Mönchengladbach: WM gucken am Arbeitsplatz
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 17.06.2010Mönchengladbach (RPO). Am Freitag wird das Deutschland-Spiel um 13.30 Uhr angepfiffen - mitten in der Arbeitszeit. In Mönchengladbach reagieren viele Unternehmen kulant: Sie gewähren ihren Mitarbeitern Urlaub oder verbinden das Spiel mit einem Grillfest für die Arbeitnehmer.
Am Freitag wird das Spiel Deutschland gegen Serbien im Stadion von Port Elizabeth um 13.30 Uhr angepfiffen. Da fühlt man in Mönchengladbacher Unternehmen zwar schon das Wochenende nahen, aber noch trennen einige Stunden die Arbeitszeit von der Freizeit. Dürfen sich die Mitarbeiter das Fußballspiel trotzdem ansehen? In Mönchengladbach haben viele Unternehmen mitarbeiterfreundliche Lösungen gefunden.
Gleitzeit und Sommerfest
"In unserem Unternehmen herrscht Gleitzeit", sagt Helmut Marmann, Pressesprecher der NVV. "Die Mitarbeiter können sich ein Zeit-Guthaben anarbeiten und zu den Spielen abfeiern." Fernseher in den Büros der NVV-Verwaltung sind nicht vorgesehen. Busfahrer und Bademeister müssen arbeiten; die Mitarbeiter einigen sich untereinander, wer frei bekommt und wer Dienst hat. "Die Mitarbeiter können in Abstimmung mit ihren Vorgesetzten ihre Schichten auch tauschen", sagt Marmann. Dass eine Buslinie ausfalle, werde nicht vorkommen. Allerdings könnte die Fußball-Begeisterung der Fahrer an Fahnen und Wimpeln zu erkennen sein. Zwar werde offiziell nichts gemacht, aber wenn ein Busfahrer seinen Arbeitsplatz schmücken wolle, werde das geduldet.
Das WM-Spiel
Anpfiff am Freitag, 18. Juni, um 13.30 Uhr im Stadion Nelson Mandela Bay / Port Elizabeth.
Gegner der deutschen Mannschaft sind die Spieler aus Serbien.
Stadion Das Stadion hat 46 082 Plätze, es wurde für die Weltmeisterschaft neu gebaut und 2009 fertig gestellt. Das Deutschland-Spiel ist das zweite von acht Weltmeisterschaft-Spielen.
Übertragen wird das Spiel am Freitag live vom ZDF.
Ruhig wird es im Autozentrum West. Die Mitarbeiter sollen alle die Gelegenheit bekommen, das Deutschlandspiel live mitzuerleben. Deshalb werden in der Werkstatt Notfälle behandelt, Termine für turnusmäßige Inspektionen würden für Freitag aber keine vergeben, sagt Geschäftsführer Markus Hamacher. Die Mitarbeiter dürfen für das Spiel ihre Mittagspause auf die Spielzeit verschieben und auf die Spieldauer ausdehnen. "Muss dann noch was fertig gestellt werden, wird nachgearbeitet. Keiner unserer Kunden steht am Wochenende ohne Auto da", sagt Hamacher. Ums Essen müssen sich die Mitarbeiter nicht kümmern. "Wir machen den Grill an und spendieren Würstchen zum Spiel", berichtet Hamacher.
Der Grill wird auch bei TAS Telefonbau Arthur Schwab eingeheizt. Nach dem Spiel feiern die Mitarbeiter ihr traditionelles Sommerfest. "Wir übertragen das Spiel auf eine Großleinwand", sagt Geschäftsführer Frank Lisges. Durch ein Gleitzeit-Modell können die Arbeitnehmer frühzeitig das Wochenende beginnen. Für Kunden wird ein Notdienst eingerichtet.
"Ich bin in der Zeit des Spiels nicht zu erreichen", stellt Ralf Hoppen, Inhaber von Hoppen Innenausbau, klar. Der Fußball-Fan verlangt deshalb auch nicht von seinen Mitarbeitern, auf das Spiel zu verzichten. "Aber alle Mitarbeiter haben ab 13 Uhr frei", sagt Hoppen. Aber nicht nur das Deutschland-Spiel wird in dem Unternehmen aufmerksam verfolgt. "Wir machen alle beim Tipp-Spiel mit", sagt Hoppen. Deshalb ist das Interesse an der Weltmeisterschaft im Unternehmen generell sehr hoch. Die Ergebnisse der Spiele werden jeden Tag genau beobachtet.
Auch beim Rohrwalzenhersteller SMS Meer soll bei der Übertragung des Spiels Ausnahmezustand herrschen. In einer Halle wollen die Verantwortlichen das Spiel für ihre Mitarbeiter übertragen und das WM-Fieber zur Motivation nutzen.
Wenn sich auch viele Arbeitgeber kulant zeigen: Einen Anspruch auf weltmeisterlichen Fußball während der Arbeitszeit gibt es nicht. Darauf weist Arbeitsrechtler Prof. Dr. Michael Els von der Hochschule Niederrhein hin. Wolle der Arbeitnehmer das Spiel in Ruhe schauen, sei es das Beste, sich den Tag frei zu nehmen, rät Els. Heimlich das Spiel im Internet-Liveticker, am Radio oder mit einem mitgebrachten Fernseher zu verfolgen, davon rät Els ab. "Die Aufnahme- und Arbeitsfähigkeit ist dann deutlich eingeschränkt. Deshalb benötigt man auch dafür eine Erlaubnis vom Chef." Deshalb empfiehlt der Experte, sich im Vorfeld mit den Vorgesetzten zu einigen.
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