Mönchengladbach: Wieder Ärger um Skulptur
VON RALF JÜNGERMANN UND GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010Mönchengladbach (RPO). Von der Großskulptur von Maria Lehnen vor dem Münster sind alle begeistert: Die Kirchengemeinde, der Münsterbauverein und engagierte Bürger, die der Stadt die Skulptur stiften möchten. Doch die Politiker wollen nicht und vertagten gestern ihre Entscheidung.
In unmittelbarer Nähe des Portals, in das Joseph Beuys 1972 das Wort "Exit" geschrieben hat, steht seit Februar eine Bronzeskulptur der Mönchengladbacher Künstlerin Maria Lehnen. Der Mensch mit den weit ausgestreckten Armen ist nicht nur künstlerisch bemerkenswert, sondern längst ein Politikum. Zum zweiten Mal binnen eines halben Jahres verursacht die Skulptur nun eine Posse.
Dabei ist sie weder provokant noch in ihrem künstlerischen Wert umstritten. Im Gegenteil: Es gab eine Flut positiver Reaktionen, als Lehnen eine ihrer Skulpturen während ihrer Ausstellung auf dem Münstervorplatz ausstellte. Dort sollte sie nur für sechs Monate bleiben. Doch kunstsinnige Bürger fanden so sehr Gefallen an dem Werk, dass sie es zur Dauereinrichtung werden lassen möchten. Darum boten sie an, es der Künstlerin abzukaufen und der Stadt zu schenken. "Wir würden das sehr begrüßen, wenn es dazu käme", sagt Dr. Heinz Oberlack, Vorsitzender des Münsterbauvereins. Oberbürgermeister Norbert Bude sprach sich dafür aus, das Geschenk anzunehmen.
Bedenken gibt es allein aus der Politik. Die muss der Schenkung zustimmen, weil das Gelände der Stadt gehört. Gestern sollte im Kulturausschuss darüber beraten werden. Doch es kam anders als gedacht: Die Fraktionen der SPD, FDP und der Grünen beantragten eine Unterbrechung, um sich kurz zu beraten. Das Ergebnis: Die Diskussion und Entscheidung über den Standort wurde auf die nächste Sitzung des Kulturausschusses im November vertagt.
"Das war eine Stilfrage", sagt Ulrich Elsen (SPD). "Wir wollten verhindern, dass es im Ausschuss zu einer quer laufenden Diskussion kommt, ob wir das Geschenk annehmen oder nicht. Das wäre weder den Schenkern noch der Künstlerin angemessen gewesen." Jetzt soll hinter verschlossenen Türen beraten werden, ob die Skulptur vielleicht auch an einem anderen Ort aufgestellt werden könnte.
Für Maria Lehnen kommt das nicht in Frage: "Die Skulptur passt genau an diese Stelle. Die kann man nicht einfach irgendwo anders aufbauen." In einem Statement bezieht sich Lehnen auf die Aktion von Beuys. "Hiermit machte er den Eingang zum Ausgang. Die Aktion wirkte wie eine Aufforderung an die Kirche, endlich herauszukommen und sich um die Welt zu kümmern", heißt es da. Die Skulptur wachse an diesem Standort in den Raum. "Sie braucht einen Platz, an dem sie in die Weite sieht", sagt die Künstlerin.
Maria Lehnen kann nicht nachvollziehen, warum die Politiker "jetzt so rumeiern", wie sie sagt. Sie sei nicht beleidigt, wenn die Stadt die Skulptur nicht haben wolle. Nur entscheiden müsse man sich schon. "Gefragt ist ein klares Ja oder Nein", so die Künstlerin. Das sehen auch die Spender so, die anonym bleiben wollen.
Schon im März hatte es Ärger um die Bronze-Skulptur gegeben. Damals hatte die Stadt Sorge, Blinde könnten sich an den Händen (die 1,84 Meter hoch sind) verletzen und das Kunstwerk deswegen mit rot-weißen Barken abgesperrt. Danach waren aus Sicherheitsgründen hohe Kantsteine verlegt worden, die das Kunstwerk inzwischen umsäumen. Kommentar
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