Mönchengladbach: Zoch: Wer mitläuft, zahlt
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012Mönchengladbach (RP). In Krefeld müssen Narren für die Teilnahme am Karnevalszug bezahlen. In Mönchengladbach ist es noch nicht so weit. Aber auch hier fehlt Geld für das jecke Vergnügen. Eine halbe Million Euro kostet der Veilchendienstagszug.
Kosten für die Teilnahme am Veilchendienstszug: Erwachsene zahlen 20 Euro pro Person, Kinder und Jugendliche 10 Euro, Rentner 5 Euro. Diese Nachricht wäre ein Paukenschlag und würde für heftige Diskussionen unter heimischen Karnevalisten führen. Keine Sorge: Sie ist, zumindest was Mönchengladbach betrifft, frei erfunden.
"Auf einen Teilnehmerbeitrag können wir beim Veilchendienstagszug dieses Mal noch verzichten", sagt der Boss der Mönchengladbacher Karnevalisten, Bernd Gothe. Man beachte aber die sprachliche Feinheiten: "dieses Mal" und "noch". Denn der Mönchengladbacher Karnevalsverband (MKV) muss seit Jahren jeden Cent und jeden Euro mühsam sammeln, um einen Veilchendienstagszug auf die Beine zu stellen. MKV-Chef Gothe: "Sollten freiwillige Spenden nicht mehr reichen, müssten wir über Pflichtbeiträge ernsthaft nachdenken."
Wichtige Termine
16. Februar, ab 15 Uhr Altweiberpartys: Friedrichstraße /Rheydt
19. Februar, 20 Uhr Karnevalskonzert der Niederrheinischen Sinfoniker 19. und 20. Februar Veedelszüge
20. Februar, 11 Uhr Rathaussturm in Rheydt
21. Februar, 13.11 Uhr Veilchendienstagszug
So ganz aus der Luft gegriffen ist die Befürchtung nicht, dass die Teilnehmer des Karnevalszuges zur Kasse gebeten werden. In Krefeld etwa greifen die Karnevalsfreunde zu diesem Mittel, um die Existenz des Zuges zu sichern. "Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir auf diesen Schritt ganz verzichten können", sagt Gothe. Wohl wissend, dass dieser Obolus nicht nur für schlechte Schlagzeilen, sondern auch für schlechte Stimmung bei den Karnevalisten führen würde.
Fakt ist: Der Veilchendienstagszug kostet rund eine halbe Million Euro. In dieser Gesamtsumme sind auch alle die Beträge enthalten, die von den Gesellschaften geleistet werden, wenn sie zum Beispiel einen Karnevalswagen bauen und ihn beim Zoch mitfahren lassen. Aber der MKV muss in jedem Jahr tief in die eigene Kasse greifen, um die Existenz der Brauchtumsveranstaltung zu sichern. Dass er dabei langsam an seine Grenzen stößt, ist nahezu zwangsläufig. "Es ist jedes Mal nahezu derselbe Kreis, an den wir uns wenden müssen, um die Finanzierung des Karnevals zu sichern", sagt Gothe.
Das hat Konsequenzen. So verzichtet der MKV in dieser Session auf die Nostalgie-Sitzung, die in den beiden Vorjahren ein nettes Sümmchen in die Kasse gebracht hat. Weil es in aber mehrere große Veranstaltungen gibt – unter anderem Verleihung des Närrischen Maulkorbs und der Narrenpritsche – setzte Gothe die Veranstaltung aus ("Das Potenzial ist ausgeschöpft"). Seine Hoffnung: Die Bürger sollen die 250 in der Stadt unter anderem in Geschäften aufgestellten Spar-Clowns ausgiebig füttern. Und auch am Zugrand wird wieder um eine freiwillige Spende gebeten. Bernd Gothe: "Wenn viele Menschen von sich aus 50 Cent oder einen Euro geben, ist mir um den Veilchendienstagszug nicht bange. Teilnehmer-Gebühren sind dann kein Thema."
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