Mönchengladbach: Wird Altenheim geräumt?
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 17.07.2010Mönchengladbach (RPO). Die Situation im Giesenkirchener Caritas-Altenheim spitzt sich weiter zu. Nach einem erneuten gravierenden Pflegefehler erwägt die Heimaufsicht eine Verlegung der Bewohner in andere Einrichtungen der Stadt.
Im Giesenkirchener Altenpflegeheim des Caritasverbandes hat es erneut einen schweren Pflegefehler gegeben. "Ich hatte bei meiner Patientin eine kleine Wunde am Fuß versorgt und verbunden", schildert Dr. Manfred Kurnoth den Vorgang. Der Internist betreute die Diabetikerin seit geraumer Zeit.
Als er ihr einige Tage nach der Erstversorgung zufällig auf dem Flur des Altenheims begegnete, sah er, dass ihr Bein rot angelaufen und extrem geschwollen war. "Sie schwebte in Lebensgefahr", sagt der Arzt, der sie umgehend ins Krankenhaus bringen ließ. Offenbar war die Verletzung fast eine Woche lang nicht versorgt worden. "Ich hatte die klare Anweisungen gegeben, die Wunde jeden Tag zu kontrollieren und zu verbinden", sagt Kurnoth. "Das ist eindeutig nicht geschehen."
Verantwortliche sofort freigestellt
Stefan Rösch von der Management- und Unternehmensberatung Contec GmbH und Interimsleiter des Altenheims, bestätigt den Vorfall. "Die verantwortliche Wohnbereichsleiterin ist unverzüglich freigestellt worden", sagt er. Contec war von der Caritas zur Klärung und Bereinigung der Missstände im Altenheim an der Konstantinstraße eingesetzt worden.
Manfred Kurnoth informierte auch die Heimaufsicht. Johanna Schloemer vom zuständigen Amt für Altenhilfe sei sehr schockiert gewesen. "Sie sprach in diesem Zusammenhang davon, das Altenheim müsse möglicherweise evakuiert werden – zumindest partiell", sagt Kurnoth. Sie habe von ihm die Namen der besonders gefährdeten Bewohner erfragt. "Frau Schloemer sagte daraufhin, sie wolle die Patienten verlegen lassen – notfalls auch gegen den Willen der Angehörigen."
André Peters von der Contec, der mit der Geschäftsführung des Giesenkirchener Altenheims betraut ist, hat gestern den Geschäftsführer der Sozialholding, Helmut Wallrafen-Dreisow, um Hilfe gebeten. Er fragte nach freien Plätzen in den Altenheimen der Holding und bat um Unterstützung bei der Suche nach Fachpersonal für das Giesenkirchener Caritas-Altenheim.
"Ich habe deutlich gemacht, dass ich mir eine Kooperation durchaus vorstellen kann", sagt Helmut Wallrafen-Dreisow. "Schließlich geht es um die Senioren in unserer Stadt." Das Giesenkirchener Haus nimmt derzeit keine neuen Bewohner mehr auf. "Wir werden Bewohner, die uns verlassen und in eine andere Einrichtung ziehen wollen, unterstützen", sagt André Peters.
Manfred Kurnoth ist froh, dass endlich Bewegung in die verfahrene Giesenkirchener Situation kommt. "Ich bin monatelang hinter Frau Schloemer hergelaufen und habe sie schonungslos über die Missstände informiert – ohne Erfolg. Jetzt muss sie handeln."
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