Mönchengladbach: Zu wenig Geld für Karneval
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.07.2008Mönchengladbach (RPO). Weniger Gesellschaften, weniger Veranstaltungen: Bernd Gothe will den Karneval gesund schrumpfen. Doch die kleinen Vereine wollen keine Fusionen. Der Karnevals-Boss lässt sich bei der Tour de France inspirieren – und in Rio.
Bei immer mehr Karnevalssitzungen bleiben Bänke leer. Und selbst größere Vereine leiden unter akuter Geldnot. Bernd Gothe, Präsident des Mönchengladbacher Karnevals-Verbandes (MKV), mag das nicht mehr länger ansehen. „Es muss etwas passieren, und zwar schnell“, sagt er. Im September wird er die Präsidenten der 45 Karnevalsgesellschaften einladen, um Tacheles zu reden. Das Ziel: Die Gesellschaften sollen gemeinsam weniger, dafür größere Veranstaltungen ausrichten. Und einige der kleineren sollen sich zusammenschließen.
„Wir brauchen keine 45 Karnevalsgesellschaften in Mönchengladbach. 38 würden völlig reichen“, sagt Gothe. Er weiß, wie heikel dieser Vorschlag ist. Denn viele Präsidenten wollen nicht auf ihr Amt verzichten. Dabei ist der wirtschaftliche Druck schon jetzt immens – und wird noch größer werden. „Bürger, die 300 Euro mehr als gedacht für ihre Nebenkostenabrechnung zahlen müssen, können es sich einfach nicht leisten, viel Geld für Karneval auszugeben“, sagt der MKV-Präsident.
Die kommende Session
Motto 2008/2009 „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“
Sponsoren Mit einer Nostalgiesitzung sollen Unternehmer für Karneval begeistert werden, denn der Veilchendienstagszug braucht finanzielle Unterstütung.
Termine Hoppeditzerwachen, 11. November, 18.11 Uhr, Kapuzinerplatz. Prinzenproklamation, 9. Januar, 19 Uhr, Kaiser-Friedrich-Halle. Veilchendienstagszug 24. Februar 2009 .
Bands und Büttenredner
Wer bekannte Bands und Büttenredner auf der Bühne haben will, muss diese auch bezahlen. Damit der Eintrittspreis nicht zu hoch wird, sieht Gothe nur eine Möglichkeit: größere Veranstaltungen. „Die Säle und Hallen dafür haben wir in der Stadt.“ Doch woran es bislang fehlt, ist die Bereitschaft der Gesellschaften zusammenzuarbeiten. Das hält Gothe allein aus sozialen Gründen für unerlässlich. „Karneval darf nicht zum Luxus werden“, findet er.
Neben den größeren Sitzungen müssen die Gesellschaften nach Meinung des MKV-Präsidenten einen zweiten Weg gehen: bei den kleineren Veranstaltungen mehr auf Lokalkolorit zu setzen. Das funktioniere schon jetzt zum Beispiel in vielen Pfarrgemeinden. „Die Voraussetzung dafür ist, dass sich wieder mehr Menschen finden, die sich in ihrer Freizeit hinsetzen, um zum Beispiel eine Büttenrede zu schreiben.“
Doch auch der MKV selbst, der unter anderem die Finanzierung des Veilchendienstagszugs sicher stellt, muss sich etwas einfallen lassen. In der kommenden Session gibt es im Palace St. George eine Nostalgie-Sitzung mit bekannten Künstlern von einst. Der Erlös fließt an den MKV. Die Finanzierung des kommenden Zugs steht. Doch mittelfristig müssen sich die Karnevalisten auch für das Groß-Event etwas einfallen lassen. Bernd Gothe hat dafür einen Mitarbeiter nach Frankreich geschickt. Er hat sich angeschaut, wie der sehr erfolgreiche Vorzug der Tour de France organisiert ist. „Die arbeiten zum Beispiel mit riesigen aufblasbaren Figuren aus Plastik“, sagt Gothe.
Da der Unternehmer zur Zeit einmal pro Monat beruflich in Rio zu tun hat, will er sich auch vom dortigen Karneval inspirieren lassen. „Ich habe schon einen Termin in einer Samba-Schule“, sagt Gothe.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





