Fußball: Neue Schiris für Gladbach
VON SASCHA KÖPPEN - zuletzt aktualisiert: 25.01.2012Fußball (RP). In strömendem Regen wurden Schiedsrichter-Anwärter von Lehrwart Bernd Schoemann eingewiesen. Der Verband kämpft mit einem kleinen Nachwuchs-Problem – dabei sind die Aufstiegschancen aktuell sehr gut.
Wie weit sind wohl 9,15 Meter? Mit dieser Frage konfrontiert Schiedsrichter-Lehrwart Bernd Schoemann einen angehenden Nachwuchs-Referee, der bei einem Freistoß exemplarisch eine Mauer stellen soll.
Beim Anwärter-Lehrgang des Kreises Mönchengladbach/Viersen regnet es in Strömen, aber auch das gehört auf der Anlage Fortunas zum Programm dazu. Denn auch bei zukünftigen Spielleitungen können sich die Unparteiischen das Wetter nicht aussuchen. Der Ball liegt beim ersten Versuch nicht einmal fünf Meter von der Mauer entfernt, aber Vorwürfe werden hier niemandem gemacht.
Disziplin steht im Vordergrund
Schoemann ist bemüht, den künftigen Kollegen nicht nur die Regeln, sondern auch ein Gespür für die Aufgaben eines Schiedsrichters zu vermitteln. "Disziplin gehört natürlich schon während des Lehrgangs dazu, denn das sollen die Unparteiischen dann ja auch auf dem Platz umsetzen", erklärt der Lehrwart. So muss auch die Stunde Praxis auf dem Kunstrasen bei Wind und Wetter sein, bevor es wieder unter das Dach geht. Denn erst einmal muss das Regelwerk und dessen Umsetzung im Mittelpunkt stehen. Die Präsentation auf der großen Leinwand wird auch mit kleinen Videos veranschaulicht.
Vielpfeifer
Vielpfeifer Seit die Spieltage von Freitag bis Sonntag ausgetragen werden, pfeifen Unparteiische bis zu dreimal an einem Wochenende.
Infos Wer auch gerne Schiedsrichter werden will, kann sich unter www.schiedsrichter-mg.de Informationen holen. Dort sind auch die Spesensätze nachzulesen, die Schiris bekommen. Inzwischen gibt es auch Online-Lehrgänge.
An diesem Tag liegt ein Schwerpunkt auf der Ausrüstung, und da geht es nicht nur um die eigene. Thematisiert wird da etwa das Verbot jeglichen Schmucks für die Spieler. "Und was ist mit Intim-Piercings?", fragt einer der Anwärter.
"Was ich nicht sehe, interessiert mich auch nicht", antwortet Schoemann pragmatisch. In der Tat hatte in den Medien gerade ein Fall aus Australien für Aufsehen gesorgt, in dem ein Schiedsrichter genau aus diesem Grund einen Spieler verwarnte. Auch die Tatsache, dass mit normalen Straßenschuhen durchaus gespielt werden darf, solange diese kein Verletzungsrisiko darstellen, war dem einen oder anderen so nicht klar.
An der klassischen Farbe für Schiedsrichter hat sich für den Lehrwart derweil nichts verändert. "Zwar laufen Schiedsrichter heute wie die Papageien herum. Aber die Grundfarbe ist weiter schwarz, und die sollte auch euer erstes Trikot haben." Diesmal gehören dem Lehrgang nur elf Anwärter an, sonst sind es im Schnitt etwa 20. "Am Anfang werden alle Absolventen erst einmal Spiele leiten. Erfahrungsgemäß haben wir im ersten Jahr einen Verlust von etwa 10 Prozent", erklärt Schoemann, der mit der kleineren Gruppe besser arbeiten kann. "In anderen, größeren Kreisen gibt es Lehrgänge mit bis zu 100 Anwärtern, aber da ist nach einem Jahr oft die Hälfte schon wieder weg."
Insgesamt ist die Zahl der Schiedsrichter im Kreis in den letzten anderthalb Jahren von 225 auf knapp 160 zurückgegangen. "Wir haben Schiedsrichter gestrichen, die entweder kaum gepfiffen haben oder nicht zu den Schulungen erschienen sind", erklärt Schoemann. Deshalb habe der Rückgang auch kaum Auswirkungen auf den Spielbetrieb.
Vielleicht ist auch im aktuellen Lehrgang ein Schiedsrichter, der in einigen Jahren viele Klassen weiter oben pfeift. Aufstiegschancen gibt es aktuell, da die neue Regionalliga Aufstiege begünstigt und so ein Aufrücken von unten erleichtert wird.
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