Mönchengladbach: Wundersames aus der Wissenschaft
VON ANDREAS BUCHBAUER - zuletzt aktualisiert: 06.12.2007Mönchengladbach (RPO). Teelöffel, die sich wie von Zauberhand in Luft auflösen, Nobelpreise, die das Leben verlängern: Es ist schon erstaunlich, womit sich empirische Studien beschäftigen. Das fand auch der Gladbacher Hochschullehrer Klaus Hansen. Er schrieb ein Buch darüber.
Das Phänomen kennt man in so manchem Büro: Teelöffel verzweifelt gesucht. Denn frei nach dem Motto „Gestern hier, morgen fort“ schaffen sie es, sich wie von Zauberhand in Luft aufzulösen. Das Verblüffende: Genau so ist es. Zu diesem Ergebnis kommt man zumindest, wenn man einem Forschungsprojekt australischer Wissenschaftler folgt. In einer Studie stellten sie fest, dass die Teelöffel zweifelsfrei entschwinden – nur wie und wohin, das kann sich in den Büros dieser Welt niemand erklären.
Gesunde Portion Humor
Den Gesetzen kühler Logik nach bleibt daher nur eine Schlussfolgerung: Die Teelöffel müssen sich selbst aus dem Staub gemacht haben. Ein Ergebnis, das Hochschullehrer Klaus Hansen mit einer gesunden Portion Humor nimmt. Und da er in seinem neuen Buch Wissenschaftssatiren präsentiert, lieferte die Studie eine Steilvorlage. „Teelöffel auf der Flucht“ lautet der Titel des 141 Seiten umfassenden Werks des 58-Jährigen, der politische Ideengeschichte und politische Bildung an der Hochschule Niederrhein lehrt.
Um es vorweg zu nehmen: Es ist ein Buch, das Spaß macht. In seinen Texten nimmt Hansen die mitunter wundersamen Auswüchse des Forschungsbetriebs unter die Lupe, augenzwinkernd und mit scharfer Feder. Dabei genießt er es, die Ergebnisse zu überspitzen, mit ihnen zu jonglieren, sie auf ihre Alltagsfähigkeit abzuklopfen. „Es ist schon erstaunlich, womit sich empirische Studien zum Teil beschäftigen. Manchmal denkt man dann: Hier werden aber abenteuerliche Zusammenhänge hergestellt“, sagt Hansen.
Ein Beispiel: Forscher stellten fest, dass Nobelpreise das Leben verlängern. Für diese kuriose, aber nun mal empirisch belegte Aussage reichte eine recht simple Mathematikaufgabe. Die Preisträger wurden im Gegensatz zu den nur Nominierten im Schnitt zwei Jahre älter. Vor diesem Hintergrund – das zeigt Hansen mit viel Humor – werde rasch klar, weshalb die Anrufe aus Stockholm mit so großer Ungeduld und Nervosität erwartet werden. Es geht halt nicht nur um Ruhm und Ehre.
Nach den im Vorjahr erschienenen Fußballsatiren („Das Leben ist kein Heimspiel“) lädt Klaus Hansen den Leser nun zu einer pointenreichen Reise in die Welt der Wissenschaften. „Ich bin – frei nach Heinrich Heine – ein Freund davon, Erkenntnis und Erheiterung miteinander zu verbinden“, sagt der Hochschullehrer.
Äußerst lesenswert
Dabei ist er seiner Liebe zu kleinformatigen, kurzen Texten treu geblieben. „Teelöffel auf der Flucht“ ist eine Textsammlung, kaum eine der Satiren ist länger als drei Seiten. Und jede äußerst lesenswert. Der großen Flucht der Teelöffel ist Hansen selbst übrigens nicht ausgeliefert. Von der Hochschule Niederrhein kennt er die Problematik jedenfalls nicht. „Die Geschirrkästen in der Mensa sind immer gut gefüllt.“
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