Mönchengladbach: Wohnen in Herz Jesu
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 03.10.2009Mönchengladbach (RPO). Eine Investorengruppe hat die ehemalige Pescher Pfarrkirche gekauft. In dem leerstehenden Gotteshaus sollen – ähnlich wie in der Rheydter Friedenskirche – Wohnungen entstehen. Damit würde der Verfall aufgehalten.
Umwidmungen
Friedenskirche Rheydt In der Kirche befinden sich Wohnungen.
St. Peter Waldhausen Hier soll eine Kletterhalle entstehen.
St. Hermann Josef Speick Die Kirche wurde von der griechisch-orthodoxen Gemeinde gekauft und heißt jetzt St. Nikolaus.
Johannes Bahners hat den Ärger immer noch nicht verwunden. "Wir hatten bis zum letzten Tag gehofft, dass unsere Kirche erhalten bleibt", sagt er. Und mit Groll erinnert er sich an emotional geführte Versammlungen und den letzten traurigen Gottesdienst in der Pfarrkirche Herz Jesu Pesch. Das war vor mehr als drei Jahren. Seitdem steht das Gotteshaus leer und ist dem Verfall preisgegeben. Die Nachricht, dass in der Kirche Wohnungen entstehen sollen, freut Bahners, der bis zuletzt Mitglied des Kirchenvorstands Herz Jesu war. "Dann wird zumindest die äußere Hülle unserer Pfarrkirche erhalten bleiben. Besser als Leerstand ist das auf jeden Fall."
Mitte 2006 war bekannt geworden, dass der Sparhammer des Bistums in Pesch zuschlagen würde. Herz Jesu musste mit St. Bonifatius Hardterbroich und St. Josef Hermges fusionieren. Die Pescher Kirche – dreimal so groß, deshalb auch dreimal so teuer im Unterhalt wie die Hardterbroicher – wurde aufgegeben, die Gläubigen aufgefordert, die nahegelegene Filialkirche in Hardterbroich zu besuchen. Damals wurde nicht nur heiß diskutiert, es flossen auch viele Tränen. Es half nichts: Seit dem 1. April 2007 gehören die ehemaligen eigenständigen Gemeinden Hardterbroich und Pesch zu St. Josef Hermges. Gemeinsam bilden sie die Gemeinschaft der Gemeinden Mönchengladbach-Ost.
Seit einige Tagen nun wird die Herz Jesu-Kirche zwischen der Pescher- und der Charlottenstraße vermessen, die Statik geprüft. Das hatte auch Ulla Aretz beobachtet. "Aber es kursierten in den letzten Jahren so viele Gerüchte, da habe ich auf das neueste gar nicht reagiert", sagt die Pescherin, die mit dem Förderkreis Herz Jesu unermüdlich für den Erhalt des Gotteshauses gekämpft hatte. "Erst wenn ich Bauarbeiter in unserer Kirche sehe, glaube ich, dass da etwas passiert." Sie würde sich auf jeden Fall freuen, wenn endlich wieder Leben in die Kirche einziehen würde.
Wie man aus Kirchenvorstandskreisen hört, ist es eine Investorengruppe, die das Gotteshaus in Pesch gekauft hat. Das Bistum habe dem Verkauf zugestimmt, es fehlen nur noch die Unterschriften unter dem Notarvertrag. Die Rede ist von sozialem Wohnungsbau, der in derKirche entstehen soll, möglicherweise auch altersgerechte Wohnungen.
"Das hört sich spannend an", sagt Ulla Aretz. Und Johannes Bahners klingt fast versöhnt, wenn er sagt: "So wird die Kirche gerettet." Ein Trost für ihn, der in Herz Jesu getauft wurde, seine Heilige Kommunion empfing und als Messdiener arbeitete. "Meine Verbindung zu dieser Kirche ist sehr groß, immerhin hat schon mein Großvater in Herz Jesu die Orgel gespielt und den Chor geleitet."
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