Mönchengladbach: Zweirad-Expedition ins Unbekannte
VON SABRINA TILGNER - zuletzt aktualisiert: 06.08.2007Mönchengladbach (RPO). 21 503 Kilometer fuhr der Mönchengladbacher Andreas Alt mit dem Fahrrad durch China, die Mongolei, Laos, Thailand, Malaysia und Singapur. Dreizehn Monate war er unterwegs. Er bestieg die Chinesische Mauer, übernachtete bei Einheimischen und hütete Ziegen.
Andreas Alt sah sich am verfrühten Ende seiner Reise angekommen. In China, an der Grenze zur Mongolei, „an der Ecke vom Nirgendwo“. Einreisen durfte er über diese Grenzstation für Einheimische nicht. Doch sein Visum für die Volksrepublik war nur noch zwei Wochen gültig. Er musste also für eine neue Aufenthaltsgenehmigung ausreisen. Der nächste Grenzübergang war Tausende Kilometer entfernt, aber der 31-Jährige war mit dem Fahrrad unterwegs. 13 Monate und 21 503 Kilometer lang durchquerte er China, die Mongolei, Laos, Thailand, Malaysia und Singapur.
Seine Tour startete Andreas Alt in der chinesischen Hauptstadt Peking. Nahe der Metropole radelte er unter der weltberühmten Chinesischen Mauer hindurch, vor einigen Tagen wieder zu einem der Weltwunder gewählt worden. „Ein tolles Gefühl“, schwärmt er. Im Gegenteil zur Tour durch die Innere Mongolei im Norden Chinas. „Sechs Wochen sieht man nichts außer Steppe. Ich wusste, das nächste Dorf kommt, aber nicht, ob in zehn oder 100 Kilometern. Man bekommt Angst, wenn man acht Stunden keinen Menschen sieht.“ Übernachtet hat Andreas Alt bei Einheimischen, hütete dafür Ziegen und Schafe. „Man wird dankbarer und gibt auch mehr.“
Dann der Schreck an der Grenze zur Mongolei – und die Wende. Die Grenzer sammelten Geld für einen Lkw, der Alt zur Stadt brachte. Von dort fuhren Bus und Zug zur Grenzstation für Touristen. „Es war ein kleines Wunder, dass noch alles klappte.“ Die Mongolei belohnte ihn für die Strapazen. „Die Leute sind hilfsbereit, nehmen einen in ihren Hütten auf. Aber sie leben wie vor 100 Jahren.“ Auch Andreas Alt musste sich mit Flusswasser waschen und „ungenießbare“ Erdhörnchen essen. Weil es im ganzen Land nur eine Hauptstraße gibt, muss der Mongole und sein deutscher deutsche Fahrradtourist querfeldein fahren, mit Kompass und Karte. Nur vor der Wüste Gobi kapitulierte er angesichts von heftigen Sandstürmen und drei platten Reifen. Dafür umrundete Alt später das Altai-Gebirge mit angrenzender Wüste.
Zurück in China sah der Windberger die Terrakotta-Armee, den Drei-Schluchten-Staudamm und fuhr mit dem Zweirad am Yangtse-Fluss entlang. Verständigungsprobleme gab’s mit seinen paar Brocken Chinesisch natürlich. Allein war Andreas Alt aber (leider) nie: „Immer scharten sich Leute um mich und lachten, wenn mir eine Nudel beim Essen mit Stäbchen runterfiel“, erzählt der Abenteurer. Für die Asien-Tour trainiert hatte er nicht, sich nur ein stabiles Trekkingrad gekauft. „Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich durchhalte.“ Dabei hatte Alt Kleidung, Campingausrüstung und massig Werkzeug, „damit ich mein Rad auch in der Steppe flott kriege“.
Urwald, kaum Menschen
In Laos erwartete Alt wieder eine völlig andere Welt: Urwald, kaum Menschen, kaum Verkehr. Eine unendliche Weite. Wesentlich touristischer wurde es dagegen in Thailand, Malaysia und Singapur. Von Kuala Lumpur flog Alt schließlich wieder direkt nach Deutschland – ohne wie ursprünglich geplant über Indien, Pakistan, Iran und die Türkei zu radeln. Das Heimweh hatte den Rad-Reisenden gepackt und zu der früheren Abreise bewegt. Zuletzt sei die Tour doch arg strapaziös geworden, sagte er.
Ursprünglich hatte Alt die Reise als eine Art Flucht vor dem Job als Physiklaborant in Angriff genommen. „Es war auch eine super Erfahrung, aber am Ende kam die Kopfarbeit doch zu kurz“, sagte er nach der Rückkehr.
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