Fußball: Bonhof will zehn Fußballplätze bauen
VON RAINER KALB - zuletzt aktualisiert: 10.01.2008Rainer Bonhof jubiliert. Drei Jahre nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien kann sich die Bilanz des Mönchengladbachers im humanitären Bereich durchaus sehen lassen.
Der langjährige Borusse und Gladbacher Trainer im Jahr 1999 hat inzwischen 40 000 Euro gesammelt, um auf der Insel Nias im Indischen Ozean zehn neue Fußballplätze zu bauen. Das Eiland – 165 Kilometer lang, 40 Kilometer breit, 650 000 Einwohner, 125 Kilometer westlich von Sumatra gelegen – gehört zu Indonesien.
Der 53-malige Nationalspieler und Weltmeister von 1974 erklärt im Gespräch sein Anliegen: „Was kaum einer weiß: Durch den Tsunami starben am Zweiten Weihnachtstag 2004 auf der Insel rund 300 Leute. Doch durch ein lokal begrenztes Erdbeben drei Monate später die doppelte Anzahl. Da hat sich der Boden in 30 Sekunden um 80 Zentimeter bis drei Meter gehoben. Da war kein Fußballplatz mehr heil.”
Die Ersten, die Fußball spielen wollten, waren ironischerweise die Helfer der Organisation „Help”, immer mit die Ersten vor Ort, die das zweite Desaster innerhalb von drei Monaten (Stärke 8,7, vier Meter hohe Wellen) nur schwer verkraftet haben. Sie brauchten Ablenkung.
Auf dem inzwischen neu errichteten Sandplatz spielen von freitags bis sonntags bis zu 16 Mannschaften. Ein zweiter Platz ist angesichts des Spendenflusses in Auftrag gegeben. Bonhof: „Da gibt es ein altes Nahrungsmittellager der UN mit einer Betonplatte. Damit ist ein Unterboden gegeben.”
Der ehemalige Freistoßspezialist, der 371 Ligaspiele für Borussia, FC Valencia, 1. FC Köln und Hertha BSC Berlin bestritt und mit Gladbach viermal Deutscher Meister war, wurde durch Wolfgang Nierwettberg, den Geschäftsführer der in Bonn ansässigen karitativen Organisation Help, auf das Problem aufmerksam. Mit ihm startet der 55-Jährige oft bei Oldtimer-Rallyes (”Mein Austin ist fast so alt wie ich”), und so kamen die beiden ins Gespräch.
Bonhof, der seit Jahren auch die DFB-Stiftung Egidius Braun unterstützt, veranstaltete ein Fußball-Turnier, bei dem 20 000 Euro zusammenkamen. Ein Benefiz-Golfturnier für Fußball auf Nias brachte 8000 Euro. Dieses Jahr fliegt Bonhof erneut hin. Er hofft, dass irgendwann wieder ein Liga-Betrieb möglich ist.
Der Talentjäger für Englands Top-Club und Pokalsieger FC Chelsea im deutschsprachigen Ausland hat auf der Insel zwar noch kein Juwel gefunden, aber das ist ihm egal: „Es ahnt ja niemand hier bei uns, wie wichtig Fußball ist, um einen Hauch von Normalität und Zukunft zu haben.”
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