Mönchengladbach: Rheydter wollen ihr Rennen
VON RALF JÜNGERMANN UND KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 01.08.2007 - 09:2912.000 Besucher an der Strecke, beste Stimmung und spannender Sport: Die Rheydter ließen sich ihre Party von der Doping-Diskussion nicht vermiesen. Einhellige Meinung: Die Stars sollen nächstes Jahr wieder kommen.
Es dürfte gestern Abend in der Rheydter Innenstadt wohl kein einziges Gespräch gegeben haben, bei dem das Wort Doping nicht fiel. In der Karstadt-Kantine, wo die NVV ihre Ehrengäste bewirtete, war die aktuelle Diskussion sogar auf Kinderbildern präsent. Die Schüler der Grundschule Waisenhausstraße hatten als Dekoration Bilder zum Thema Radrennen gemeldet. Auf einem prangte: „Doping ist unfair.“
An der Strecke zwar jede Menge Kopfschütteln über die Nachrichten aus Frankreich. „Ich wundere mich schon über die mangelnde Intelligenz, mit der offensichtlich gedopt wird“, so Waltraut Feldges. Doch sie stellt klar: „An meiner Begeisterung für den Radsport ändert das grundsätzlich nichts.“ So ging es vielen Rheydtern. „Natürlich sind wir wieder gerne gekommen und hoffen doch sehr, dass die NVV das Rennen fortführt“, sagte Josef Wienands. Borussias früherer Meister-Torwart Wolfgang Kleff ist zwar kein ausgemachter Radsportfan, findet aber, dass „man Rheydt ein Event wegreißen würde, wenn das Rennen wegfällt. Hier können sich die Leute treffen, das macht so eine Veranstaltung aus.“
Die Ergbenisse
Hauptrennen 1. Jens Voigt (Team CSC), 2. Erik Zabel (Milram), 3. Robert Förster (Gerolsteiner).
Ausscheidungsfahren 1. André Greipel (T-Mobil), 2. Luke Roberts (CSC), 3. Dirk Müller (Sparkasse)
U15-Rennen Thomas Schneider (Verein Cölner Straßenfahrer), 2. Sören Laga (RV Komet Delia Köln), 3. Stephan Zogbaum (Pullheimer SC).
U13-Rennen 1. Lennart Frie (RC amor Hamm), 2. Eric Hübers (RSC Schwerte), 3. Nils Becker (Staubwolke Fischeln)
Wie es weitergeht, steht indes noch in den Sternen. Der NVV-Vorstandsvorsitzende Friedhelm Kirchhartz kündigte gestern an, dass das Unternehmen frühestens im Januar 2008 über die Zukunft des Rennens entscheiden werde. Der leidenschaftliche Radsport-Fan Kirchhartz musste übrigens gestern eine schmerzliche Niederlage hinnehmen.
"Der Voigt gewinnt"
Sein Vorstandskollege Dr. Rainer Hellekes prophezeite drei Runden vor Schluss: „Der Voigt gewinnt.“ Das mochte Kirchhartz angesichts der starken Sprinter nicht glauben. Doch Hellekes sollte Recht behalten. Zwei Runden vor Schluss riss Voigt, der in Kürze zum fünften Mal Vater wird, aus und ließ Erik Zabel und Robert Förster keine Chance mehr.
Um 21.58 Uhr sauste der 35-Jährige mit erhobenen Armen über die Ziellinie. „Ich habe die anderen das Tempo machen lassen. Hätte ich mich dann nicht nicht abgesetzt, hätte ich im Spurt gegen die Sprint-Asse keine Chance gehabt“, erklärte Voigt nach seinen Sieg. „Wenn du Jens zehn, 20 Meter Vorsprung gibst, ist er weg“, sagte Zabel, der entthronte Vorjahressieger. Robert Förster hatte während des Rennens festgestellt, dass „die Begeisterung in Rheydt noch größer war als in einem Jahr. Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder hier fahren kann. Diese Rennen sind wichtig, um mit den Fans zusammen zu kommen.“
Etliche Rheydter nutzten den Abend zum Shoppen. Einige Einzelhändler hatten ihre Geschäfte bis 23 Uhr offen gehalten. Und so sah man selbst nach der Siegerehrung kurz nach 22 Uhr noch einige Passanten mit Einkaufstüten. Auch Petra Bialas hatte das Gucken mit dem Kaufen verbunden: „Irgendetwas findet man doch immer.“
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