Mönchengladbach: Zitterpartie für Hauptschulen
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 20.09.2008Mönchengladbach (RPO). Auch wenn die politische Mehrheit die Schließung von drei Hauptschulen in der Stadt abgelehnt hat, ist deren Existenz nicht gesichert. Im Gegenteil. Statt drei müssen nun fünf oder sechs Hauptschulen bangen.
Für die Hauptschulen gerät die Anmeldephase im Frühjahr zur Zitterpartie. Denn die bange Frage steht im Raum: Welche Schulen bleiben auf der Strecke? Mindestens 18 Schüler pro Klasse, mindestens zwei Züge pro Schule.
Das sind die Bestandsvoraussetzungen, und darauf pocht die Bezirksregierung – Qualitätsoffensive für Hauptschulen hin oder her. „Die Rechtslage ist eindeutig“, sagt Sarah Saretzki, Pressesprecherin der Bezirksregierung. 36 Neuanmeldungen braucht eine Schule, damit ihr Fortbestand gesichert ist. Ausnahmegenehmigungen gibt es nur in Einzelfällen.
Wackelkandidaten
Zahlen
Hauptschulen Es gib in der Stadt neun städtische und drei katholische
Prognosen 550 Kinder wechselten im vergangenen Jahr zu Hauptschulen, 2009/2010 sollen es nur noch 536 sein, 2010/11 566, 2011/12 569 und 2012/13 509.
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Das Problem: In Mönchengladbach erreichten einige Hauptschule schon im vergangenen Jahr nur mit Müh’ und Not und viel Augen-zu-drücken die Mindestschülerzahlen. Diesmal wird es noch enger. Experten schätzen, dass sich aufgrund der demographischen Entwicklung fünf bis zehn Prozent weniger Schüler an Hauptschulen anmelden werden.
„Wackelkandidaten“ gibt es genug. Schulamtsdirektor Walter Steinhäuser und Schuldezernent Dr. Gert Fischer hatten dies verhindern wollen und deshalb den Vorschlag gebracht, an drei Hauptschulen im kommenden Schuljahr keine neuen Kinder mehr aufzunehmen, um so die anderen verbliebenen neun Hauptschulen zu stärken.
Ihre Rechnung: Die Hauptschulen Eicken, Wickrath und Asternweg hatten im vergangenen Schuljahr zusammen 96 Anmeldungen. Zu wenig für einen gesicherten Bestand. Würden sie – wie vorgeschlagen – zum Schuljahr 2009/2010 keine neuen Kinder annehmen, hätten sich zirka 90 Schüler auf die verbliebenen Hauptschulen verteilt und sie stabilisiert.
Doch die CDU-Mehrheit beschloss, keine Schule zu schließen. Jetzt liegt die Entscheidungsgewalt in den Händen der Schulaufsicht. Und die muss sich an die Richtlinien halten. Sollten sich im Extremfall die Schülerzahlen so unglücklich verteilen, dass gleich fünf oder sechs Hauptschulen unter der erforderlichen Mindestzahl bleiben, dann könnten statt neun nur noch sechs Hauptschulen übrig bleiben.
Eine Planungssicherheit sei auf keinen Fall mehr gegeben, sagt Steinhäuser. Auch nicht für die Eltern. Denn jetzt sei es durchaus möglich, dass sie ihre Kinder im Frühjahr an einer Hauptschule anmelden, um dann erfahren zu müssen, dass sie doch aufgelöst wird.
Ein Zustand, den selbst Marlene Stähn von der Mönchengladbacher Initiative Pro Hauptschule, nicht befürworten kann. Sie plädiert für Fusionen von Schulen. Doch auch das lasse die Schulaufsicht nur in absoluten Ausnahmefällen zu, weiß Steinhäuser.
In Krefeld hat man die Entwicklungen früher erkannt und Konsequenzen daraus gezogen. Aus den einst 14 Hauptschulen sind acht geworden. „Aber auch die verbliebenen acht werden sich nach Expertenmeinung nicht halten können“, sagt der zuständige Schulrat Detlev Stein. Denn auch in der Nachbarstadt gehen die Schülerzahlen zurück. Die Schließung einer weiteren Hauptschule zum kommenden Schuljahr ließ sich aber auch in Krefeld politisch nicht durchsetzen.
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