist." Was tagsüber problematisch sei, müsse nachts zwangsläufig zur Katastrophe führen. "Für je zwei Etagen, also für jeweils etwa 40 Bewohner steht in der Nacht nur eine Pflegekraft zur Verfügung", sagt Peltzer. "Wie soll das funktionieren?" Und er beantwortet seine Frage selbst: "Wir sehen ja jetzt, wozu das führt."
Schon zuvor war Maria Lehmler mehrere Male aus dem Bett gefallen. "Sie ist ein ungeduldiger Mensch, aber als Rollstuhlfahrerin auch ständig auf Hilfe angewiesen", erklärt Wilfried Pelzer. Er hatte deshalb darum gebeten, speziell nachts das Bettgitter hochzuklappen.
Das sei ohne richterlichen Beschluss nicht erlaubt, habe man ihn informiert. "Als ich nach dem Vorfall noch einmal nachfragte, hieß es plötzlich, nach Absprache mit mir als Betreuer hätte man das Sicherheitsgitter sehr wohl installieren dürfen", sagt Pelzer. Noch etwas ärgert ihn. Zusätzlich zu den 3600 Euro monatlich zahlt er für eine Zusatzbetreuung der Schwiegermutter. Die kostet 103,50 Euro und sichert der Bewohnerin 52 Minuten Sozialbetreuung im Monat. "Ich erwarte für das Geld auch entsprechende Besuche desozialen Dienstes im Krankenhaus. In fünf Wochen habe man jedoch nur zwei Mal nach ihr gesehen.
Heute wird Maria Lehmler aber wieder Besuch vom Altenheim bekommen. "Dafür haben wir gesorgt", sagt die Hauswirtschaftsleiterin des Holter Altenheims, Christine Porwol. Sie hat die Dokumentation eingesehen. "Es stimmt, dass Frau Lehmler in der Nacht geschellt hat", sagt sie. Der Notruf sei auch vorschriftsmäßig vom Nachtdienst quittiert worden. Zwischen Notruf und dem Auffinden der Bewohnerin hätten maximal vier Minuten gelegen. "Da war es schon zu spät", sagt Wilfried Pelzer. Er hat inzwischen eine Beschwerde an den Caritasverband des Bistums Aachen geschrieben.
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