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Mönchengladbach: Wir ziehen los mit großen Schritten

zuletzt aktualisiert: 23.02.2009

Mönchengladbach (RPO). In sechs Stadtteilen zog am Wochenende der Veedelszoch mit vielen Tierchen wie "Driss-Fleejen", Kühen und Schafsherden. Und alle hatten ihr Pläsierchen.

Ei, Ei, Ei, Rheindahlen: verrückte Hühner

Wie war das noch? Ein Huhn hat nicht viel zu tun? Es muss nur täglich ein Ei legen, ab und zu sonntags mal zwei? Stimmt nicht. Gestern hatten insgesamt 25 Hennen - und auch Hähne – in Rheindahlen eine ganze Menge zu tun: Sie marschierten knapp drei Kilometer weit im Veedelszoch der Karnevalsgesellschaft Potz op mit, hatten unzählige Kamelle zu verteilen und "Halt Pohl"-Rufe zu gackern. "Freundeskreis Uschi Wilms" nennt sich die Fußgruppe, die in quietschegelben Federkleidern als 33. von 56 Teilnehmern um 14.11 Uhr an der Görresstraße loszog. "Wir machen hier schon seit 20 Jahren mit", erzählte die Namensgeberin kurz vor dem Start. Hinter der Arche des SC Broich-Peel, auf der sich unter anderem Löwen, Hirsche und Bienen tummelten, hatte der Freundeskreis Uschi Wilms seinen Platz eingenommen. In den Jutebeuteln der Hennen und Hähne warteten CDs, Taschentücher, Schokoriegel und Kamelle darauf, durch die Luft zu fliegen. "Wer laut Halt Pohl schreit, der kriegt etwas", meinte Jana Willekes. Ihr Vater Ingo erklärte noch schnell etwas über die Wurzeln des Freundeskreises, bevor die Gruppe loszog: "Ein großer Teil von uns gehört zum selben Kegelklub". Vorbei am Kinderprinzenpaar Thomas II. und Jana I. der KG Potz op, dessen Wagen erst am Ende fahren sollte, liefen die gelben Hühner in Richtung Hardter Straße. Die Kühe der KG Gnadenlos, die Jecken von "Oss Dahle" in ihren lilafarbenen Gewändern und die Gruppe "Echte Fründe" in ihren Obelix-Kostümen, diverse Schafe, Dalmatiner und Draculas hatten derweil schon ein ganzes Stück der Strecke hinter sich gebracht. Auf den Bordsteinen drängten sich die Schaulustigen und taten das, was dem Freundeskreis Uschi Wilms besonders gut gefällt: Sie schrien laut und immer wieder "Halt Pohl".

Giesenkirchen: Teenie-Idole und Besucherrekord

Die kleine Annalena legte sich erstmal gemütlich schlafen, als der Giesenkirchener Kinderkarnevalszug gestern losging. Die Einjährige lag mit ihrem Marienkäfer-Kostüm als Spitze der Fußgruppe des TV Giesenkirchen in ihrem Kinderwagen, geschoben von Mutter Sabine von Roell und verpasste so ihren ersten Karnevalszug. Und was für einen.

Es war einer der größten Züge, den Giesenkirchen bislang erlebt hat. 31 Gruppen waren dabei, darunter mehrere große Prunkwagen, und nach Einschätzung von Dirk Hoeveler gab es auch einen neuen Besucherrekord. "So viele habe ich noch nie gesehen", sagte der Vorsitzende der erst 2008 gegründeten Kinderkarnevalsgesellschaft Giesenkirchen. Zu ihrem ersten Zug hatte sich die KG auch ein attraktives Zugpferd engagiert: Auf ihrem Prunkwagen fuhren die Teenie-Idole der Band "Befour" mit. Einige Besucher hatten mehrere hundert Kilometer Strecke hinter sich, nur um die Band zu erleben. Der fünfjährige Timo aus Remscheid verzichtete etwa auf Kamelle und holte sich lieber ein Autogramm von seiner Lieblingsband. Da war aber auch der ATV Biesel, der in seinem Jubiläumsjahr (100 Jahre) mit 250 Teilnehmern die größte Gruppe im Zug stellte. Oder die Messdiener von St. Gereon, die mit einem metergroßen Weihrauchfass und einer Nebelmaschine dem Zug so etwas wie eine Weihe verliehen. Bei einem Wagen dürfte Bezirksvorsteher Frank Boss ganz genau hingeschaut haben: Ein Trekker zog einen uralten Planwagen mit der Aufschrift: "Dienstwagen 2010 – Boss-Kutsche". Dabei hatte Eugen Dietrich, der Hoppediz der KG Botterblom, doch extra eine schwarze Schärpe angelegt, weil keine politischen Aussagen beim Zug gewünscht gewesen wären. Beim Anblick der Boss-Kutsche hätte er sie vermutlich freudestrahlend ausgezogen.

Odenkirchen: Vorneweg zog der Dorfsheriff

Bernd Thiel hatte das wohl authentischste Kostüm gestern auf dem Odenkirchener Veedelszoch. Er ging als Dorfsheriff – und zwar als echter – dem Zug voran. Weil es aber sein letzter Zoch als Bezirksdienstbeamter der Polizei sein wird, hatte er sich etwas Besonderes überlegt: Auf den 5,5 Kilometern schob der 59-Jährige einen Rollator mit Medikamenten und Blaulicht oben drauf. "Mein letzter und elfter Zoch als Bezirksdienstbeamter – da musste ich mir etwas einfallen lassen", sagte der gebürtige Odenkirchener und grinste glücklich über seinen gelungenen Scherz in seine Uniform-Jacke.

Thiel war also der kleinste Wagen und die kleinste Fußgruppe zugleich, die den tausenden Besuchern sichtlich Freude bereiteten. Seinem jecken Blaulicht folgten 13 Fußgruppen und drei große Wagen, die tonnenweise Kamelle in die Menge feuerten. Den Abschluss bildete der Prunkwagen der KG Ruet-Wiss Okerke – der zweitgrößte in Gladbach. Auf ihm schunkelten auch die Burggrafen Horst Thoren ("Schön, so vielen Kindern Kamelle zuzuwerfen"), Monika Bartsch und Lothar Wagner. "Eine tolle Stimmung am Wegesrand", sagte Norbert Ohlig, Vorsitzender von Ruet-Wiss Okerke. "Und bis auf 500 Meter Diaspora war es auch knubbelvoll." Diese karnevalistische Diaspora tat sich an der Kölner Straße auf. Weil auf dem traditionellen Zugweg zwei Baustellen die Straßen für den Zoch unpassierbar machten, mussten die beiden Odenkirchener Karnevalsgesellschaften Ruet-Wiss und Schwarz-Gold den Weg verändern. Nur wartete auf dem Umweg kein Jeck. Und es dauerte etwas länger, bis der Zoch am Zugende, der Burgfreiheit ankam. Um genau 15.33 Uhr, also 3.33 Uhr, erblickte der erste Besucher das Blaulicht von Bernd Thiel: "D'r Zoch kütt!"

Venn: Schafe im Regen und die Tüte voller Bonbons

Das feine Nieseln verwandelte sich nach und nach in fiese Tropfen. Leicht fröstelnd und regentauglich kostümiert warteten die Jecken deshalb um 12 Uhr an der Roermonder Straße auf den Venner Karnevalszug. Einige Anwohner verkrochen sich in ihre geöffneten Garagen, so wie Doris Peuthen und ihre Tochter Monika Gerhards. Familie Heitzer musste sich da gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite schon anders behelfen: Um dem Regen so lange wie möglich zu entgehen, blieben die Besucher aus Bettrath kurzerhand bis 12.11 Uhr in ihrem Auto sitzen. Nur Papa Hans-Jochen stand in seinem Kuh-Kostüm daneben – denn seine Tochter Eva (6) besetzte seinen Fahrersitz. "Wir sind zum ersten Mal hier", erzählte der Familienvater, während seine Frau Simone mit Eva und Justus (4) noch im Auto saß. Nach einem kurzen Blick die Roermonder Straße hinunter wandte er sich dann an die drei: "Ich sehe da hinten schon die Feuerwehr". Also stellten sich die Heitzers an den Straßenrand, "du hälst die Tüte, wir fangen die Bonbons", sagte Eva zu ihrer Mutter. Langsam bewegten sich die zehn Wagen und 18 Fußgruppen auf die Familie zu. Der Jugendchor Sound and Spirit stapfte in Sträflingskostümen über den nassen Asphalt, die Gruppe "Schaaaf, Schärfer Duis" trippelte als Schafherde voran. Die KG Poether Pothäepel hatte neben ihrer Kinder- und Jugendgarde auch ein paar rosarote Panther und Pinguine auf die Straße entsandt, und das Venner Prinzenpaar Sebastian I. und Laura I. winkte von seinem Wagen. Später zogen die Jecken unter anderem noch über den Stationsweg, die Venner- und die Mürrigerstraße. Dort an der Kirche moderierte der Vorsitzende der Ersten Venner Karnevalsgesellschaft, Wolfgang Pilates, das Geschehen. Für Familie Heitzer hatte sich der Ausflug gelohnt: "Unsere Tüte ist ja schon fast voll", freute sich Mama Simone.

Hardterbroich: Sei kein Frosch, werd' ein König

Regen? Kälte? Davon ließen sich die Jecken in Hardterbroich nicht beeindrucken. Sie feierten trotzdem, schmissen Kamelle und sangen jecke Lieder. Bereits um 11.11 Uhr ging es mit dem Biwak vor dem Jugendheim St. Bonifatius los. Dort sangen und schunkelten sich die Narren im Festzelt warm. Drei Stunden später, um 14.11 Uhr, hieß es dann raus aus dem Zelt und ab zum Veedelszoch. Als der Zug mit 15 Fußgruppen und drei Wagen startete, war auch der Ärger um die abgebrochenen Buchstaben am Prinzenwagen vergessen. Getreu dem Motto "Jedem Tierchen sein Pläsierchen" hatten sich die Kinder der katholischen Grundschule Schulstraße als Tiere verkleidet. Sogar eine Milkakuh war dabei. Die Schüler hatten die Ehre, als erste Gruppe an der Spitze des Zuges gehen zu dürfen. Vor ihnen ging nur Egon Hommen. Der Polizist hatte sich auch ein Kostüm einfallen lassen: Auf dem Kopf trug er einen alten Polizeihelm mit Blaulicht. "Den habe ich jedes Jahr an. Das ist schon Tradition", sagte er. Unterstützt wurden die Narren von den Freunden des Sommerbrauchtums: der St. Apollinaris Schützenbruderschaft. Als Frösche verkleidet zogen die Schützen einen Brunnen mit der Aufschrift "Gestern ein Frosch, heute ein König" hinter sich her.

Die KG Halt Uut Pesch unterstützte die KG Alles onger ene Hoot Hardterbroicher mit ihrem Kinderprinzenpaar Yannik II. und Ramona II. und einigen Bären, die auf einem Lkw standen. Das Kinderprinzenpaar wurde mit einem Auto gefahren, damit die Kostüme trocken blieben. Das Hardterbroicher Kinderprinzenpaar, Fabian II. und Sarah I., stand mit Regencapes auf seinem Prinzenwagen zwischen einer großen Maus mit Taktstock und einem Maulwurf, der eine Mönchengladbacher Stadtfahne hält, und warf jede Menge Kamelle.

Holt: Zebras und Pinguine ließen Kamelle regnen

Ursula Pagels blickte prüfend links und rechts. "Sonst ist es hier voller", sagte die Holterin im Clownskostüm. "Muss wohl am Wetter liegen", ergänzte sie achselzuckend und sah wieder nach vorne. Denn dort, mitten auf der Bahnstraße, schlängelte sich gerade der närrische Holter Lindwurm entlang in Richtung Eisenacher Straße. 17 verschiedene Gruppen zogen mit, acht von ihnen hatten Wagen dabei. Die Karnevalsgesellschaft Immer Lustig hatte den Veedelszoch organisiert, dessen etwa 450 Teilnehmer gestern ab 13.11 Uhr auf knapp vier Kilometern Strecke zwei Stunden lang Kamelle regnen ließen. Für die Regentropfen vom Himmel konnten sie hingegen nichts. "Im vergangenen Jahr ist der Zug gar nicht hier auf der Bahnstraße gewesen, da waren wir Anwohner schon sauer", erzählte Ursula Pagels. Jetzt war sie froh, dass der Lindwurm wieder ihr Haus passierte – das sie standesgemäß mit Luftballons und Clownsfiguren geschmückt hatte. "Das gehört doch dazu", meinte sie. Auch Hans Ponto hatte ein paar hundert Meter entfernt sein Heim ganz ähnlich kostümiert. Das Mitglied der Karnevalsgesellschaft Stadtmitte verfolgte zusammen mit rund 20 Gästen den Zug.

Doch von den St.-Michaels-Pinguinen, den Holter Driss-Fleeje, der als Clowns verkleideten Holter Narrengarde, den Zebras und Schafen auf der Straße bekam er nicht viel mit: "Ich bin die ganze Zeit damit beschäftigt, für meine Gäste Getränke einzuschenken", sagte Ponto und lachte.

Quelle: RP

 
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