Fußball: Eine unheimliche Affäre
VON KURT THEUERZEIT - zuletzt aktualisiert: 02.09.2010Ivan Gonzalez und Jens Philipp wechseln vom Fußball-Bezirksligisten Fortuna nach Lürrip. Der Landesligist bezahlt für das Duo die Ablöse. Doch dann unterschreiben die Spieler einen Amateurvertrag beim Kreisligisten Hardt.
"Nein!" - "Das gibt es nicht." - "Ist das wirklich wahr?" Das Trainer-Rudel, das eigentlich die Partie Korschenbroich gegen Süchteln beobachten wollte, konnte es nicht fassen, was da berichtet wurde. Die unglaubliche Sache begann damit, dass Jens Philipp, als er noch für Fortuna kickte, zum Landesligisten 1. FC Mönchengladbach wechseln wollte. Zugesagt hatte er.
"Das wusste ich nicht"
"Das wusste ich nicht", gibt sein damaliger Trainer Stephan Houben zu Protokoll, der die Fortunen in Richtung Lürrip verlassen sollte. Er sah seinen Firmen-Mitarbeiter Jens Philipp natürlich lieber in seiner Mannschaft als in der des Konkurrenten 1. FC. Irgendwie muss Stephan Houben gute Argumente gefunden haben, so dass sein Spieler mit ihm nach Lürrip zog. Nicht einmal allein, denn Ivan Gonzalez schloss sich an. "Es war nicht einfach, Fußballobmann Andres Zimmerman davon zu überzeugen, das Duo in unseren Kader aufzunehmen", berichtet Stephan Houben.
Amateurverträge
Mindestens müssen einem Spieler bei einem Amateurvertrag im Augenblick monatlich 150 Euro gezahlt werden. Hinzu kommen 45 Euro Sozialabgaben.
Die Zahlungen müssen nachgewiesen werden.
Erhöhung ab der kommenden Saison müssen mindestens 400 Euro und 120 Euro für die Sozialabgaben gezahlt werden.
Während der Vorbereitung waren die beiden Spieler dabei, Jens Philipp wegen eines gebrochenen Zehs aber erst mit ein wenig Verspätung. "Ich habe Verständnis dafür, dass ich nicht direkt einen Stammplatz bekommen habe, denn ich war noch nicht richtig fit. Wir sind auch mit den Trainern, der Mannschaft und dem Umfeld klar gekommen", gibt Jens Phillip zu.
Dann geschah das Unglaubliche. Die beiden Spieler erklärten Trainern und Vorstand, dass sie einen Amateurvertrag beim SC Hardt unterschrieben hätten und nicht mehr für Lürrip zur Verfügung ständen. "Für mich war das so ein Bauchgefühl. Ich stand nicht in der Startelf. Der Wechsel war für mich wohl die falsche Entscheidung", gibt Ivan Gonzalez zu. "Ich habe mich einfach nicht so richtig wohl gefühlt. Das war eine Bauchentscheidung", gesteht Philip.
Entsetzt, verärgert und menschlich enttäuscht reagierte Andreas Zimmermann. Denn der hatte noch eine Woche zuvor die Ablösesumme für das Duo an die Fortunen überwiesen: "Das war vor allem unfair dem Trainer gegenüber. Uns gegenüber war es unverschämt."
Für Jens Philipp war der Amateurvertrag in Hardt die einzige Chance, noch während der laufenden Saison zu wechseln, obwohl er schon für die Lürriper gespielt hatte. Aber wie ist das Duo nun nach Hardt gekommen? "Man steht immer mit Trainern in Kontakt. Wir haben gefragt, ob man noch wechseln kann. Uns wurde angeboten, bis zum 31. August zu wechseln. Bis dahin war es eben möglich", erklärt Gonzalez. Reaktionen aus Hardt gab es nicht.
Dafür aber wollen die Lürriper reagieren. "Wir wollen unser Geld zurück haben. Wenn nicht gehen wir vor Gericht. Es gab im Vorjahr schon einen Fall, der entsprechend entschieden wurde", will Andreas Zimmermann die Sache nicht auf sich beruhen lassen.
Ein negatives Licht
Soweit wird es aber wohl nicht kommen, denn zumindest Jens Philipp zeigt Einsicht: "Es fällt natürlich ein negatives Licht auf meine Person. Das sieht alles blöd aus. Ich bin bereit, die gezahlte Ablöse aus meiner Tasche zu bezahlen. Mir soll in dieser Sache keiner etwas nachsagen. Daran liegt mir viel. Sonst wird mein Ruf noch schlimmer als er jetzt schon ist."
Von diesem Vorhaben wussten die Trainer in Korschenbroich bei ihrer Diskussion noch nichts. Für sie aber war klar, dass solche Wechsel nicht an der Tagesordnung sein dürfen. "Unsere Arbeit wird nicht mehr planbar, personell ist erst am 1. September alles klar. Die Vereine dürfen solche Spielchen nicht mitmachen", schickten sie verbal deutliche Signale in Richtung des SC Hardt.
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