Mönchengladbach: Wir brauchen kleine Qualitätsläden
zuletzt aktualisiert: 09.03.2009Mönchengladbach (RPO). Peter Felten erklärt im Interview, warum er das Amt des ersten Vorsitzenden vom Rheydter City-Management übernommen hat. Er berichtet über Pläne, die Innenstadt wieder attraktiver zu machen und warnt vor Resignation. Denn er findet: "Rheydt ist für Besucher immer noch interessant."
Was hat Ihre Frau zu Ihrem Entschluss gesagt, erster Vorsitzender des Rheydter City-Managements zu werden?
Felten Meine Frau hat sich sehr differenziert dazu geäußert. Wir haben mit unserem Laden und der Mode-Agentur zwei Unternehmen. Das bedeutet viel Stress und Arbeitseinsatz. Dazu haben wir vier Kinder. Meine Frau hat mir gesagt, es sei Wahnsinn, was ich mir mit dem Vorsitz zusätzlich aufhalse. Aber sie konnte meiner Argumentation folgen, dass man in seinem sozialen Umfeld auch selbst anpacken muss und nicht immer nur nach Berlin, Düsseldorf oder der Stadtverwaltung rufen kann.
Ist es schwer, für Ihre Aufgabe engagierte Mitstreiter zu finden?
Felten Ich war sehr positiv überrascht. Es ist tatsächlich so, dass es Menschen gibt, die nicht nur die Institution City-Management kritisieren, sondern sich auch aktiv einbringen. Und das alles ohne Dotierung, sondern auf ehrenamtlicher Basis. Darüber freue ich mich sehr.
Peter Felten
Geboren 24. Januar 1950
Familienstand verheiratet; vier Kinder: ein Sohn (28) und zwei Töchter (24 und 20) aus erster Ehe, ein Sohn (13) aus zweiter Ehe
Ausbildung Studium der Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften
Mode Während des Studiums als Dressman gearbeitet und in Modefirmen Ferienjobs. Aufbau der deutschen Generalvertretung eines französischen Modeunternehmens. 1994 Übernahme des Geschäfts Marie Claire in Rheydt.
Wenn man durch Rheydt geht, hat man zurzeit den Eindruck, dass die Hauptstraße das große Sorgenkind ist, während es in der Stresemannstraße noch gut läuft.
Felten Das ist ein ganz komplexes Thema. Sicherlich hat die Hauptstraße in den letzten Jahren gelitten. Aber wir sind jetzt mit dem Planungsbüro Scheuvens und Wachten akut in der Arbeit mit dem Innenstadtkonzept. Der Erfolg ist eine Frage des Engagements jedes Einzelnen. Es ist eine schwierige Situation. Positiv muss ich feststellen: Immer, wenn in Rheydt ein Event stattfindet, ob klein oder groß, kommen Besucher in die Stadt. Das zeigt mir, dass die Stadt interessant ist.
Wie lange kann man sich noch Zeit lassen, das Innenstadtkonzept umzusetzen?
Felten Sicher hat keiner Zeit. Je schneller es geht, umso besser. Auf der anderen Seite bedarf es eine Zeit der ruhigen Planung und Überlegung, um das Konzept umzusetzen. Ich habe kein Problem mit den nächsten fünf Jahren. In erster Linie ist für mich das laufende Jahr wichtig. Ein erster Schritt ist die Testphase der geänderten Verkehrsführung.
Stichwort Verkehrskonzept. Haben Sie Widerstände in der Bevölkerung gespürt?
Felten Es gibt immer Interessengruppen, die dagegen sind. Aber ich muss ja die gesamte Stadt sehen, und da ist es wichtig, dass der Ring in Rheydt auch ein Ring wird. Natürlich ist klar, dass es Partikularinteressen gibt. Aber wenn ich das Ganze sehe, dann muss ich ein Gesamtkonzept haben, dass die Innenstadt erreichbar ist. Das kann für den Einzelnen schwer sein. Nach den Monaten der Testphase der veränderten Verkehrsführung müssen wir sehen und diskutieren, wie das läuft.
Welche Eckpunkte des Konzepts halten Sie für besonders wichtig?
Felten Die Erreichbarkeit der Geschäfte und des Zentrums zu erhalten. Das Carré um Marienplatz, Stresemannstraße, Karstadt und Hauptstraße soll Kernbereich bleiben. Die Ideen im Konzept sind gut. Aber auf der anderen Seite muss man wissen, dass wir eine Einstellung zur Gestaltung des Post-Areals haben. Wenn dort Einzelhandel hinkommt, ist es problematisch.
Interessant ist, dass Sie den Marktplatz nicht genannt haben.
Felten Der Marktplatz ist der wichtigste Platz in der Stadt, an dem sich hoffentlich bald was ergeben wird.
Gibt es schon Gastronomen, die Interesse am Standort Marktplatz bekundet haben?
Felten Die Nachfrage ist noch zurückhaltend.
Wie schnell muss die Umgestaltung des Marktes gehen?
Felten Als Vorsitzender des Rheydter City-Managements würde ich mir wünschen, dass man im nächsten Jahr beginnen kann. Aber da gibt es rechtliche Gegebenheiten, die erst noch abgearbeitet werden müssen. Wünschenswert wäre es, wenn das Konzept in den nächsten zwei bis drei Jahren umgesetzt wird.
In der Stadtverwaltung stehen durch den Weggang des technischen Beigeordneten und das Konjunkturpaket einige Veränderungen an. Haben Sie die Befürchtung, dass Rheydt aufgrund mangelnder Kapazitäten bei der Stadt vergessen werden könnte?
Felten Nein. Zu den politischen Gegebenheiten kann ich wenig sagen. Aber wer den Handel vergisst, der ist tot. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Rheydt vergessen wird. Das Gesamtbild der Stadt muss ja stimmen. Das geht nur, wenn man uns hilft. Die Frage ist, ob man erkennt, dass eine Stadt nur durch die Menschen dort lebt. Damit hilft sich die Stadt selbst, denn dann können auch wir für die Stadt etwas tun.
Wie zufrieden sind Sie mit der Unterstützung der Stadt?
Felten Es besteht ein guter Kontakt zur Stadt. Wir sind im Gespräch.
Wie wichtig ist es, dass die Immobilienbesitzer mitziehen?
Felten Das ist sehr wichtig und ein sehr schwieriges Thema. Ich kann nur alle Immobilienbesitzer bitten, mitzuziehen und sich in das Boot mit hineinzubegeben. Dazu muss das Verständnis zwischen Einzelhandel und Eigentümern verbessert werden. Reiner Kellermann hat dazu schon erste Kontakte aufgenommen. Ich glaube, dass wir da auch aktiver werden müssen. Eine Wandlung in Rheydt ist auch eine Frage der Veränderung der Denkwerte. Wir können nur dann etwas ändern, wenn wir alle mitziehen.
Sie haben bei ihrer Wahl angekündigt, dass sie die bisherigen Aktivitäten des City-Managements weiter führen wollen. Was planen Sie darüber hinaus?
Felten 2008 gab es mit dem Jubiläums-Blumenkorso ein extraordinäre Ereignis. Das ist vor allem der Verdienst von Ulrich Ernst, der sich enorm engagiert hat. Wir werden auch dieses Jahr den Blumensonntag organisieren und beim Turmfest und Weihnachtsmarkt mitmachen. Für 2010 planen wir wieder einen Blumenkorso, der allerdings nicht das Format des Jubiläumskorsos haben wird. In diesem Jahr werden wir die Begrünung weiter forcieren, um die City im Gesamtbild zu verbessern. Zudem werden wir versuchen, Klein-Events zu organisieren. Früher sind zum Beispiel Jazz-Bands in den Straßen aufgetreten. Wir sind gerade dabei, so etwas zu planen, so dass mehr Leben in die Stadt kommt.
Events ziehen viele Leute an, haben aber nur kurzfristige Effekte. Wäre es nicht ein Weg, den Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz auszubauen?
Felten Natürlich ist der Marktplatz der beste Platz für einen dreiwöchigen Weihnachtsmarkt. Aber wenn die öffentlichen Interessen anders sind, dann sind unsere Möglichkeiten begrenzt. Wir haben Pläne in der Tasche, die auch umsetzbar wären. Aber das City-Management kann kurzfristig nicht Veranstalter werden.
Könnten Sie sich vorstellen, Veranstalter des Weihnachtsmarkts zu werden?
Felten Wir können uns vorstellen mit Partnern zusammen einen großen Weihnachtsmarkt zu organisieren. Dabei arbeiten wir gerne mit bewährten Partnern zusammen.
Allgemein wird beklagt, dass die Ladenräume an der Hauptstraße zu klein sind, weil der Einzelhandel große Ladenflächen sucht.
Felten Mir geht es eigentlich immer um die Qualität des Einzelhandels. Wenn wir es hinbekommen würden, qualitativen Einzelhandel zu positionieren und zu etablieren, hätten wir gewonnen. Nach wie vor besteht dazu die Möglichkeit.
Aber gerade am mittleren Einzelhandel mangelt es.
Felten Der Punkt sind die Interessen. Jeder Einzelhändler muss das Interesse haben, etwas zu tun und ein Geschäft aufzubauen. Dazu gehört auch eine gute Zusammenarbeit zwischen Banken und Einzelhandel.
Eine Wirtschaftskrise ist dafür nicht die beste Zeit.
Felten Es ist nie eine gute Zeit, so etwas zu machen. Das ist nicht eine Frage von City-Management oder Politik. Es ist eine Frage der Menschen. Mangelnde Risikobereitschaft des Nachwuchses ist das Problem. Die Überalterung im Einzelhandel ist doch signifikant. Der Weg ist schwierig. Aber Rheydt hat ein sehr gutes Umfeld dafür.
Woran liegt es, dass das offensichtlich nicht erkannt wird?
Felten Das kommt darauf an, wie man sich selbst sieht. Wenn ich mich als Diaspora sehe, dann werde ich auch so gesehen. Wenn ich aber positiv zeige, dass wir hier Läden mit Potenzial anbieten können, habe ich eine Chance. Als Einzelhändler muss ich das Potenzial sehen und mich richtig positionieren.
Ein Blick in die Zukunft: Wenn sie alle Möglichkeiten und ausreichend finanziellen Spielraum hätten, wie sähe Rheydt in zehn Jahren aus?
Felten Ich würde mir vorstellen, dass der Marktplatz und sein Umfeld von kleinen Läden geprägt wird. Und komischerweise denke ich auch, dass das machbar wäre.
Und die realistische Einschätzung?
Felten Ich hoffe, dass es gemacht wird. Der Bedarf an qualitativen, mittelständischen Läden ist existent und der muss auch irgendwann befriedigt werden. Mit der Shopping-Galerie und Karstadt sind zwei Große in Rheydt. Das ist gut. Der Knackpunkt ist, dass weitere kleine Qualitätsläden dazu kommen sollten.
Das Gespräch führten Garnet Manecke, Carola Siedentop und Dieter Weber.
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