Mönchengladbach: Zug zerlegt Kinderwagen
VON LESLIE BROOK - zuletzt aktualisiert: 28.10.2008Mönchengladbach (RPO). Als eine Gruppe mit Odenkirchenern auf dem Hochneukircher Bahnhof auf den Zug wartete, wurde ein Kinderwagen von einem durchfahrenden Güterzug mitgerissen. Nur durch Zufall wurde kein Kind verletzt.
Parallelfall Lüneburg
Der Ort Der Bahnhof in Lüneburg.
Der Zeitpunkt Ebenfalls Donnerstag, 23. Oktober.
Das Kind Ein zwei Jahre altes Mädchen. Es befand sich auf den Armen seiner Eltern und kam mit dem Schrecken davon.
Der Zug Ebenfalls ein Durchfahrender Güterzug, allerdings mit Tempo 120.
Es sollte ein schöner Ausflug der Kindertagesstätte Hochneukirch in den Krefelder Zoo werden. 20 Kinder, drei Erzieherinnen und mehrere Eltern hatten sich auf dem Hochneukircher Bahnhof eingefunden, um von dort aus ihre Fahrt zu beginnen. Als sie die Fahrscheine am Automaten lösten, donnerte plötzlich ein Güterzug durch den beschaulichen, kleinen Bahnhof in der Gemeinde Jüchen. Mit der großen Sog-Kraft des herannahenden Zuges hatte niemand gerechnet.
Der schwerbeladene Kinderwagen von Erzieherin Antje Schmitz wurde in die Luft gerissen und gegen den Zug geschleudert, bevor er völlig zertrümmert auf dem Bahnsteig liegen blieb. „Ich wusste zunächst gar nicht, was passiert war, so geschockt war ich“, erzählt die Mutter von zwei kleinen Kindern. Zum Glück sei der Kinderwagen bis auf Wickeltasche und Proviant leer gewesen. Ihre Tochter Anna-Maria (2) hielt sie während des Fahrkartenkaufs an der Hand. „Was wäre gewesen, wenn sie im Wagen gesessen hätte?“ – diese Frage lässt die Odenkirchenerin nicht mehr los.
Hinter der weißen Linie
Ordnungsgemäß hatte sie den Kinderwagen hinter der weißen Linie geparkt, „sogar noch ein, zwei Meter weiter zurück“, und die Bremsen angezogen. Trotzdem wurde der stabile Wagen fortgerissen. „Der Güterzug ist mit wahnsinnigem Tempo vorbeigerauscht.“ Eine Mutter musste ihr fünfjähriges Mädchen festhalten, damit es nicht „wegflog“. „Das kann ja wohl nicht wahr sein“, ärgert sich Beate Hagen, die Oma von Anna-Maria und Lena, zu der die Kinder nach dem Unfall gebracht wurden. „Die Züge müssen doch abbremsen und dürfen nicht Kinder durch zu hohe Geschwindigkeiten gefährden.“
Doch da irrt sich die Mönchengladbacherin freilich. NRW-Bahn-Sprecher Gerhard Felser erklärt: „Jedes Mal langsamer werden und dann wieder beschleunigen, würde zu viel Zeit kosten.“ Zwischen 80 und 100 Km/h schnell sind Güterzüge, wenn sie durch Bahnhöfe fahren, „ähnlich wie Lkws auf Autobahnen“. Personenzüge haben 120 bis 140 Stundenkilometer drauf.
Solche Zwischenfälle kämen äußerst selten vor. Mögliche Gründe findet der Bahnsprecher viele: der Kinderwagen könnte einen versetzten Schwerpunkt gehabt, der Wagen nicht richtig festgestanden haben. „Weder der Zugführer noch die Mutter handelten falsch.“ Ob der Sachschaden ersetzt würde, sei fraglich. Gerhard Felser mahnt zur Vorsicht: „Als Eltern sollte man den Wagen zusätzlich festhalten.“
Die Piktogramme an den Bahnhöfen zeigen indes nur die Einhaltung eines Sicherheitsabstandes. „Soviel Eigenverantwortung muss man den Eltern zutrauen können“, meint der Bahnsprecher auf die Frage, ob Hinweise nicht angebracht wären. „Wir überlegen in der Kita, ob man solche Tagesausflüge mit der Bahn überhaupt noch machen kann.“ Im Zoo gab es nur ein Gesprächsthema und das waren nicht die Tiere.
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