Mönchengladbach: Wo ist der Techniker-Nachwuchs ?
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 05.09.2009Mönchengladbach (RPO). Ingenieure und Techniker fehlen. Sie werden dringend gebraucht: Doch viele Schüler zeigen diesen Berufen die kalte Schulter. Das will eine Initiative, bestehend aus Schulen und Unternehmen, ändern: Sie macht junge Leute fit in Mathe, Informatik und Naturwissenschaften.
Bankkaufmann, dann zur Börse: Das war der Berufswunsch von Kai Schleberger. Inzwischen schwankt der 16-Jährige "Vielleicht studiere ich doch Maschinenbau", sagt er. Was hat den Sinneswandel ausgelöst? Eine Mitschuld trägt Lehrerin Jutta Milferstädt. Die 47-jährige ehemalige Bauingenieurin unterrichtet an der Gesamtschule Neuwerk Technik. Sie hat Kai über Jahre herangeführt, technische Zusammenhänge zu erkennen. In jüngster Zeit kommt mehr Schwung in ihren Unterricht. Die Schule kann seit kurzem am Computer konstruieren: Der Bleistift verschwand, und der Cursor regelt künftig, was am Ende im 3D-Format aus Styropor ausgeschnitten wird. Etwa der Namenszug "Pinkwart".
Schulen und Firmen
Dies demonstrierte Kai Schleberger gestern bei Vanderlande Industries an der Krefelder Straße. Dabei hatte er prominente Zuschauer. Unter ihnen: Minister Prof. Andreas Pinkwart. Er war dabei, als in Gladbach das landesweit 17. zdi-Zentrum (Zukunft durch Innovation) entstand. Es soll Kinder und Jugendliche für die so genannten MINT-Fächer fit machen: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Neun Schulen und die Hochschule Niederrhein, vier Unternehmen, IHK, Unternehmerschaft Metall und Elektro sowie die Gladbacher Wirtschaftsförderung haben sich zu dieser Kooperation zusammengeschlossen. Leitung und Koordination obliegt der Gesamtschule Neuwerk. "Wir müssen Schüler lebens- und praxisnah ausbilden. Dafür brauchen wir die Hilfe von außen", sagt Schulleiterin Ina Klein.
Die bekommt sie. Vanderlande-Geschäftsführer Matthias Kramm sicherte sie ebenso zu wie sein Geschäftsführer-Kollege Thorsten Heising von SMS Meer. Dies nicht ohne Grund: Die Industrie braucht Fachkräfte, und gerade die technischen Berufe sind nicht immer diejenigen, die von Schülern nachgefragt werden. "In den nächsten Jahren werden viele Ingenieure die Unternehmen verlassen. Wenn der Bedarf sogar noch wächst und das Angebot sinkt, werden wir erhebliche Probleme bekommen, wenn der Aufschwung kommt", mahnt NRW-Innovationsminister Pinkwart. Seine Definition von Innovation macht die Thematik deutlich: "Innovation ist die Rückverwandlung von neuem Wissen in Geld."
Die beteiligten Schulen leisten Vorarbeit und begleiten den Prozess. Dabei betont das Gladbacher Modell den Charakter der Kooperation: Schulen, die wegen sinkender Schülerzahlen zunehmend in Konkurrenz zueinander stehen, kooperieren im zdi-Zentrum. Labors werden gemeinsam genutzt, Materialien ausgetauscht, Ideen im Verbund entwickelt. Dafür steht der Gladbacher Namen für die Kooperation: M-INTeraktiv.
Deshalb stehen die Chancen nicht schlecht, dass noch andere Berufswünsche kippen. Kai Schlebergers Zwillingsschwester Jennifer wollte nach dem Abi eigentlich zur Polizei. Und jetzt? "Vielleicht auch Maschinenbau", sagt sie. "Aber ich bin in Mathe nicht so gut."
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.



