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Mönchengladbach: Zentrale für Fälscherbanden

VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 05.04.2008

Mönchengladbach (RPO). In einem Imbiss an der Hindenburgstraße planten zwei rumänische Bandenchefs ihre bundesweiten Beutezüge. Mit Scheckkartenfälschungen prellten sie und ihre Mittäter Bankkunden um mindestens eine halbe Million Euro.

Der durchschnittliche US-Amerikaner hat mehrere Kreditkarten.  Foto: gms
Der durchschnittliche US-Amerikaner hat mehrere Kreditkarten. Foto: gms

Die Täter waren Super-Profis: Sie spionierten Banken aus und merkten sich die Geldautomatentypen samt Aufkleber. Dann kehrten sie zurück mit perfekt getarnten Aufsätzen, in denen ultraflache Foto-Handys, Akkus, USB-Sticks und Lesegeräte steckten. Mit den ausspionierten Daten von den Scheck- und Kreditkarten fuhren die Täter ins Ausland und plünderten die Konten der bis dahin noch ahnungslosen Kunden. Unter den Opfern waren auch zahlreiche Mönchengladbacher.

Oma als Geldbotin

500 000 Euro ergaunerten sich die beiden Banden auf diese Art, wahrscheinlich sogar noch viel mehr. Denn der Nachweis des Datendiebstahls ist schwierig. „Möglicherweise gibt es Opfer, von denen wir bis jetzt noch nichts wissen“, sagt Hajo Hackin, Einsatzleiter der Ermittlungskommission „EC“. Oft gebe es keine Anzeigen, weil die Banken den Opfern das gestohlene Geld ersetzten. Die Beutesumme könne auch das Dreifache betragen, sagt Hackin.

Info

Datendiebstahl

So wird’s gemacht Die Täter setzen auf den Geldautomaten einen vorbereiteten Vorsatz mit einem Magnetlesegerät. Steckt der Bankkunde seine EC-Karte in den Automatenschlitz, werden die Daten unbemerkt gespeichert.

Pin-Eingabe Gleichzeitig videografiert eine Kamera ständig die Tastatur, über die der Pin eingegeben wird. Manchmal wird auch die Tastatur mit Sensoren versehen. Die ausgelesen Daten müssen nur noch auf einer Art Blanko-Karte gespeichert werden, schon kann abgebucht werden.

Fast drei Jahre ermittelten die Mönchengladbacher Beamten, um die Betrüger zu überführen. Die beiden Banden-Köpfe saßen in Mönchengladbach, von wo aus sie die Beutezüge organisierten und immer wieder neue Mitglieder aus Rumänien aquirierten. Alle Täter stammen aus der Stadt Bacau, alle waren verwandt oder bekannt. „Es sieht so aus, als lernten die Kinder in Bacau in der vierten Grundschulklasse nicht werken, sondern skimming“, sagt Hackin. Skimming (englisch: abschöpfen) bezeichnet das illegale Datenausspähen. „Die Mitglieder der Bande wechselten ständig. So kamen immer wieder unbekannte Gesichter zum Einsatz“, berichtet Kriminalhauptkommissar Bernhard Hohns. Das erschwerte die Arbeit der Ermittler. „Die Pläne und Taten waren total durchdacht“, berichtet Hackin. So seien nur 18- bis 21-jährige Bandenmitglieder zum Ausspähern auf die Straße geschickt worden. Der Einsatzleiter: „Die wussten, dass die Strafen für Heranwachsende nicht so hoch sind.“ Außerdem seien Pärchen eingesetzt worden, die weniger auffällig wirkten. Jeden Tag sollen die Täter herausgefahren sein, um sich Banken auszugucken. „Eine Bande war vor allem abends und nachts aktiv, um besonders effektiv zu sein. Abends wurden die Geräte manipuliert und Daten ausgespäht. Kurz vor Mitternacht zogen die Täter in Holland am Geldautomaten den Höchstbetrag. Kurz nach 24 Uhr, also am nächsten Tag, schöpften sie noch einmal das Limit aus“, erklärt Hohns. „So verschwanden manchmal 1000, manchmal 15 000 Euro.“

Eine Bande wurde bereits verurteilt. Der Chef und Mitglieder der zweiten Bande sitzen in Untersuchungshaft. Im Gefängnis befindet sich auch eine 66-jährige Großmutter. Sie soll als Geldbotin für eine Bande unterwegs gewesen sein.

Quelle: RP

 
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