Fußball: Lira Bajramaj, Gladbachs Goldmädchen
zuletzt aktualisiert: 12.09.2009Lira Bajramaj war gestern nicht zu erreichen. Sie hatte ihr Mobiltelefon ausgestellt. Weil sie feierte. Vielleicht aber auch, um einer Flut von Heiratsanträgen auf dem kurzen Dienstweg zu entgehen. 2007, als die Mönchengladbacherin mit Deutschlands Fußballfrauen Weltmeisterin wurde, gab es 20 Anfragen, ob sie für die Ewigkeit zu haben sei. Bajramaj blieb standhaft. Und erfolgreich. Denn nun ist sie nicht nur Welt-, sondern auch Europameisterin. 6:2 endete das Finalspiel gegen England.
Nur sieben Minuten spielte sie im Finale mit, aber genug, um den Triumph total auskosten zu können. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte die Feier der Heldinnen, und Bajramaj, die "Miss Damenfußball" genannt wird, dürfte einer der aktivsten Party-Tiger gewesen sein in dem Club im finnischen Helsinki namens "The Tiger".
Eigentlich haben sie und ihre Kolleginnen nichts anderes getan, als die Pflicht zu erfüllen. "Wir wollen den Titel", hatte Bajramj nach dem ersten EM-Spiel, dem 4:0 gegen Norwegen, klargestellt. Als sie am Donnerstag um 19.59 Uhr von Uefa-Chef Michel Platini die Goldmedaille um den Hals gehängt bekam, war sie einfach nur glücklich. Bajramaj ist keine, die sich mit gehobenen Ansprüchen unter Druck setzt, doch sie ist ehrgeizig. Darum hat sie es zur Nationalspielerin gebracht, obwohl ihr der Vater früher eigentlich das Fußballspielen verbot. "Sie wird doch Tänzerin", dachte er.
Am Ball ist seine Tochter grazil wie eine Tänzerin. Und vor dem Tor gnadenlos. Drei Treffer schaffte sie bei der EM, alle indes als Einwechselspielerin. 2011, wenn die WM in Deutschland und auch in Mönchengladbach ist, wird sie wohl, so sie gesund bleibt, zum Stammpersonal gehören. Bei Turbine Potsdam, wo sie jetzt spielt, will Bajramaj weiter durchstarten. Sie ist Welt- und Europameisterin, holte Olympia-Bronze, den Uefa- und den DFB-Pokal. Fast alles also, was zu gewinnen gibt, hat sie mit 21 gewonnen. Genug hat Lira Bajramaj aber noch lange nicht. Der Traum des Gladbacher Gold-Mädchens geht weiter. KARSTEN KELLERMANN
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