Fußball: Die Sonntagsfrage
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 17.04.2007In der Zweiten Liga wird Borussia etwa jedes zweite Spiel sonntags austragen. Anpfiff: 14 Uhr, also etwa zur gleichen Zeit, an der auch die Amateurfußballer spielen. Bleiben denen dann Zuschauer oder gar Spieler weg?
„Wir ein Problem? Das bekommt eher Borussia“, sagt Norbert Hübner. „Wer Fußball spielen will, verzichtet lieber darauf, sich stattdessen ein mittelmäßiges Zweitligaspiel anzusehen. Und das gilt sicher auch für die allermeisten unserer Zuschauer“, glaubt der Vorsitzende des SC Rheindahlen, dessen Erste Mannschaft in der Kreisliga B sonntags vor etwa 100 Besuchern spielt. „Ich kenne jedenfalls sehr viele, die nicht mehr zu Borussia gehen und keine Dauerkarten mehr kaufen werden.“
Eine selbstbewusste Meinung. Die aber längst nicht alle Vereinsvertreter teilen, mit denen die RP gestern mit Blick auf die Lage nach einem Bundesliga-Abstieg sprach. „Wir haben uns darüber am Sonntag unterhalten. Für uns ist es sehr schlecht, wenn Borussia parallel spielt“, sagt zum Beispiel Helmut Peppler, Vorsitzender von Rot-Weiß Venn (Kreisliga B). „Auch etliche unserer Spieler sind Borussen-Anhänger, haben zum Teil Dauerkarten, die sie nicht abgeben werden.“ 50 bis 60 zahlende Besucher zählen die Venner bei ihren Heimspielen. „Früher waren es bis 300. Jetzt könnte die Zahl noch einmal sinken“, fürchtet Helmut Peppler. Egon Wintz vom B-Ligisten SV Dohr sieht dies nicht so: „Als Borussia von 1999 bis 2001 schon mal in der Zweiten Liga war, haben wir das kaum gespürt.“
Termine und Teams
Spieltermine der Zweiten Liga Drei Partien freitags (Beginn 18 Uhr), fünf sonntags (14 Uhr), eins montags (20.15 Uhr)
Mannschaften im Fußballkreis Mönchengladbach Viersen (Kreisliga C bis Verbandsliga)
101 Senioren-Mannschaften
8 Frauen-Mannschaften
395 Jugend-Mannschaften (einschließlich Mädchenteams)
Spieltermine der Amateure Sonntags 15 Uhr, im November 14.30, im Dezember 14.15 Uhr
Borussia möchte freitags nicht
Peter Baukloh, Vorsitzender der Sportfreunde Neersbroich, hält hingegen einen Rückgang der Besucher von etwa 100 um 20, 25 für möglich: „Und da wir aus den Einnahmen von 2,50 Euro pro Erwachsenen in der Kreisliga A die Schiedsrichterkosten bestreiten, trifft das schon. Die Reservemannschaften kommen ja auch noch hinzu. Da ist es schon besser, wenn Borussia freitags oder montags spielt.“ Doch der Freitag passt Borussia selbst nicht so recht. „Wir werden versuchen, so wenig wie möglich freitags zu spielen. Denn bei der Anfangszeit von 18 Uhr können viele unserer weiter entfernt wohnenden Fans nur schwer kommen“, kündigte Borussias Sprecher Markus Aretz an. „Mal sehen, was sich machen lässt.“
Dem Landesligisten 1. FC käme es schon zupass, wenn Borussia möglichst wenig freitags spielt. „Letzte Woche fehlte zum Beispiel Philipp Zimmermann beim Abschlusstraining. In der RP sah ich dann am Montag, dass er beim Spiel Borussia gegen den HSV war“, sagt FC-Chef Wolfgang Heisters. „Andererseits sind die Spiele in der Zweiten Liga nicht mehr so attraktiv wie in der Ersten. Da wird es uns bei den Zuschauern wohl weniger treffen.“
Wäre die Verlegung des einen oder anderen Amateurspiels auf Samstag denn eine Lösung? „Rechtlich“ ist dies möglich, wenn der Gastverein zustimmt und keine Wettbewerbsverzerrung zu befürchten ist, sagt Thomas Klingen, Vorsitzender des Kreisfußballausschusses. „Doch samstags ist unsere Anlage komplett von unserer Jugend belegt“, zeigt Ottmar Neubig vom SV Lürrip das Problem.
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