Handball: Pleite bei Freunden
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 01.12.2008Sie spielten schnell, temporeich und führten den Gegner phasenweise vor – nicht jedoch Tabellenführer Borussia, sondern Aufsteiger SG Dülken. Gladbach ging unter, und das auch noch bei guten Bekannten.
Bis weit nach Mitternacht saßen sie zusammen. Zwei Freunde, zwei Trainer und am Samstagabend auch zwei Gegner. Der eine, Goran Sopov, versuchte dem anderen, Zoran Cutura, zu erklären, was in den 60 Minuten am Dülkener Ransberg passiert war. Aber das war gar nicht so einfach. Borussia (mit Trainer Cutura) ging beim Aufsteiger dermaßen unter, dass das Ergebnis von 27:36 den Gladbachern noch schmeichelte. Borussia wurde schlicht vorgeführt von einem Gegner, der vor zwei Jahren noch gegen die Gladbacher Reserve Ligaspiele bestritt. Erklärungen fand da niemand. „Heute hatten wir hier nichts zu suchen“, sagte Cutura, der jedoch ziemlich gefasst blieb. Wenn man schon richtig einen auf die Mütze bekommt, dann ist es doch am schönsten, wenn das immerhin gute Freunde erledigen.
Zahlenspiel
Borussia Mayeur – Spix (3), Elis (2/Rot 50.), Geburtig (2), Crone (2), Schmidt (7/4), Johnen (10), Kuhlen (1), Misera, Bleich, Berck
Dülken Hebben – Graefe (3), Indenhuck (7), Reich (7), Sebastian Sips (9/3), Steffen Sips (5), Thomas (2), Weber (6), Weis (1)
Trainer Zoran Cutura (Borussia), Goran Sopov (Dülken)
Sagenhafte Quote
Lange Jahre hatten Cutura und Sopov bei Borussia gemeinsam gespielt und den Verein in die Spitzengruppe der Regionalliga geschossen. Und dann sind da noch viele andere Mönchengladbacher Handballer, die Dülkens Spiel prägen. Zum einen Sven Weber, der Spielmacher, der von den Borussen nie in den Griff zu kriegen war und seine Mitspieler hervorragend in Szene setzte. Zum anderen Roland Graefe, der den Gladbacher Angreifern mit cleveren Abwehraktionen richtig auf den Nerv ging. Und Kai Hebben (er kommt wenigstens aus Viersen), der im Tor eine sagenhafte Quote von 50 Prozent gehaltenen Bällen verzeichnete. Die Dülkener waren schlicht in allen Belangen besser als die wie gelähmt auftretenden Gäste. „Ich war überrascht, wie einfach das war“, gestand Goran Sopov.
Dülken ging 7:2, 13:7 und bis zur Pause 21:14 in Führung. Borussia gelang nicht ein Tor aus dem Rückraum, und Torjäger Marco Schmidt fand in Hebben auch zu oft seinen Meister. Das Debakel nahm konkrete Formen an, als die Gastgeber das 32:20 erzielten. Dank mehrerer Zeitstrafen für die SG konnten die Borussen – allen voran Kreisläufer Bennet Johnen – noch Ergebniskosmetik betreiben. Zu wenig für einen Tabellenführer, dem Aufstiegsambitionen nachgesagt werden. „Wir waren ein kollektiver Totalausfall. So geht man gegen einen hochmotivierten Aufsteiger unter“, sagte Routinier Martin Kuhlen, der selbst auch in Abwehr und Angriff einen üblen Tag erwischt hatte. Er hofft: „Daraus müssen wir lernen.“ Dazu gehört, die Beweglichkeit und Aggressivität in der Abwehr wieder zu finden, die Borussia auf den ersten Platz geführt hatte.
Den haben die Borussen nämlich vorerst eingebüßt. Spitzenreiter ist nun Aldekerk, bei einem Spiel mehr. Dort hatte es eine ähnliche Klatsche für die Borussen gegeben.
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