Mönchengladbach: Wir werden sie vermissen
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 18.06.2010 - 17:09Mönchengladbach (RPO). Zum Abschied der Schnellen Eingreiftruppe ARRC im JHQ gab es militärische Ehren – vor allem aber Warmherzigkeit und Wehmut. Prinzessin Anne nahm sich viel Zeit für ihre Soldaten. Noch-Ministerpräsident Rüttgers redete launig.
Es dürfte nicht oft vorkommen, dass eine Königliche Hoheit eine Militärparade abnimmt, die hochrangigsten militärischen und politischen Würdenträger Reden halten – und so viel von Freundschaft und Herzlichkeit sprechen. Zwar sind es jetzt nur 1000 Soldaten, die mit ihren Familien in den Südwesten Englands umziehen. Doch jeder wusste gestern: In Rheindahlen hat der Abschied erst begonnen. Bis 2016 wird das Hauptquartier wohl komplett leer sein. Eine Ära geht zu Ende.
Diese historische Dimension ist auch Prinzessin Anne bewusst, die in ihrer Ansprache betonte, sie habe die Britischen Streitkräfte gerade in Deutschland sehr oft besucht. Wohl deswegen sprach die Tochter der englischen Königin das nicht gerade leichte Wort „Mönchengladbach“ perfekt aus. Sie dankte der Stadt, Oberbürgermeister Norbert Bude und den Bürgern für ihre große Gastfreundschaft.
Das Nato-Hauptquartier habe Standards gesetzt. Die Prinzessin nahm sich viel Zeit für die Soldaten, führte etliche kurze Gespräche, bei denen sie erkennbar schnell einen Draht zu ihren Landsleuten fand. Auch beim anschließenden Empfang, als der Prinzessin besonders verdiente Mitglieder der Einheit vorgestellt wurden, wirkte sie nicht pflichtschuldig smalltalkend, sondern ernstlich interessant. Man bekam schnell ein Gefühl dafür, warum die unprätentiöse Anne in der Truppe beliebt ist.
Staatssekretär Dr. Walther Otremba, der Verteidigungsminister Guttenberg vertrat, sagte zu den Briten: „Sie verlassen uns als Freunde.“ Die Soldaten seien ein Teil der Stadt Mönchengladbach gewesen. „Wir werden sie vermissen in unserer Stadt und in unseren Herzen“, so Otremba. Der Drei-Sterne-General Richard Shirreff, der Kommandeur des ARRC, sagte: „Deutschland hat uns gut getan, und es war uns eine besondere Ehre, ein bisschen an der deutschen Lebensart teilgenommen zu haben.“ Ihm sei bewusst, dass die Verlegung des Korps eine riesige Lücke in der Stadt hinterlasse und viele die Kosten des Abzugs tragen müssten. Er bedankte sich bei den Deutschen und sagte zum Schluss: „Wir werden sie nie vergessen.“
Ministerpräsident Jürgen Rüttgers – außer ihm waren auch Innenminister Ingo Wolf und Wirtschaftsminister Helmut Linssen im JHQ, hielt eine launige Rede und erinnerte daran, dass die Briten nach dem Krieg die Bildung des Bundeslnades Nordrhein-Westfalen als „Operation Marriage“ bezeichnet hatten. Er foppte die Briten mit ihrem traditionell schlechten Abschneiden bei Elfmeterschießen.
Beim anschließenden Empfang war noch einmal deutlich zu spüren, dass die Briten Wurzeln geschlagen haben in Mönchengladbach. So hatten denn auch viele Deutsche eine Träne im Knopfloch. Allen ist klar: Die Stadt verliert durch den Abzug eine Menge.
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