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Mönchengladbach: Wir müssen draußen bleiben

VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 12.07.2008

Mönchengladbach (RPO). „Darf ich mal Ihren Ausweis sehen?“, heißt es nicht nur für Minderjährige vor der Disco sondern auch für Erwachsene, die in Raucherclubs wollen. In der Altstadt setzen die Wirte das Nichtraucherschutzgesetz unterschiedlich um. Nikotinschwaden und volle Aschenbecher gibt’s immer noch.

Info

Nichtraucherschutz

Seit Juli darf in Gaststätten und Discos nicht geraucht werden. NRW und Thüringen setzten als letzte Länder das Rauchverbot um.

Erlaubt in Festzelten, auf Brauchtumsveranstaltungen sowie in Lokalen, die zu Raucherclubs geworden sind.

Es ist fast 23 Uhr. Für einen Absacker geht’s auf die Waldhausener Straße in der Altstadt. Es regnet in Strömen. Vor einem Lokal stehen ein paar Männer. Sie drängeln sich mit ihren Zigaretten möglichst nah am Hauseingang, um nicht nass zu werden. Es herrscht Rauchverbot entlang der Kneipenmeile. Wie fast überall seit dem 1. Juli.

Doch ein paar Lokale weiter beginnt das Raucherparadies. Am Eingang prangt das Schild „Raucherclub“. Und tatsächlich, überall stehen Aschenbecher, Nikotinschwaden hängen in der Luft – als hätte es den Nichtraucherschutz nie gegeben. Wer hier einen trinken will, tut das auf eigene Gefahr. Und das gibt’s erstmal schriftlich, bevor die Bestellung aufgenommen wird. Die Kellnerin legt zwei Anträge auf den Tisch, erklärt das Procedere. Ihre Stimme kämpft gegen die laute Rockmusik aus den Boxen an.

Obwohl in diesem Szeneladen garantiert keine Vereinsmeier verkehren, haben nun alle einen Mitgliedausweis in der Tasche – ob Raucher oder Nichtraucher. Den müssen sie jetzt jedes Mal mitbringen, wenn sie die Schwelle zur Club-Kneipe überschreiten wollen. Das ist ein bisschen so wie früher, als der Schülerausweis beim Disco-Besuch nicht fehlen durfte.

Ein paar Stunden zuvor beginnt der Altstadtbummel im Goldwasser. Fast alle Gäste essen noch zu Abend. Absolut qualmfrei. Doch plötzlich ein vertrautes Geräusch. Also doch. Ein schneller Blick durch den Raum, zu den Gästen an den Tischen. Die vier Männer auf den Barhockern, jeder mit einem großen Bier vor sich, sind schon verdächtig. Aber nichts. Es riecht weiterhin nur angenehm nach Gebratenem und der leichten Säure vom Weißwein, der nebenan ausgeschenkt wird.

Das klickende Geräusch des Feuerzeugs kam von der Kellnerin, die Kerzen angezündet hat. Im Goldwasser herrscht absolutes Rauchverbot. Noch. Denn wenn später am Abend die Restaurant-Besucher gegangen sind und das Party-Volk in die Bar kommt, leidet die Atmosphäre. Einige Gäste, die sich am Wochenende bei Zigarette, Musik und Drinks amüsieren wollten, sind bereits wieder gegangen.

Deshalb überlegt Chef Michael Rentergent, wie er im Goldwasser zumindest teilweise das Rauchen erlauben kann. Denn um den kleinen Aschenbecher, der auf einem Hocker vor der Tür steht, können sich höchsten fünf Raucher gruppieren, sonst wäre der Eingang blockiert. An diesem Tag stehen nur zwei Frauen vor der Tür, während sich ihre Freundinnen am Tisch schon mal zuprosten. Einmal im Monat trifft sich die Gruppe der Freundinnen. Margarete Mohr-Kamphausen und Ute Maiß rauchen wenig, dass sie es im Goldwasser nicht mehr dürfen,macht ihnen nichts aus.

Der Eingang ist überdacht, nass werden die beiden nicht. Doch sie fragen sich, wie es im Winter aussieht. „Dadurch raucht man vielleicht weniger, weil man es sich verkneift“, sagt Margarete Mohr-Kamphausen. Doch dass der Staat ein Rauchverbot aufdrückt, findet sie nicht gut. Gerade kleine Kneipen, die nur vom Thekenbetrieb leben, hätten es jetzt schwer.

„Wer weiß, wo das endet. Demnächst darf man seinen Wein nicht mehr in der Öffentlichkeit trinken.“ Bevor es das Rauchverbot gab, hätten sich Raucher und Nichtraucher einfach verständigt. „Wir haben uns zurückgehalten und weniger geraucht, und unsere Freundinnen haben sich nicht daran gestört“, erzählt Ute Maiß.

Ein paar Meter weiter am Alten Markt sind die Tische vor dem Graefen und König fast alle besetzt. Der Regen legt eine Pause ein. Es wird munter gequalmt. An der Eingangstür weist ein Schild darauf hin, dass es hier einen Raucherbereich gibt. Die Kellnerin zeigt ganz nach hinten. Wo Aschenbecher auf den Tischen stehen herrscht gähnende Leere. Kein Wunder, welcher Raucher sitzt schon im eigenen Mief, wenn das Wetter gut ist? Eine Stunde später gießt es wie aus Kübeln, doch viele bleiben unter den großen Schirmen sitzen. Auffällig viele Raucher sind darunter. Dabei wird’s richtig kühl. Wer im Winter nicht frieren will, sollte schon mal anfangen mit dem Aufhören.

Quelle: RP

 
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