Tackhütte: Zeitreise durch Tackhütte
VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 05.07.2008Tackhütte (RPO). 50-jähriges Bestehen haben die Schützen aus Tackhütte gerade gefeiert. An den nicht immer unproblematischen Anfang erinnert sich Willi Schnitzler genau – er war dabei, als sich der Schützenverein gründete.
Eigentlich war die Gründung des Schützenvereins Tackhütte eine waschechte Versöhnungsmaßnahme. Ende der 50er Jahre gab es Spannungen, Rivalitäten in der Honschaft, an Harmonie war nicht zu denken. Willi Schnitzler ist Tackhütter. Damals war er 17 Jahre alt und einer von acht Leuten, die Tackhütte wieder vereinen wollten.
„Wir saßen in der Gaststätte Schmitz zusammen und dann hat sich etwas entwickelt. Das hieß noch nicht Schützenverein, aber die Idee war da“, erzählt Willi Schnitzler. Geplant war zunächst die Gründung einer Bruderschaft – das hätte aber unwillkürlich eine enge Bindung an die Kirche bedeutet. Damit waren einige der Gründungsmitglieder nicht einverstanden, zu große Angst hatten sie, die Kirche oder der Pfarrer könnten mehr Einfluss nehmen als gewünscht. Die Lösung war ein freier Schützenverein. „Weltlich“, sagt Willi Schnitzler und lächelt.
Doch auch, als dieses Problem gelöst war: Begeistert waren zu Beginn nicht alle von der Idee, einen Schützenverein in Tackhütte zu gründen. Die zerstrittenen Honschafter zweifelten daran, dass eine so kleine Gruppe so Großes stemmen könnte.
Aber sie konnte: 50 Jahre gibt es den Schützenverein jetzt schon – und 50 Jahre lang ist Gründungsmitglied Schnitzler begeistert von seiner Bruderschaft. Weil die Mitglieder viel Engagement zeigen und weil sie zusammenhalten, wenn es wichtig ist.
1959 gab es die erste Veranstaltung des Schützenvereins – kein Schützenfest, dazu wäre die Zeit zu kurz gewesen, sondern ein Sommerfest. Einen Umzug aber gab es: ohne echte Uniformen, mit Holzgewehren. „Die Schützen wurden beinahe ausgelacht“, so steht es in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Schützenvereins.
Und auch die Zweifler waren längst nicht still: Schließlich fiel das Schützenfest in Tackhütte mit der Rheydter Kirmes zusammen. „Aber die Menschen kamen“, sagt Willi Schnitzler. Zunächst aus Neugierde, dann aus Überzeugung.
Wenn heute das Schützenfest ansteht, das Honschafts- oder auch das Vollmondfest, dann sind alle da, um zu helfen. Gezweifelt wird nur selten. Und wenn, dann weil das sogenannte Vollmond-Bier aus dem Schwarzwald ziemlich ungewohnt ist.
Einmal im Monat treffen sich die Schützenbrüder in der Dorfschänke in Tackhütte. Von den 150 Mitgliedern sind rund 80 aktiv, auch ehemalige Tackhütter sind noch darunter. „Denen hat es so gut bei uns gefallen, dass sie nicht austreten wollen“, sagt Willi Schnitzler und in seiner Stimme klingt Stolz mit.
Zugezogene in Tackhütte werden von der Schützenbruderschaft begrüßt: Es gibt Flyer im Briefkasten, sie werden auf Festen angesprochen oder beim Einkaufen. „Wir fragen grundsätzlich jeden, ob er Lust hat, bei uns mitzumachen“, sagt Schnitzler. Manche, vor allem die, die aus der Stadt kommen, wollen nicht. Sie möchten für sich sein, nicht in der Gemeinschaft. Die meisten aber freuen sich über die Frage der Schützenbruderschaft und über die neue Zugehörigkeit. Hat gut geklappt, das mit der Versöhnung in Tackhütte.
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