Mönchengladbach: Zoff ums Handy-Parken
VON GABI PETERS UND ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 18.05.2010Mönchengladbach (RPO). Rainer Elsenbruch nutzt einen "Service" der Stadt und zahlt seine Parkgebühren per Handy. Trotzdem bekam er 16 Knöllchen, weil Ordnungshüter ständig die an der Windschutzscheibe angebrachte Plakette übersahen.
Keine lästige Kleingeld-Suche, kein Nachwerfen mehr. "Das ist praktisch", dachte Rainer Elsenbruch, als er sich für das Handy-Parken registrieren ließ. Die Stadt bietet diesen Service seit September vergangenen Jahres an.
Und das funktioniert so: Handy-Parker melden sich im Internet über einen zertifizierten Betreiber an und bekommen eine Plakette, die sie an die Windschutzscheibe kleben müssen. Wer sein Auto auf einem kostenpflichtigen Parkplatz abstellt, findet am Geldautomaten eine sechsstellige Nummer, die er ins Mobiltelefon eintippen muss. Die Rechnung folgt in der Regel einmal pro Monat.
Rainer Elsenbruch sagt, dass er alles gemacht hat, wie vorgegeben. Trotzdem bekam er andauernd Knöllchen. Zuerst rief er jedes Mal im Ordnungsamt an. Dass er registriert war, konnte er ja beweisen. Die Stadtmitarbeiter reagierten unbürokratisch. Und so war die Sache schnell erledigt. Nach Knöllchen Nummer zehn wurde es dem Handy-Parker aber zu bunt. "Ich kann doch nicht jedes Mal anrufen, nur weil einer schon wieder meine Plakette übersehen hat", sagt er. Also ließ Rainer Elsenbruch es darauf ankommen.
Bei Knöllchen Nummer 16 kam prompt der Bußgeldbescheid. Das brachte bei dem Handy-Parker nun endgültig das Faß zum Überlaufen. Er legte nicht nur Einspruch gegen den Bußgeldbescheid ein, er stellte auch eine Dienstaufsichtsbeschwerde.
Denn ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes soll zwischenzeitlich behauptet haben, dass Elsenbruch sein Auto nachweislich unrechtmäßig abgestellt und daher die Unwahrheit gesagt habe. Zum Beweis habe er ein Foto von Elsenbruchs Auto gemacht. Dort sei keine Plakette. Bei der Nachfrage im Amt, ob man denn auch genau in die linke obere Ecke der Windschutzscheibe geguckt habe, bekam der Handy-Parker zur Antwort: "Da ist auf dem Bild alles verspiegelt."
Die Stadt entschuldigte sich bei Elsenbruch, allerdings habe es sich um fünf und nicht um 16 Verwarnungen gehandelt. "Diese fünf Verfahren sind eingestellt. Für uns ist die Sache damit erledigt", sagte Stadtsprecher Wolfgang Speen gestern. Die Plakette sei deshalb nicht gut zu sehen, weil sie im getönten Bereich der Windschutzscheibe angebracht sei. "Die Plakette muss deutlich sichtbar angebracht sein", sagt Speen.
Mittlerweile ist das Bußgeldverfahren eingestellt. Für Rainer Elsenbruch ist die Sache damit aber nicht erledigt. Immerhin habe man ihn der Lüge bezichtigt. "So kann die Stadtverwaltung nicht mit dem Bürger umgehen", findet er und erwägt sogar, einen Strafantrag zu stellen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







