Mönchengladbach: Zoch: Mehr Wagen, mehr Politik
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012Mönchengladbach (RP). Die Regulierungswut der EU, der "Eiertanz" der Kanzlerin: Die Mottowagen des Veilchendienstagszugs werden politischer. Die Zuschauer sollen mehr spenden als bisher, die größte Sorge der Ausrichter ist aber das Wetter. Denn ist es zu kalt, frieren als erstes die Instrumente der Musikgruppen ein.
Die leidige Frage nach dem Wetter, ja, ja. Wenn Gladbachs Karnevalisten derzeit mit dem einen Auge aufs Thermometer schielen und mit dem anderen auf den Kalender, dann wissen sie nicht so recht, ob sie sich freuen sollen oder nicht. Genau zwei Wochen vor dem Veilchendienstagszug (VDZ) hält klirrende Kälte die Stadt in winterlichem Atem – andererseits ist aber keine Wolke am Himmel zu sehen, und die Sonne strahlt. "Wir sind eben traditionell auch dafür verantwortlich, gutes Wetter zu bestellen", sagt Zugleiter Elmar Eßer mit einem Schmunzeln.
Vorbildliches Sicherheitskonzept
Sollte es so bleiben wie aktuell, treiben die Jecken zwei Sorgen um. "Ab minus fünf Grad abwärts gibt es Probleme bei den Musikkapellen", sagt Eßer. "Denn da frieren die ersten Ventile ein." Und Gladbachs oberster Karnevalist, MKV-Boss Bernd Gothe, fügt hinzu: "Diese Temperaturen verleiten die Besucher eher dazu, Schnaps zu trinken als Bier." Das bereite ihm etwas Sorgen, besonders da der "Zoch" mit seinem vorbildlichen Sicherheitskonzept in den letzten Jahren immer sehr friedlich abgelaufen sei.
Zoch in Zahlen
Teilnehmer ca. 4100
Karnevalsgesellschaften 35
Fremdgruppen 32
Festwagen 74 (davon sechs Mottowagen)
Traktoren 80
Bagagewagen 40
Fußgruppen 62-63
Musikkapellen 33
Tanz- und Funkengarden 28
Reitergruppen 5
Kutschen 4
Die traditionell größte Sorge, die monetäre, kam gestern bei der Vorstellung des diesjährigen VDZ-Programms ebenfalls zur Sprache. Ideen, wie sie in Krefeld und Düsseldorf bereits umgesetzt worden oder zumindest kursieren (20 Euro für die Teilnahme am Zug bzw. ein Euro Eintritt für die Altstadt), erteilte Gothe vorerst eine Abfuhr, sagte aber auch: "Der Veilchendienstagszug ist nur mit Unterstützung der Bürger langfristig zu sichern." So soll die Aktion mit den Spendenclowns, die beim Zug unter Besuchern um den "Zuggroschen" werben, soll deutlich professioneller ablaufen als zuletzt, MKV-Sprecher Heinz-Walter alias Bella Peltzer zeichnet dafür verantwortlich. 2011 wurden damit 10 000 Euro eingenommen. "Das soll dieses Jahr deutlich mehr werden."
Namen nicht einfach verhökern
Auch beim Thema Werbung und Sponsoring sei noch nicht alles ausgereizt, auch wenn Gothe davor zurückgeschreckt, den Namen des Zugs zu verhökern "wie einen Stadionnamen". Das diesjährige, nicht zuletzt auch auf die Logistikunternehmen der Stadt zugeschnittene Karnevalsmotto "Wir fahren ab auf Mönchengladbach" für einzelne Events an Firmen zu vermarkten, "habe ich bisher nicht geschafft", gab Gothe gestern freimütig zu.
Und die Mottowagen? Sechs Stück wird es geben, politischer als in den letzten Jahren sollten sie werden. Sind sie das auch? Die Ideen jedenfalls, die in den Skizzen des MKV zu sehen sind, deuten in diese Richtung. Die KG Schwarz-Gold Rheydt etwa zeigt das Brüsseler Manneken Pis und nimmt damit die Regulierungswut der EU aufs Korn, die Blau-Gelben Funken haben sich die Kanzlerin bei ihrem von Amerika kritisierten "German Eiertanz" ausgesucht. Auch lokale Themen wie die Altstadt und die Ju 52 kommen zur Sprache.
Der Zugweg ist derselbe wie 2011. Es gibt sechs Festwagen mehr, wohl auch mehr Fußgruppen, möglicherweise ein paar Kapellen weniger. "Die Musik kommt immer mehr aus Lautsprechern", so Eßer.
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