Boxen: Gefährliche Handschuhe
VON SASCHA KÖPPEN - zuletzt aktualisiert: 11.01.2010Seit dem Kampf gegen Stacy Reile am 31. Mai 2008 hatte die Mönchengladbacher Profiboxweltmeisterin Ina Menzer BEI vier Titelverteidigungen über die volle Distanz gehen müssen. Der Kampf gegen Ramona Kühne um die drei WM-Gürtel der Verbände WIBF, WBC und WBO im Federgewicht in Magdeburg fand nun ein vorzeitiges Ende – und zwar ein ungewöhnliches. Nach einem Volltreffer von Ina Menzer mit der rechten Schlaghand in der sechsten Runde gab der Ringarzt dem Ringrichter den Rat, den Kampf abzubrechen. Die Verletzung an der Augenbraue der Berlinerin war so tief, dass die Knochenhaut zu sehen war.
Normalerweise passiert so etwas vor allem bei den Frauen nicht. Verwendet wurden diesmal aber Handschuhe, die viel dünner als das herkömmlich verwendete Produkt sind und so Verletzungen kaum verhindern. "Es war vertraglich so vereinbart, dass Ramona diese Handschuhe benutzen darf", erzählte Menzer, die am linken Auge selbst ebenfalls deutlich lädiert war. Menzer hatte auch ihre stärker gefederten Handschuhe verwenden können, was ihr aber dann einen Nachteil beschert hätte. "Es ist echt gefährlich, mit diesen Handschuhen zu boxen", fügte die Weltmeisterin an. Bis drei Tage vor dem Kampf hatte sie gedacht, wie für eine Titelverteidigerin üblich den Handschuh-Typ bestimmen zu können. Nachdem Ramona Kühne, zuvor in 15 Kämpfen ungeschlagen, in der vierten und fünften Runde ein wenig besser in den Kampf gekommen war, wurde sie letztlich von der Mönchengladbacherin eiskalt erwischt. "Es war richtig, dass der Kampf abgebrochen wurde, weil ich sonst nachgesetzt hätte und es gefährlich geworden wäre", erklärt Menzer.
Auch die Deutsche Amateur-Meisterin Lisa Kempin, die ebenfalls für die Faustkämpfer Mönchengladbach boxt, hat den Kampf verfolgt. "Ich denke, Ina hätte auch über die volle Distanz gewonnen, weil sie die Ringmitte behauptet und den Kampf diktiert hat", analysierte sie. Die Bedeutung des Handschuhtyps war natürlich auch für sie nicht neu. "Ich habe versucht, mich in Inas Lage zu versetzen. Da hat man sicher ein mulmiges Gefühl im Bauch. Aber sie hat es letztlich sehr gut gemacht", meinte Lisa Kempin.
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