Mönchengladbach: Zerstörungen auf Kirmesfesten
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.10.2008Mönchengladbach (RPO). Schausteller sind besorgt: Die Zahl der Sachbeschädigungen auf Volksfesten hat zugenommen. In Rheydt wurden an Kirmeswagen Reifen zerstochen und Nazisymbole aufgemalt. In Giesenkirchen verschwanden komplette Stände.
Helmi Beckers ist seit 38 Jahren im Schaustellergeschäft. Sie arbeitet im Eiswagen ihres Mannes, und sie macht das gerne. Doch eine Entwicklung in den vergangenen Jahren ärgert sie maßlos: Auf Volksfesten werden nachts immer mehr Kirmeswagen von Tätern beschädigt oder sogar komplett gestohlen. „Egal, welchen Schausteller Sie fragen, alle sind schon mindestens einmal Opfer geworden“, sagt sie. Helmi und Willi Beckers mussten es zuletzt bei der Rheydter Spätkirmes erleben. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurden an ihrem Eiswagen die Reifen zerstochen. Das gleiche Schicksal ereilte Ingrid und Rolf Over. An ihrem Süßwarenwagen wurden sechs Reifen mutwillig zerstört. Wenige Meter weiter entdeckte ein Schausteller am Morgen Nazisymbole an seinem Geschäftswagen.
Kriminalität
Die Entwicklung der Gesamtkriminalität in Mönchengladbach im Jahr 2007 hat sich zum Jahr 2006 nicht wesentlich verändert. Insgesamt wurden 24 135 Straftaten erfasst. Dies sind 70 Straftaten oder 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Landesweit stieg die Gesamtkriminalität um 0,2 Prozent. Jede zweite Straftat konnte 2007 aufgeklärt werden.
Die Furcht ist immer da
Und das sind keine Einzelfälle. „Uns werden Stützräder, Anschlusskabel und Bohlen gestohlen“, sagt Ralf Terstegen. Der Besitzer von gleich mehreren Kirmesgeschäften: „Mittlerweile kannst du deinen Wagen nicht mehr ruhigen Gewissens auf einem Kirmesplatz stehen lassen, weil du immer Angst haben musst, dass in der Nacht irgendetwas geklaut oder zerstört wird.“
Früher hat Ralf Over nach der Kirmes in Giesenkirchen oft erst Mittwochmorgens abgebaut. Das ist ihm jetzt zu heikel. Er bringt seinen Süßwarenwagen lieber noch am Abend in Sicherheit – egal wie spät es ist. Schließlich sind von hier auch schon Wagen komplett verschwunden. Ein Schausteller hat deshalb die Giesenkirchener Kirmes aus seinem Kalender gestrichen. Terstegen weiß alleine von sechs gestohlenen Wagen im Stadtgebiet. Der Süßwarenwagen von Ingrid Overs Sohn ist einer von ihnen. Er verschwand über Nacht, wurde später im Bresgespark wiedergefunden, allerdings fehlte die Zuckerwattespule. Beckers beklagen eine gestohlene Eismaschine. Und ein Greifarmkasten wurde geplündert.
Die Diebstähle und der Vandalismus tun den Kirmesleuten richtig weh. „Wenn wir einen zerstochenen Reifen erneuern müssen, ist das schon teuer. Wir haben Industriereifen, und die kosten 190 Euro das Stück“, berichtet Ingrid Over. Bei Helmi und Willi Beckers gingen die kompletten Einnahmen von der Rheydter Kirmes für die Reparaturen drauf. Für manche können die regelmäßigen Sachbeschädigungen schon existenzbedrohend werden. „Dass heute nicht mehr so viel auf den Kirmessen ausgegeben wird, ist ja bekannt“, sagt Helmi Beckers. Einen Securitydienst könnten sich die Schausteller nicht leisten. Sie hoffen nun, dass die Anwohner der Volksfeste ein Auge mit auf die Wagen werfen. Helmi Beckers: „Wenn jemand Verdächtiges beobachtet hat, sollte er das auf jeden Fall der Polizei melden.“
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