Mönchengladbach: Woof und die weitere Welt
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 05.05.2008 - 13:13Mönchengladbach (RPO). Für Schicksalsschläge im engeren Kreis der Nachbarschaft ist die Dorfgemeinschaft zuständig. „Wenn gewünscht, organisieren wir bei Todesfällen den Beerdigungskaffee“, berichtet Irmgard Küppers. Für größere Nöte und brauchen die Woofer aber die Solidarität der weiteren Welt. Die Feuerwehreinheit etwa wird gemeinsam mit Nachbardörfern gestellt. Wichtige Oberzentren für Woof sind neben Rheindahlen und Wegberg Genhausen und Broich. Genhausen, weil am Rande dieses Weilers zwei Betonplatformen am Schienenstrang von Mönchengladbach nach Dalheim den Zügen Halt gebieten. Broich, weil dort die Pfarrkirche der Woofer steht und auch die Sterbenotgemeinschaft ihren Sitz hat. „Das ist überregional“, meint Küppers.
In Broich steht zudem die Grundschule, in der Jung-Woofer das Einmaleins lernen. Zur Befriedigung höherer Bildungsbedürfnisse können sie später nach Rheindahlen zur Hauptschule oder zum Gymnasium fahren. Die Schulbuslinie 027 verkehrt zwischen Hilderather Straße und dem Feuerwehrhaus Woof. Neben einem Schaukasten mit dem Motto „Retten, löschen, bergen, schützen“ macht den Jung-Woofern ein Schild dort klar, was innere Sicherheit bedeutet: „Hier ist kein Spielplatz“.
Das darf man aber nicht so verstehen, dass die Woofer Kinder nicht mögen. Vertraut man Irmgard Küppers, haben Kinder es in Woof richtig gut. „Die können sich auf der Straße frei bewegen, denn hier fährt keiner schnell durch“, meint die Bäuerin. Wenn einmal im Jahr das Sonnenblumenfest auf ihrem Hof gefeiert wird, darf der Nachwuchs ausgiebig im Stroh toben.
Noch doller können es die Jung-Woofer in der Nacht zum 1. Mai treiben. „Dann werden Autos mit Klopapier eingewickelt, und seine Blumenkübel muss man abends vorher in Sicherheit bringen. Sonst findet man die am nächsten Morgen in der Nachbarschaft wieder“, erzählt Küppers. Das war schon immer so. Früher haben die Burschen Pferdewagen verschoben. Und das gibt keinen Ärger? „Das sind Streiche, keine Sachbeschädigungen“, sagt Küppers. „Und das darf man auch nur in der Nacht zum ersten Mai, dann ist das keine Straftat.“ Der milde Westen hat nun mal seine eigenen Gesetze.
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